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Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies: Fast 700 Menschen in Wohnblocks unter Quarantäne – Stadt Verl will für Erleichterungen sorgen

Ganze Wohnblocks in Verl im Kreis Gütersloh sind nach dem Coronavirus-Ausbruch in einem Tönnies-Schlachthof unter Quarantäne gestellt und mit Bauzäunen abgesperrt. Der Bürgermeister der Stadt hat nun eine Idee, wie den Bewohnern das Leben erleichtert werden kann.

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Weit mehr als eine halbe Million Menschen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf müssen zum zweiten Mal erleben, wie das öffentliche Leben in ihrer Heimat heruntergefahren wird. Nach dem massenhaften Ausbruch des Coronavirus in einem Schlachthof des Tönnies-Konzerns in Rheda-Wiedenbrück haben die Behörden die Notbremse gezogen: Nun gelten in den beiden Kreisen wieder Kontaktbeschränkungen. Schulen, Kitas, Freizeit- und weitere Einrichtungen sind bereits oder werden ab Donnerstag geschlossen, mindestens bis zum 30. Juni. Wer kann, sollte möglichst zu Hause bleiben.

Wohnblocks in Verl wegen Coronavirus abgeriegelt

Andere müssen dort verharren: Für mehr als 7000 Menschen in der Region gilt eine Quarantäne. Sie dürfen ihre Wohnungen und Häuser nicht verlassen, weil sie entweder selbst mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert sind oder mit Infizierten Kontakt gehabt haben könnten.

Besonders betroffen ist unter anderem der Stadtteil Sürenheide von Verl, Wohnort zahlreicher Mitarbeiter der Tönnies-Fleischfabrik keine 15 Kiolmeter entfernt. Hier haben die Behörden Zäune um mehrere Wohnblocks aufgestellt, in denen die Menschen leben. Polizisten bewachen die Straßenzüge. So soll sichergestellt werden, dass sich alle an die verhängte Quarantäne halten. Insgesamt sind in Verl-Sürenheide 668 Menschen davon betroffen, berichtet unter anderem die Lokalzeitung "Neue Westfälische". Die Zahl der positiv Getesteten liegt nach Angaben von Bürgermeister Michael Esken (CDU) bei rund 100.

Der "Bonner General-Anzeiger" zitiert einen betroffenen Anwohner: "Wir wohnen nicht im selben Haus wie die Tönnies-Mitarbeiter. (...) Hätte man diese Häuser nicht abtrennen müssen?"

Genau das hat Esken jetzt offenbar vor. Das Oberhaupt der 26.000-Einwohner-Stadt will zumindest den Nicht-Infizierten unter den Abgesonderten das Leben etwas erleichtern. Der CDU-Politiker plant laut "Neue Westfälische", die positiv getesteten von den negativ getesteten Menschen zu separieren. 

Wer mit dem Virus infiziert ist, sollte in Immobilien der Stadt untergebracht werden, sagte der Bürgermeister dem Blatt – ob die Verwaltung den Plan alleine oder in Zusammenarbeit mit dem Krisenstab des Kreises umsetzt, sei noch nicht entschieden. Wären die übrigen Bewohner eines Hauses negativ getestet, könnte es demnach aus der Quarantänezone herausgenommen werden, so die Idee.

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Wer in Quarantäne verbleiben muss, werde umfassend von der Stadt versorgt. "Der einzige Wunsch, den wir nicht erfüllen können, ist, dass Sie sich frei bewegen können", sagte der Bürgermeister den Bewohnern der Wohnblocks. Zudem sollen vorerst auch weitere Freiflächen in das Quarantänegebiet einbezogen werden, um den Betroffenen Bewegung an der frischen Luft zu ermöglichen. Spielgeräte für die Kinder sollen aufgestellt und die medzinische Versorgung in Sürenheide durch zwei zusätzliche Ärzte verbessert werden. Die Quarantäne dort gilt bis zum 4. Juli.

Die als "Lockdown" bezeichneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Ostwestfalen zogen eine weitere schlechte Nachricht nach sich: Fußball-Viertligist SC Verl darf sein für den kommenden Dienstag vorgesehenes Rückspiel in der Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga gegen den 1. FC Lok Leipzig nicht im heimischen Stadion austragen – aber das dürfte eines der kleineren Probleme der Menschen in der Region Ostwestfalen sein.

Quellen: "Neue Westfälische", "Bonner General-Anzeiger"Bürgermeister Michael Esken, Kreis Gütersloh

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