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Ehec-Epidemie: Was tun, wenn ein Familienmitglied erkrankt?

Viele fragen sich, wie sie sich verhalten sollen, wenn jemand aus dem engsten Umfeld an Ehec erkrankt. Die wichtigsten Empfehlungen.

Von Sonja Popovic

Viele Menschen fragen sich, wie sie sich verhalten sollen, wenn eine ihnen nahe stehende Person an Ehec erkrankt, etwa ein Familienmitglied oder ein Mitbewohner, und wenn der Verdacht besteht, es könne sich tatsächlich um eine Ehec-Infektion handeln. Worauf müssen sie dann besonders achten - im Haushalt oder im Umgang mit dem Erkrankten? Wie genau sehen die Hygiene-Empfehlungen im Einzelfall aus? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Sollte man sicherheitshalber bei jeder Durchfallerkrankung den Arzt aufsuchen oder prüfen lassen?

"Nein, das wird allgemein von Experten abgelehnt", sagt Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes in Hannover. Das würde zu einer Flut von Untersuchungen führen und die Arbeit in den Krankenhäusern und Arztpraxen behindern. Erst Symptome wie sehr starke Bauchschmerzen und ein wässrig-blutiger Durchfall seien Alarmsignale einer Ehec-Infektion. Für Durchfälle gibt es viele verschiedene Ursachen.

Hygiene ist das oberste Gebot, heißt es. Worauf sollte man grundsätzlich achten, wenn jemand aus dem eigenen Haushalt erkrankt ist?

Entscheidend ist hier, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen - nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Seife. Das gilt vor allem bei direktem Kontakt mit dem Erkrankten, aber ebenso in Küche und Bad, also nach jedem Toilettengang, bei der Zubereitung von Lebensmitteln oder vor dem Essen. Mikrobiologe Pulz rät für den Fall, dass ein Familienmitglied Ehec hat und nicht im Krankenhaus betreut werden muss, auch ein alkoholisches Hände-Desinfektionsmittel zu verwenden. Ehec-Bakterien werden mit dem Stuhl ausgeschieden und können nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) schon in geringer Zahl zu einer Erkrankung führen.

Sollten die Erkrankten ein eigenes Zimmer bekommen?

Ja, und wenn möglich, auch eine eigene Toilette. Da das im eigenen Haushalt nicht immer möglich ist, ist auch hier äußerste Reinlichkeit geboten: Die Toilette sollte nach jedem Toilettengang des Erkrankten sorgfältig gereinigt werden, ebenso alle Oberflächen, die der Erkrankte berührt. "Familienmitglieder sollten auch etwas Abstand halten zum Erkrankten, wie man das normalerweise auch tun würde", sagt Matthias Pulz.

Gibt es besondere Hygienemaßnahmen für die Küche?

Die Warnung des RKI, in Norddeutschland Gurken, Tomaten und Blattsalate nicht roh zu verzehren, ist nicht aufgehoben. "Jüngere Untersuchungen stützen diese Vermutung auch", sagt Mikrobiologe Pulz. Daher lassen sich die Empfehlungen, die normalerweise für den Umgang mit rohem Fleisch oder Rohmilch gelten, auch auf diese Gemüse übertragen. Wer etwa Tomaten kochen und zu einer Sauce oder Suppe verarbeiten möchte, sollte das Gemüse getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren und zubereiten, Schneidebretter, Messer und andere Kochgegenstände entsprechend sorgfältig reinigen beziehungsweise auswechseln, und zwischendurch immer die Hände waschen. Ansonsten raten Experten dazu, auch anderes Gemüse oder Obst vor dem Verzehr zu schälen, wenn möglich, weiterhin Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen - für mehrere Minuten bei mindestens 70 Grad Celsius. Lappen und Handtücher, die mit möglicherweise verunreinigten Lebensmitteln in Berührung kommen, sollten Sie auswechseln und bei mindestens 60 Grad Celsius waschen, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Erkrankte, auch wenn sie nur geringe Symptome haben, sollten keine Lebensmittel zubereiten oder servieren.

Wie reinigt man die Wäsche am besten?

"Man muss nicht alles bei 90 Grad waschen", sagt Mikrobiologe Pulz vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Hannover. 60 Grad seien ausreichend, meint er. Wer die Gradzahl manuell einstellen kann, wählt 70 Grad - bei dieser Temperatur stirbt der Erreger sicher ab. "Aber das Waschmittel hat auch einen Effekt." Bei normaler Kleidung sei das Übertragungsrisiko ohnehin eher gering. Wichtig seien Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche.

Dürfen Menschen, die positiv auf Ehec getestet wurden, aber nicht so schwere Symptome haben, das Haus verlassen?

Patienten, bei denen eine Ehec-Erkrankug nachgewiesen wurde, sollten zu Hause bleiben, solange sie an Durchfall leiden. Für Personen die Ehec-Bakterien lediglich ausscheiden, aber keine Krankheitssymptome zeigen, gelten keine Einschränkungen, es sei denn, sie sind im Lebensmittelgewerbe tätig. Für Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder ähnliches gelten besondere Regelungen. "Personen, bei denen eine Erkrankung oder der Verdacht auf eine Magen-Darm-Infektion durch Ehec besteht, dürfen solche Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen beziehungsweise nicht dort tätig sein", sagt eine Sprecherin des RKI. Das ist im Infektionsschutzgesetz geregelt (§ 34 Absatz 1). Das gilt auch für Menschen, in deren direktem Umfeld jemand an Ehec erkrankt ist oder bei dem ein Verdacht auf Ehec besteht. Diese Beschränkung wird aufgehoben, sobald eine negative Stuhluntersuchung vorliegt.

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