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Schlanke H&M-Models für Übergrößen: 38 ist die neue 54

Wenn die Models der Übergrößen-Kollektion nur geringfügig breiter sind als klassische Schaufensterpuppen, muss das Modeunternehmen H&M einen Knick in der Optik haben. Und zwar kräftig.

Lange Beine, feste Schenkel, schmale Taille und eine schöne Oberweite: Das ist die Idealfigur einer Frau, die viele anstreben. Für H&M sind das Übergrößen-Models. Der neue Katalog des schwedischen Moderiesen wirbt mit ganz normal geformten Frauen für Mode ab Größe 44. Ein prüfender Blick, zwei, drei, vier prüfende Blicke, die überschüssigen Kilos muss man suchen.

Nachdem sogar auf der New York Fashion Week üppige Frauen Haute-Couture-Mode in Übergrößen präsentiert haben, präsentiert die Kette H&M, die laut "statista" der zweitgrößte Textileinzelhändler auf dem deutschen Markt ist, ein schlankes Übergrößenmodel. Das soll eine Frau sein, die mehr als Kleidergröße 38 trägt?

Storchenbeine und schmale Taille

Schlanke Storchenbeine stecken in Leggings, Super-Stretch- oder Slim-fit-Jeans und die Taille des Models dürfte die 60-Zentimeter-Marke nur minimal überragen. Ab Größe 44 kann man in der "H&M+"-Sparte bestellen - blöd nur, dass kaum eine der Frauen im Katalog annähernd Kleidung in dieser Größe braucht. Und so suchen wir Übergewicht, wo keins ist und stellen am besten noch unseren eigenen, eigentlich optimalen Körper infrage. Danke, H&M!

Auch auf Twitter wird die Wahl der "Übergrößen"-Models zum Aufreger. @weltfremd sendet einen verbalen Mittelfinger an unsere Gesellschaft, deren verzerrtes Schönheitsbild sie in den Katalogfotos widergespiegelt sieht.

Und Recht hat sie, "weltfremd" scheint hier aber weniger die Gesellschaft als H&M selbst zu sein. Zuletzt zeigte das Label dies im vergangenen Frühling, als verbrutzelte Bikinischönheiten in der neuen Bademodenkampagne zu sehen waren. Bei der grafischen Nachbearbeitung hat H&M keine Kosten und Mühen gescheut und am Ende kamen Models heraus, die zu braun waren, um wahr zu sein. Gesundheitsfanatiker und Hautärzte empörten sich medienwirksam und die Schweden entschuldigten sich offiziell.

H&M entschuldigt sich

Nachtrag: Inzwischen hat H&M auf Nachfrage von stern.de reagiert und sich auch in diesem Fall entschuldigt. Eine Unternehmenssprecherin erklärt: "Bei dem dargestellten Artikel handelt es sich um eine fehlerhafte Verbindung zwischen Produkt und Bild. Dieses werden wir schnellstmöglich korrigieren. Alle unsere Modelle in Übergröße tragen Größe 44-48, einschließlich der Modelle auf unserer Website. H&M ist stets darum bemüht, eine weites Spektrum unserer verschiedenen Kollektionen und Konzepte zu zeigen."

awö