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Coronavirus-Krise New Yorks Gouverneur Cuomo: "Es werden Tausende sterben"

Coronavirus New York: Menschen stehen Schlange und warten darauf, auf Covid-19 getestet zu werden.




Wir sind hier in Queens in New York vor dem Elmhurst Hospital Center, dem Epizentrum des Epizentrums, wenn man so will. Es gibt hier mehr als 35 000 Fälle im Staat New York, schon mehr als 300 Tote mehr als in ganz Deutschland. Und Elmhurst ist hier das Zentrum. In diesem Krankenhaus hinter mir sind bereits fast alle Betten, alle 545 Betten belegt mit Covid-19 Patienten. Alle anderen werden abgewiesen.
Stundenlanges Warten auf einen Covid-19 Test
Sie sehen die Schlange hinter mir. Das sind Menschen, die schon seit Stunden darauf warten, getestet zu werden in den Zelten dort dahinter. Diese Schlangen war heute Morgen noch sehr viel länger. Die Intensivstation ist komplett überfüllt, und Ärzte berichten von chaotischen Zuständen. Es fehle an Material, an Beatmungsgeräte, an Masken und ähnlichen Dingen. Die 1800 Intensivbetten in New York werden schon morgen wahrscheinlich alle besetzt sein. Deswegen ist die Stadt angewiesen auf Hilfe von außen, unter anderem von den Army Core of Engineers und Fema. Das sind die Stellen, die jetzt die Feldlazarette bereitstellen sollen.
Mehr tragische Geschichten werden kommen
Ich habe hier mit einigen Menschen gesprochen, vor allem Einwanderer, darunter zum Beispiel Oscar, ein 62-Jähriger, der gerade eben positiv getestet wurde und noch auf das Ergebnis seiner Frau wartete. Sich also in Quarantäne begeben muss. Besonders tragisch: Er hat bereits seinen Job verloren. Auch seine Frau als Putzfrau hat ihren Job verloren. Und sie können jetzt nicht auf staatliche Unterstützung hoffen, weil sie illegal im Land sind. Was als illegal bezeichnet wird. Das sind so die tragischen Geschichten, von denen man jetzt hier sehr, sehr viel hören wird. An der Seite hier sah ich gerade einen Kühllaster, dort werden die Toten gelagert und dann abtransportiert. So schlimm sind die Zustände hier zum Teil. Das gilt allerdings nicht für alle Krankenhäuser New Yorks. Man muss da vorsichtig sein. So dramatisch ist die Situation noch nicht. 


Die Schlange hier am Montag war bereits sehr viel länger, und insofern ist die Hoffnung vom Gouverneur Andrew Cuomo und auch vom Bürgermeister Bill de Blasio, dass sich womöglich die Situation jetzt leicht verbessert. Aber für absehbare Zeit ist erst New York sicherlich das Epizentrum im Epizentrum dieser Pandemie.
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Die Lage in New York spitzt sich zu. Die Notrufzentralen sind überlastet. medizinische Ausrüstung wird knapp. Gouverneur Andrew Cuomo macht kein Geheimnis daraus: Das Coronavirus wird im US-Bundesstaat tausende Opfer fordern. 

Gouverneur Andrew Cuomo hatte das Wichtigste auf seiner täglichen Pressekonferenz schon gesagt: 237 neue Corona-Tote in New York, an nur einem Tag. Mehr als 7200 neue Infizierte im Bundesstaat. Überlastete Krankenhäuser. Die Lage ist dramatisch. 

Er war schon bei dem "Silberstreifen" am Horizont angelangt: Man solle sich einen schönen Tag mit der Familie machen, empfahl er den New Yorkern, so wie er: Italienisch essen mit seinen Töchtern zu Hause, Spaghetti mit Wurst und Fleischbällen, die alte Mutter wird dazugeschaltet per Telefon oder Skype. Ein bisschen Freude in dunklen Tagen, sagte er. Familienzeit.

