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Neues Strategiepapier RKI fordert: Bloß kein neuer Lockdown – Schulen und Kitas müssen offen bleiben

"Danke, dass du in unserem Store einen Mund-Nasen-Schutz trägst", steht am Schaufenster eines Geschäfts
Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen, aber kein großflächiger Lockdown. Mit dieser Grundhaltung dürfte das Robert-Koch-Institut in der deutschen Wirtschaft auf Zustimmung stoßen.
© Jens Kalaene / DPA
Wie entwickelt sich die Coronavirus-Pandemie in den nächsten Monaten? Das Robert-Koch-Institut sieht Deutschland vor schwierigen Zeiten – positioniert sich aber klar gegen einen generellen Lockdown.

Die Zahlen der Coronavirus-Infektionen in Deutschland steigen, die Politik streitet über Reisebeschränkungen, Beherbergungsverbote und Sperrstunden. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland allein am Dienstagmorgen erneut 4122 neue Corona-Infektionen. Der steigende Trend hält seit Tagen an.

Und wie geht es in den nächsten Wochen weiter? Jetzt, da die Temperaturen sinken und sich die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen und weniger im Freien aufhalten und die Ansteckungsgefahren steigen? Auch die Grippesaison steht vor der Tür.

In seinem neuen Strategiepapier beschreibt das RKI, wie es die nahe Zukunft in Sachen Corona sieht – und wie Deutschland darauf reagieren sollte. Während im Frühjahr das öffentliche Leben wochenlang stillstand, um Infektionsketten zu unterbrechen, halten die die Berliner Forscher einen solchen Lockdown inzwischen nicht mehr für sinnvoll, sondern setzen auf eine punktuelle Bekämpfung der Pandemie, Weiterentwicklungen von Tests und möglichst gute Informationen der Bevölkerung, beispielsweise durch die Corona-Warn-App.

So solle etwa eine großflächige Schließung von Schulen und Kitas, wie es sie im Frühjahr gegeben hatte, nicht wiederholt werden. "Es ist wichtig, diese Einrichtungen durch Einhalten von Hygienekonzepten weiter offen zu halten", so die klare Forderung der Virus-Experten in dem Strategiepapier. Zwar spielten die Bildungseinrichtungen eine Rolle im Infektionsgeschehen. Jedoch seien sie ein wesentlicher Teil des öffentlichen Lebens und wichtig für die Entwicklung der Kinder und dafür, dass Eltern ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen können.

Coronavirus wird den Alltag der Menschen in Deutschland noch lange bestimmen

Der Alltag der Menschen in Deutschland werde zwar eingeschränkt bleiben: Die Bürger müssten weiter die Hygieneregeln beachten, Masken tragen,geschlossene Räume mit schlechter Belüftung und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort vermeiden. Jedoch solle das gesamt­gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben möglichst wenig beeinträchtigt werden, heißt es in dem Resümee des RKI.

Mit dieser Position wendet sich das Institut sehr deutlich gegen einen erneuten großflächigen Lockdown, wie es ihn im Frühjahr gegeben hatte und dessen wirtschaftliche Folgen weiterhin deutlich spürbar sind. Das RKI spricht von "erheblichen gemeinsamen Anstrengungen" während der ersten Monate der Pandemie. "Die im März 2020 in Deutsch­land getroffenen Maßnahmen hatten einschneidende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen", heißt es in dem Papier. Nun komme es darauf an, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, ebenso wie Spätfolgen und Todesfälle durch Corona.

Um die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen, setzt das RKI auf eine punktuelle Bekämpfung des Virus, wie Institutschef Lothar Wieler laut Nachrichtenagentur DPA betonte: "Wir brauchen im Umgang mit Covid-19 in den nächsten Wochen und Monaten zeitlich und regional beschränkte Maßnahmen, die an das jeweilige Risiko angepasst werden", so Wieler.

Die Pandemie halten die Forscher weiter für sehr gefährlich, so der Tenor des Strategiepapers. Zwar sei im europäischen Vergleich Deutschlands Zwischen­bilanz bei der Ein­dämmung "relativ erfolgreich", jedoch seien die Herausforderungen weiterhin groß.

RKI erwartet Corona-Impfungen ab 2021

Das RKI rechnet damit, dass es im kommenden Jahr einen oder mehrere Impfstoffe gegen Corona geben wird, was die Bekämpfung von Covid-19 entscheidend verbessern dürfte. Jedoch dürften diese Mittel vermutlich zunächst nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen und für Risikogruppen reserviert sein.

Es sei deshalb sinnvoll, insbesondere solche Risikogruppen breit auf Influenza und Pneumokokken zu impfen. "Für die Pandemiekontrolle der kommenden Monate spielen Impfstoffe gegen andere Atemwegserkrankungen vor allem in der kalten Jahreszeit eine entscheidende Rolle." Dadurch könnten Menschen geschützt und das Gesundheitssystem entlastet werden.

Das komplette Strategiepapier des Robert-Koch-Instituts finden Sie hier.


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