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Corona-Pandemie: "Das Schönste war, wieder zu atmen": Italiens "Patient 1" ist wieder gesund

Wer das Coronavirus nach Italien gebracht hast, ist unklar – "Patient 0" lässt sich nicht mehr identifizieren. Was man aber weiß: Wer "Patient 1" war. Der hat mittlerweile das Krankenhaus wieder verlassen – und einen eindringlichen Appell an seine Landsleute.

Ärzte des Krankenhauses in Pavia. Hier wurde auch Mattia behandelt, Italiens "Patient 1".

Ärzte des Krankenhauses in Pavia. Hier wurde auch Mattia behandelt, Italiens "Patient 1". In der Klinik sind seit Kurzem auch Ärzte und Krankenschwestern aus China tätig. Sie lassen die italienischen Kollegen von ihrem Wissen im Umgang mit dem Coronavirus profitieren.

DPA

Er ist der erste Italiener, bei dem das Coronavirus nachgewiesen wurde: Mattia aus Codogno. Ob er es auch war, der das Virus ins Land gebracht hat, ist unklar – "Patient 0" ist in Italien ein Unbekannter.

Fest steht aber: Mattia ist nur einer von Tausenden, die sich im Norden Italiens mit Corona infiziert haben. Obwohl der junge Mann mit seinen 38 Jahren und einem fitten Allgemeinzustand faktisch nicht zur Risikogruppe zählt, erwischte ihn die Krankheit heftig. So heftig, dass er zwischenzeitlich sogar intubiert werden musste.

Jetzt kann Mattia wieder selbstständig atmen und wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Seine Botschaft an seine Landsleute: Nehmt diese Krankheit ernst!

18 Tage Intensivstation

Es war Mitte Februar, als Mattia sich zum ersten Mal krank fühlte. Mit den klassischen Grippe-Symptomen ging er ins Krankenhaus. Man wies ihn zunächst ab – erst als sich sein Gesundheitszustand massiv verschlechterte und er erneut in der Klinik vorstellig wurde, nahm man ihn auf. Das war am 19. Februar. Nichtsdestotrotz dauerte es mehrere Tage, bis er dort auf Covid-19 getestet wurde. Zeit, in der Mattia vermutlich zahlreiche andere angesteckt hat – darunter seine schwangere Frau, mehrere Ärzte und Krankenschwestern. 

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Mattia ging es zunehmend schlechter. Obwohl er Hobby-Marathonläufer ist und allgemein einen sehr fitten Eindruck machte, hatte sein Körper schwer mit dem Virus zu kämpfen. Schließlich wurde er in ein größeres Krankenhaus nach Pavia verlegt. Er kam auf die Intensivstation und musste mehrere Tage künstlich beatmet werden. Erst am 9. März schafften seine Lungen es, wieder allein zu atmen.

Nun wurde Mattia entlassen, er ist wieder gesund. In einem Interview mit dem lokalen Nachrichtenportal "Lombardia Notizie" erzählte er, wie er die Krankheit erlebt hat. "Es ist für mich schwierig zu berichten, was mir alles passiert ist", so der 38-Jährige. "Ich kann mich an den Aufenthalt im Krankenhaus erinnern. 18 Tage war ich auf der Intensivstation und dann auf der Station für Infektionskrankheiten", sagte er im Interview. Erst dort habe er wieder angefangen "Kontakt mit der realen Welt" aufzunehmen. Und er habe "die schönste Sache überhaupt" erlebt: wieder atmen zu können.

"Lernt aus meinen Erfahrungen"

Nun appelliert der 38-Jährige an seine Landsleute: "Ich hatte großes Glück, weil ich behandelt wurde. [...] Aber jetzt sind im Vergleich zu der Zeit, in der ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, möglicherweise keine Ärzte verfügbar." Deswegen forderte er alle Italiener auf: "Lernt aus meinen Erfahrungen. Bleibt zuhause." Nur so könne das Virus eingedämmt werden.

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Mattias Appell unterstrich auch der Präsident der Region Lombardei , Attilio Fontana: "Bleiben Sie zu Hause, es ist die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der Infektion zu verhindern." Fontana warnte gleichzeitig davor, dass die Situation in den Krankenhäusern sich in den nächsten Tagen noch weiter zuspitzen könnte: "Eines Tages gibt es keine Betten mehr für alle Kranken, genau wie Mattia sagt."

Italien leidet besonders heftig unter Corona-Pandemie

Italien meldete bis Mittwochnachmittag rund 70.000 Infizierte und knapp 7000 Tote. Kein anderes Land in Europa ist bislang so schwer vom Coronavirus betroffen. Experten befürchten, dass sich die Lage in den nächsten Wochen sogar noch verschlimmern könnte.

Es droht eine zweite Infektionswelle im Süden, wo die Menschen bislang teilweise weniger einsichtig waren und die strengen Regeln der Regierung noch nicht von allen befolgt wurden.

Nach der überstandenen Infektion zählt für Mattia indes nur eins: "Ich möchte diese tragische Erfahrung vergessen und zur Normalität zurückkehren." 

Quellen: "Lombardia Notizie", Johns Hopkins University, Nachrichtenagentur ANSA

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