Da kam eine der letzten Fragen der Journalisten: Mit wie vielen Toten er denn rechne? Cuomos Gesundheitsexperte Dr. Zucker, zuständig für solche Fragen, wollte sich wie immer nicht festlegen, er lässt die Dinge gern im Vagen.

Nicht so der Gouverneur, bekannt für seine Klarheit: "Ich weiß nicht, wie du die Zahlen anschauen kannst, ohne zu erkennen, dass Tausende sterben werden", sagte er.

Cuoma, Mann der deutlichen Worte

Da war es draußen in der Welt: Tausende Tote in New York. Mehr als bei den Terroranschlägen vom 11. September. Schon jetzt sind es mehr als 1000 Coronatote im Bundesstaat, fast die Hälfte aller Opfer in den USA. Schon jetzt gibt es allein in New York doppelt so viele Tote wie in ganz Deutschland.

Den Satz mussten die New Yorker erstmal verdauen: Tausende Tote in den kommenden Wochen.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo rechnet mit tausenden Coronavirus-Opfern in seinem Bundesstaat
New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo rechnet mit tausenden Coronavirus-Opfern in seinem Bundesstaat, zu dem auch New York City gehört
© John Minchillo / DPA

Andrew Cuomo, Gouverneur seit 2011, ist bekannt für seine klaren Worte, für sein mitunter brüskes Verhalten. Er sagt seinen New Yorkern die harte Wahrheit, die schlechten Zahlen, die "bad news": Die Schulen werden weiter geschlossen bleiben. Die nichtessentiellen Arbeiter und Angestellten werden weiter zu Hause bleiben müssen. Das Schlimmste kommt erst noch, in 14 bis 21 Tagen.

Er sagt es nicht panisch, auch nicht euphemistisch, sondern nüchtern und klar: Es kommt viel auf Euch zu. "Aber wir schaffen das. New Yorker sind taff."

Hilfe aus China

Die Lage in New York spitzt sich zu. Die Notrufzentralen sind überlastet, auch einige Krankenhäuser, vor allem das von US-Präsident DonaldTrump oft zitierte Elmhurst Hospital Center in Queens, das "Epizentrum im Epizentrum" (Trump).

Bürgermeister Bill de Blasio gab bekannt, dass der Vorrat an medizinischer Ausrüstung nur noch eine Woche reiche, an Beatmungsgeräten sogar nur wenige Tage. Am Flughafen John F. Kennedy landete zur selben Zeit eine erste von 20 Maschinen aus China, die Millionen Gesichtsmasken, Handschuhe, Kittel brachte, weil es im eigenen Land einfach nicht genug gibt. Entwicklungshilfe vom Klassenfeind.

Und obwohl sich 76.000 pensionierte Ärzte und Krankenschwestern bereit erklärt haben, als Freiwillige auszuhelfen, fordert de Blasio mehr Hilfe, mehr Personal, vom Militär und von anderen Bundesstaaten. New York sei am Rand der Erschöpfung.

Am selben Tag wurde Anthony Fauci, Immunologe der Coronavirus Task Force und so etwas wie der Experte der Nation gefragt, mit wie vielen Toten man in den USA rechnen müsse – und er antwortete wie immer ehrlich: mehr als 100.000.

Trump verlängert Richtlinien zur sozialen Distanz

Tausende Tote in New York. Mehr als 100.000 im Land, womöglich bis zu 200.000. Auch davon mussten sich die Amerikaner am Sonntag erstmal erholen.

Da fiel es auch Präsident Trump nicht schwer, die strengen Richtlinien des "social distancing" zunächst bis Ende April zu verlängern. Tagelang wurde spekuliert, ob Trump das Land zu Ostern wieder öffnen würde, vor allem, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Jetzt deutete er einen realistischeren Termin für die Rückkehr zur Normalität an: 1. Juni 2020.


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