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Neue Corona-Variante Spekulationen um milden Krankheitsverlauf bei Omikron – warum es dafür noch zu früh ist

Omikron Südafrika Symptome: Passagiere warten an einem Ticketschalter auf dem O.R. Tambo Flughafen in Johannesburg
Passagiere warten an einem Ticketschalter auf dem O.R. Tambo Flughafen in Johannesburg, Südafrika
© Jerome Delay/AP / DPA
Immer mehr Länder melden Fälle mit der Virus-Variante Omikron. Zeitgleich kursieren Meldungen, in denen von milden Krankheitsverläufen die Rede ist. Doch Experten warnen vor verfrühter Hoffnung. 

Italien, Israel, Dänemark, Kanada und Portugal: Immer mehr Länder melden erste Fälle mit der Corona-Variante Omikron, zumeist bei Reiserückkehrern aus Südafrika. In Deutschland sind bislang fünf Fälle mit der neuartigen Mutante bestätigt worden, mindestens zwei weitere Verdachtsfälle werden untersucht.

Forschende beobachten die Verbreitung der Mutante mit Sorge. Sie steht aufgrund zahlreicher Mutationen im Verdacht, dem Immunschutz nach einer Impfung besser als bisherige Varianten entgehen zu können. Wichtige Daten, um diese Frage abschließend klären zu können, fehlen aber noch. Gleichzeitig gibt es Meldungen, die zumindest auf den ersten Blick hoffen lassen: Demnach zeigen Omikron-Infizierte vorrangig milde Symptome. Experten warnen aber vor verfrühter Hoffnung und verweisen darauf, dass es noch zu wenige Daten gibt, um die Krankheitsschwere nach einer Omikron-Infektion seriös abschätzen zu können.

"Spekulation kann zu Unterschätzung der Gefahr führen"

Spekulationen um einen angeblich milderen Krankheitsverlauf mit Omikron und die Theorie, wonach sich Viren "immer abschwächen", seien aktuell "unseriös bis gefährlich", twitterte die Genfer Virologin Isabella Eckerle. Sie stellte klar: "Solche Daten gibt es aktuell nicht." SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstrich die Aussage der Virologin: "Das stimmt leider", schrieb Lauterbach ebenfalls auf Twitter. "Es sieht bisher nicht wirklich nach einem leichteren Verlauf aus." Er warnte: "Die Spekulation kann zu einer Unterschätzung der Gefahr führen."

Berichte zum Thema verweisen oft auf eine südafrikanische Ärztin aus Pretoria, die angibt, bei der Untersuchung von rund 30 Omikron-Patienten habe sie zwar ungewohnte, aber nur milde Symptome festgestellt. Sie litten demnach unter extremer Müdigkeit, leichten Muskelschmerzen, einem kratzigen Hals und Husten. Alle Betroffenen hätten sich wieder erholt, ohne ins Krankenhaus zu müssen. Weniger als die Hälfte von ihnen sei geimpft gewesen. Bei den Infizierten habe es sich überwiegend um junge Männer unter 40 Jahren gehandelt.

Omikron-Variante: "Zu früh für seriöse Aussagen"

Allgemeine Schlüsse, wonach Omikron-Infektionen mild verlaufen, lassen sich aus den Angaben aber nicht ziehen. Zum einen ist die Zahl der untersuchten Patienten gering. Hinzu kommt, dass die Betroffenen noch recht jung waren. Bekannt ist bereits, dass Corona-Infektionen bei jüngeren, gesunden Menschen in der Regel milder verlaufen als bei Älteren und Vorerkrankten. Zudem ist zu erwarten, dass unter den Infizierten auch Menschen sind, die zuvor bereits einmal mit Sars-CoV-2 infiziert waren und die eine gewisse Grundimmunität gegen das Virus haben, was sie vor schweren Verläufen schützen könnte. Es wird angenommen, dass sich das Coronavirus bereits in früheren Wellen stark in weiten Teilen Afrikas ausbreiten konnte.

Auch aktuelle Berichte über Omikron-Krankheitsverläufe bei Reise-Rückkehrern haben laut der Virologin Isabella Eckerle wenig Aussagekraft. Es handle sich um Personen, die aktiv aufgesucht und getestet würden und nicht einmal unbedingt Symptome hätten. Das sei "nicht repräsentativ", so die Expertin.

Ob damit auch Spekulationen um angeblich schwere Krankheitsverläufe mit Omikron unseriös seien, wollte ein Follower wissen. "Ja, auch diese Spekulationen sind aktuell nicht belegt", betonte Eckerle und ergänzte: "Allerdings führt diese Befürchtung wohl dann zumindest nicht zu falschen Hoffnungen & Sorglosigkeit."

Es hofften alle auf gute Nachrichten, so die Virologin. "Aber im Moment ist es einfach noch zu früh, um seriöse Aussagen zu treffen."

ikr

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