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Neue Hotspots China und Südkorea haben die Corona-Regeln gelockert – kommt nun die zweite Welle?


Die Angst vor einer zweiten Coronawelle ist real: In Südkorea und China mehren sich die Berichte über steigende Neuinfektionsraten. Sorgen macht den Behörden vor allem Seoul: Clubs und Bars haben dort wieder auf – und sind sofort zum Hotspot geworden.

Lange galt Südkorea als vorbildlich in Sachen Pandemie-Bekämpfung: Mit massenhaften Corona-Tests und konsequenten "Social Distancing"-Aufforderungen schaffte man es, die Fallzahlen an Infektionen und Toten auf vergleichsweise niedrigem Niveau zu halten (lesen Sie hier mehr dazu). Anfang Mai lockerte die Regierung deswegen die Regeln – und dürfte es nun mit einer zweiten, großen Infektionswelle zu tun bekommen. Hotspot ist dieses Mal Seoul, wo sich das Virus rasend schnell über die Clubs der Stadt ausgebreitet hat. 

Auch aus China, dem mutmaßlichen Ursprungsland der Pandemie, hört man Beunruhigendes: Nachdem mancherorts der Lockdown langsam aufgehoben wurde, steigen die Fallzahlen wieder an – auch in Wuhan, der mit Abstand am stärksten betroffenen chinesischen Stadt.

Hotspot der zweiten Welle in Seouls Vergnügungsviertel

In Südkorea sind die Behörden angesichts sprunghaft angestiegener Infektionszahlen in Seoul alarmiert. "Es ist für uns jetzt ein sehr kritischer Moment", sagte Kwon Joon Wook von der Zentrale für das Katastrophen-Management am Donnerstag. Wook und andere Behördenvertreter befürchten, dass die Situation außer Kontrolle geraten und zu einem ähnlichen sprunghaften Anstieg der Fallzahlen wie im Februar führen könnte.

Der Grund: In den vergangenen Tagen hat sich das Virus in der Hauptstadt des Landes zum zweiten Mal rasend schnell ausgebreitet. Brennpunkt dabei war das Vergnügungsviertel Itaewon. 136 Menschen hatten sich bis Mittwoch ausgehend von den dortigen Nachtclubs und Bars mit dem Coronavirus infiziert – entweder direkt oder indirekt über Kontaktpersonen.

Passanten laufen durch den Stadtteil Itaewon in Seoul. Nachdem dort die Nachtclubs und Bars wieder geöffnet hatten, ist ein neuer Corona-Hotspot entstanden.
Passanten laufen durch den Stadtteil Itaewon in Seoul. Nachdem dort die Nachtclubs und Bars wieder geöffnet hatten, ist ein neuer Corona-Hotspot entstanden.
© Jung Yeon-je / AFP

Mehrere Fälle konnten dabei auf einen infizierten Mann zurückgeführt werden, der in der Nacht zum 2. Mai fünf Clubs in Itaewon besucht hatte. Die Behörden befürchten, dass sich das Virus schnell auf Gemeindeebene im ganzen Land verbreiten kann, weil die Clubgäste nicht nur aus Seoul kamen. Wie das "Time" Magazin berichtet, seien die Club- und Barbetreiber in Seoul zwar aufgefordert worden, vor dem Einlass Kontaktdaten ihrer Klientel notieren zu lassen. Doch viele Gäste hätten "falsche oder unvollständige Informationen hinterlassen." 

Dem Bericht zufolge sollen es die lokalen Behörden bisher geschafft haben, etwa 2400 der rund 5500 Menschen zu kontaktieren, die sich zum besagten Zeitpunkt in Itaewon aufgehalten hatten. Weitere Partygänger sollen nun mittels Kreditkartenabrechnungen und mit Hilfe der Polizei gefunden werden. Um die Infektionsketten zu durchbrechen, setzen die Behörden zusätzlich auf intensives Testen. Bisher wurden in Verbindung mit dem Itaewon-Ausbruch etwa 35.000 Menschen auf Sars-Cov-2 getestet. Alle Menschen, die sich zwischen dem 24. April und dem 6. Mai in der Gegend um die Clubs aufhielten, wurden dringend aufgerufen, sich freiwillig testen zu lassen. Der Bürgermeister von Seoul hat indes die Clubs und Bars der Stadt wieder dicht gemacht. 

Nach dem Höhepunkt des Ausbruchs Ende Februar mit über 900 Fällen innerhalb eines Tages hatte Südkorea die Lage weitgehend in den Griff bekommen. Seit Mitte April wurden zunächst täglich weniger als 15 Neuinfektionen gemeldet, die strengen Beschränkungen schrittweise gelockert. Restaurants, Bars und Clubs durften nach und nach wieder vollständig öffnen.

Die Gesamtzahl der Infektionen in Südkorea liegt bisher bei knapp 11.000. Es wurden 260 Todesopfer in Verbindung mit dem Virus gebracht.

In Wuhan schien das Coronavirus schon ausgerottet

Auch in China schien das Virus eigentlich schon zurückgedrängt. Doch nachdem Anfang der Woche in einem Wohngebiet des einstigen Hotspots Wuhan nach einer längeren Phase ohne Erkrankungen sechs neue Infektionen festgestellt worden waren, sind auch dort die Behörden jetzt sehr besorgt. Nun sollen sämtliche elf Millionen Einwohner in der Rekordzeit von zehn Tagen einem Coronavirus-Test unterzogen werden. 

Nirgendwo in China wurden im Laufe der Ausbreitung der Pandemie so viele Infektionen und Todesfälle gemeldet wie in Wuhan. 50.000 der mehr als 80.000 offiziell gemeldeten Infektionen in China gab es allein dort. Die Stadt war die weltweit erste, die wegen des Virus über Wochen komplett abgeschottet war. Die Bewohner durften selbst für Spaziergänge oder zum Joggen ihre Häuser nicht mehr verlassen. Sogar Einkäufe waren vorübergehend nicht mehr möglich. Erst Anfang April wurde die Ausgangssperre komplett aufgehoben.

Neuer Hotspot im Nordosten Chinas

China hat das Virus den eigenen Angaben nun zufolge weitgehend unter Kontrolle, kämpft jedoch mit lokalen Ausbruchsherden. Eine zweistellige Zahl neuer Infektionen wurde kürzlich auch aus der nordostchinesischen Provinz Jilin gemeldet. Vor allem die Stadt Shulan könnte dort zu einem neuen Ansteckungsherd werden. Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, seien die Fälle dort auf eine Frau zurückzuführen, die in letzter Zeit weder gereist sein soll noch auf andere Weise dem Virus ausgesetzt war. 

Von einem Wildtiermarkt in China soll das Coronavirus stammen (Symbolbild)

Die Provinz hat deswegen nun einen neuerlichen Lockdown veranlasst. Öffentliche Orte, Sportstätten, Kinos und Bibliotheken wurden erneut geschlossen. Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt, Taxis dürfen die Stadt nicht mehr verlassen. Die Einwohner wurden erneut zum Zuhausebleiben aufgefordert und dürfen nur in Notfällen ihre Wohnungen verlassen. 

Für die Menschen dort dürfte es sich wie ein Déjà-vu anfühlen. Wie lange die Maßnahmen dauern sollen, ist bislang völlig unklar.

Quellen: "Time", "The Guardian", Nachrichtenagenturen DPA, AFP


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