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Gefährliches Körperbild: Dünn wie eine Schaufensterpuppe? Im echten Leben wäre das ungesund

Schaufensterpuppen sollen Begehrlichkeiten wecken und zum Kauf von Kleidern, Jeans und Shirts anregen. Dass viele von ihnen auffallend dünn sind, sorgt immer wieder für Kritik. Forscher haben nun untersucht, welche gesundheitlichen Folgen der Magerwahn haben kann.

Fünf Schaufensterpuppen stehen in einem Schaufenster

Dünn, dünner, Schaufensterpuppen

Spitze Ellenbogen, hervorstehende Rippen, Beine so dünn wie Streichhölzer: Dass Schaufensterpuppen kein normales Körpergewicht repräsentieren, dürfte den meisten Menschen wohl bewusst sein. Britische Forscher untersuchten die Körperstatur der Puppen in einer Studie nun genauer – und ziehen einen drastischen Schluss: Wären Frauen so dünn wie eine durchschnittliche Schaufensterpuppe, wäre ihre Gesundheit wohl ernsthaft gefährdet.

Die Körperstatur von Schaufensterpuppen sei "unrealistisch" und "aus medizinischer Sicht ungesund", erklärt Studienautor Eric Robinson vom "Institute of Psychology Health and Society" der Universität Liverpool. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler 58 Schaufensterpuppen aus britischen Shops – 32 weibliche und 26 männliche. Das Ergebnis: Die Statur jeder weiblichen Puppe entspräche Untergewicht bei einer echten Frau. Bei den männlichen Puppen war das immerhin bei jedem zehnten Mannequin der Fall.

Für die Forscher ist dieser Unterschied nicht überraschend: Vor allem Frauen werde ein "gefährlich ungesundes" Körperbild vermittelt und "Size Zero" als regelrechte Kultur vorgelebt, schreibt Robinson in einem Kommentar zu der Studie. Das kann ernsthafte Folgen haben: "Es gibt starke Anhaltspunkte dafür, dass das Ideal eines ultra-dünnen Körpers zum Entstehen von psychischen Störungen und Essstörungen beiträgt", so Robinson.

Zu dünn zum Menstruieren

Weil keines der untersuchten Kaufhäuser den Wissenschaftlern gestattete, Maße an den Puppen zu nehmen, nutzten die Forscher visuelle Bewertungsskalen, die Rückschlüsse auf den BMI zuließen. Zwei Testpersonen sollten die Mannequins dem jeweils passend erscheinenden Körperbild zuordnen. Um sie bei der Bewertung nicht zu beeinflussen, wurden den Testpersonen keine Informationen über den Zweck der Untersuchung verraten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Körperform von Schaufensterpuppen als Problem diskutiert wird. Bereits Anfang der Neunzigerjahre untersuchten Forscher eine Handvoll Schaufensterpuppen, die in den Jahren von 1930 bis 1960 verwendet worden waren. Dabei stellten sie fest: "Echte Frauen mit entsprechenden Körpermaßen wären so dünn, dass sie nicht menstruieren könnten."

Eric Robinson fordert daher, dass ausgemergelte Mannequins aus den Schaufenstern verschwinden sollten: Es gebe "keine Entschuldigung" für deren weitere Verwendung.

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ikr

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