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Corona-Zahlen Inzidenz steigt auf 23,1 – Soziologe: In der Pandemie verdrängen viele den Tod

Teilnehmer an einer Impfaktion in Sachsen-Anhalt
Teilnehmer an einer Aktion der IG Bau lässt sich gegen das Coronavirus impfen. Der Inzidenzwert steigt trotz steigender Zahl an Geimpften weiter.
© Waltraud Grubitzsch / DPA
Auch an diesem Montag legt das RKI neue Corona-Zahlen vor: 1183 Neuinfektionen, die Inzidenz steigt auf 23,1. Zahlen, die für viele abstrakt bleiben, wie ein Soziologe mahnt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 23,1 – am Vortag hatte der Wert 22,6 betragen, vor einer Woche lag er bei 17,8. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1183 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.08 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 847 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. Darüber wird voraussichtlich die nächste Bund-Länder-Konferenz am Dienstag bebattieren und entscheiden.

Corona: Viele verdrängen den Tod

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden zwei Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche war es ein Todesfall gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie knapp 3,8 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die täglichen Meldungen über Covid-19-Tote verdrängen nach Ansicht des Passauer Soziologen Matthias Meitzler für viele Menschen den Tod. "Für alle, die niemanden verloren haben, bleiben das abstrakte Zahlen", sagte der 35-Jährige. Entscheidend sei die persönliche Betroffenheit. "Auch schon vor der Pandemie wussten alle, dass täglich Menschen sterben. Das verdrängen die meisten aber im Alltag." Die Pandemie könnte aber bestehende Trends rund um Tod und Trauer verstärkt haben.

"Trauer und Beisetzungen werden zunehmend technisiert. Dazu gehören unter anderem Trauerhallen mit Kameras, die auf Wunsch die Trauerrede filmen, damit Nichtanwesende sie per Stream verfolgen können", sagt der 35-Jährige. Früher hätte das Filmen noch als pietätlos gegolten. Schon vor Corona habe sich abgezeichnet, dass Beisetzungen zunehmend privat werden und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, so Meitzler.

Knapp 3,7 Millionen Genesene

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit knapp 3,7 Millionen an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.784.

dho DPA

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