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Pandemie Jüngere statt Ältere: Interaktive Karte zeigt, wie unterschiedlich sich das Coronavirus in den Altersgruppen verbreitet

Coronavirus Deutschlandkarte
Die Verteilung der Corona-Inzidenzen in der Altersgruppe 15 bis 34 Jahre (links) und Ü80 (rechts). Die Farbe Lila kennzeichnet Inzidenzen ab 200; grün steht für Inzidenzen unter 25. Datenstand: 21.4.2021
© Screenshot https://semohr.github.io/risikogebiete_deutschland/
Das Coronavirus verbreitet sich in Deutschland – doch zwischen einzelnen Altersgruppen gibt es große Unterschiede. Eine Deutschlandkarte zeigt, welche Bevölkerungsgruppe in Ihrer Stadt oder in Ihrem Landkreis aktuell besonders betroffen ist.

24.884 Neuinfektionen mit dem Coronavirus meldet das Robert Koch-Institut (RKI) für Mittwoch, die Sieben-Tages-Inzidenz liegt damit bei 160 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Zuletzt steckten sich in Deutschland wieder mehr Menschen mit Sars-CoV-2 an, auch die Intensivstationen füllen sich wieder. Derzeit sind laut Divi-Register 4966 Patientinnen und Patienten auf intensivmedizinische Versorgung angewiesen – Tendenz steigend. Der bisherige Höchstwert war auf dem Höhepunkt der zweiten Welle mit 5762 Covid-19-Intensivpatienten erreicht worden.

In der ersten und zweiten Welle waren es vor allem Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen, die Anlass zur Sorge bereiteten. Heimbewohnerinnen und -bewohner sowie ältere Menschen über 80 Jahre sind jedoch mittlerweile durch Impfungen weitgehend vor einer Erkrankung geschützt. "Covid 19-bedingte Ausbrüche betreffen momentan insbesondere private Haushalte, zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld, während die Anzahl der Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen abgenommen hat", schreibt das RKI in seinem Lagebericht. 

Wie groß die Inzidenz-Unterschiede zwischen einzelnen Altersgruppen sind, zeigt eine Deutschlandkarte, die sich unter anderem aus Daten des RKI und des Statistischen Bundesamts speist. Die Daten sind jeweils für einzelne Landkreise und Städte einsehbar und nach sechs Altersgruppen aufgeschlüsselt: 0 bis 4 Jahre, 5 bis 14 Jahre, 15 bis 34 Jahre, 35 bis 59 Jahre, 60 bis 79 Jahre und alle Menschen ab 80 Jahren.

Aus den Daten ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:

  • Das Coronavirus verbreitet sich derzeit verstärkt unter Jüngeren. Vor allem in den Altersgruppen 5 bis 14 Jahre, beziehungsweise 15 bis 34 Jahre sind viele Stadt- und Landkreise bei einer Inzidenz über 200.
  • Vergleichsweise gut geschützt sind dagegen Ältere über 80 Jahren. In vielen Stadt- und Landkreisen werden für diese Altersgruppe Inzidenzen von unter 50, teils unter 25 erreicht.

Es ist anzunehmen, dass sich die Zweiteilung beim Infektionsgeschehen mit dem Voranschreiten der Impfungen in älteren Bevölkerungsgruppen weiter verstärkt. 20,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben bereits eine Erstimpfung erhalten, das entspricht knapp 17.300.000 Millionen Erstimpfungen. Vollständig immunisiert sind 6,8 Prozent der Bevölkerung (rund 5.650.000 Zweitimpfungen).

Derzeit ist in Deutschland vor allem die Altersgruppe Ü70 zum Impfen aufgerufen. Danach sind die Jahrgänge Ü60 (Prio-Gruppe 3) an der Reihe. Diese werden allerdings bereits vereinzelt mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft. Die Stadt Hamburg hat in dieser Woche beispielweise drei "Astra-Tage" organisiert und ausschließlich Ü60-Jährige zum Impfen aufgerufen. Die 24.000 Termine waren binnen zwölf Stunden ausgebucht. Eine Ausnahmeregelung gibt es beispielsweise auch in Sachsen: Dort können sich ab sofort alle Bürgerinnen und Bürger in Arztpraxen mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen – unabhängig von der Impfpriorisierung.

Pandemie: Jüngere statt Ältere: Interaktive Karte zeigt, wie unterschiedlich sich das Coronavirus in den Altersgruppen verbreitet

Sehen Sie im Video: Coronavirus – aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland und der Welt.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach blickt mit Soge auf die Entwicklung, dass sich nun vermehrt junge Menschen mit dem Coronavirus anstecken. "Noch nie war die Inzidenz von Kindern und Jugendlichen so hoch wie heute", schrieb Lauterbach auf Twitter. Da Eltern und zum Teil auch Lehrkräfte noch nicht geimpft seien und auch Kinder Long Covid bekämen, sei das Schuljahr "wahrscheinlich nur noch im Distanzunterricht zu retten". Bereits vor einigen Tagen hatte Lauterbach Schulschließungen gefordert, um schwere Erkrankungen in Familien zu verhindern.

Warnung vor vorschnellen Lockerungen

Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte bereits Ende Januar vor vorschnellen Lockerungen in Zusammenhang mit dem Voranschreiten der Impfungen gewarnt. "Wenn die alten Menschen und vielleicht auch ein Teil der Risikogruppen geimpft sein werden, wird ein riesiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und vielleicht auch rechtlicher Druck entstehen, die Corona-Maßnahmen zu beenden", sagte er dem "Spiegel". Er warnte für diesen Fall vor stark steigenden Fallzahlen. "Das sind dann zwar eher jüngere Leute, die seltener schwere Verläufe haben als ältere", so Drosten. "Aber wenn sich ganz viele junge Menschen infizieren, dann sind die Intensivstationen trotzdem wieder voll, und es gibt trotzdem viele Tote. Nur dass es jüngere Menschen trifft."

Long-Covid-Patient berichtet halbes Jahr danach von Krankheitsfolgen

Sehen Sie im Video: "Corona beherrscht immer noch mein Leben" – 39-jähriger Vater über extreme Covid-Spätfolgen.

ikr / Karte: roe

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