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Studie vergleicht Diäten: Low-Carb ist effektiver als Low-Fat

Bei Diäten scheiden sich die Geister. Was ist besser: eine fettarme oder eine kohlenhydratarme Kost? Eine Studie spricht sich zugunsten von Low-Carb aus - auch im Hinblick auf das Herz.

Von Sonja Helms

Low-Carb bedeutet, die Menge an Kohlenhydraten zu reduzieren, also vor allem stärkereiche Lebensmittel wie Brot, Gebäck oder Nudeln, Kartoffeln und Reis.

Low-Carb bedeutet, die Menge an Kohlenhydraten zu reduzieren, also vor allem stärkereiche Lebensmittel wie Brot, Gebäck oder Nudeln, Kartoffeln und Reis.

Der Streit um die beste Diät-Form geht in die nächste Runde. Seit Jahren wird darum gerungen, mit welcher Strategie sich denn nun besser abnehmen lässt. Die einen propagieren, es helfe, vor allem Fett einzusparen, die anderen empfehlen, weniger Kohlenhydrate zu essen. Und tatsächlich bekommen Low-Carb-Verfechter seit Jahren Rückenwind, auch von Seiten der Wissenschaft. Denn die Hinweise mehren sich, dass eine kohlenhydratarme Kost nicht nur beim Abnehmen hilft, sondern sich insgesamt positiv auf den Stoffwechsel auswirkt, vor allem bei Menschen mit Diabetes. US-Forscher verglichen nun in einer Studie beide Kostformen miteinander, auch im Hinblick auf die Herzgesundheit, weil dies bisher unklar zu sein schien. Das Ergebnis: Low-Carb hat die Nase vorn, sowohl beim Abnehmen als auch beim positiven Effekt auf das Herz.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler um Lydia Bazzano von der Tulane University in New Orleans 148 stark übergewichtige Personen mit einem BMI-Wert von mehr als 35, die somit als adipös gelten, bis dato aber noch keine akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2 hatten. Auch eine Nierenererkrankung war ein Ausschlusskriterium. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie im Fachblatt "Annals of Internal Medicine".

Mit Low-Carb dreimal so viel Gewicht verloren

Die Wissenschaftler teilten die Probanden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf: eine, die sich fettarm und eine, die sich kohlenhydratarm ernähren sollte. Fettarm bedeutete, täglich nicht mehr als 30 Prozent Fett zu sich zu nehmen; die erlaubte Kohlenhydratzufuhr lag bei 55 Prozent, was den üblichen Empfehlungen der entsprechenden Fachgesellschaften, etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), entspricht. Kohlenhydratarm hieß, maximal 40 Gramm Kohlenhydrate (Ballaststoffe ausgenommen) zu verzehren, was sehr wenig ist: Es entspricht etwa einem Sechstel dessen, was sie vorher gegessen haben.

Ein Jahr lang begleiteten die Forscher ihre Teilnehmer intensiv, schulten sie in Sachen Ernährung sowohl in Einzel- und Gruppensitzungen und dokumentierten deren Gewicht, Gesundheitszustand und Essverhalten. 80 Prozent der Probanden hatte bis zum Schluss durchgehalten. Wie viele Kalorien die Teilnehmer insgesamt täglich zu sich nehmen durften, hatten die Wissenschaftler vorher nicht festgelegt. Sie gaben jedoch an, dass die Menge bei beiden Gruppen vergleichbar war und zwischen 1300 und 1500 Kilokalorien lag.

Spannend ist: Während jene, die auf Fett verzichteten, im Laufe des Jahres durchschnittlich 1,8 Kilogramm an Gewicht verloren hatten, waren die Low-Carb-Teilnehmer am Ende 5,3 Kilogramm leichter und hatten somit fast das Dreifache abgenommen - und das, obwohl sich die Gruppe nicht an die strikten Vorgaben von 40 Gramm Kohlenhydraten gehalten hatte. Nach drei Monaten lag der Kohlenhydratverzehr bei täglich 81 Gramm, nach zwölf waren es schon 112 Gramm - was aber immer noch knapp die Hälfte dessen ist, was sie vorher gegessen hatten.

Mehr Fettmasse verloren, besseres Risikoprofil

"Die Low-Carb-Gruppe hatte im Schnitt nicht nur mehr Fettmasse verloren, sondern sogar an Magermasse zugenommen", sagt Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm aus München. Mit Magermasse sind Muskeln, Bindegewebe und Knochen gemeint. "Bei der Low-Fat-Gruppe war es genau umgekehrt - so, wie man es eigentlich nicht haben möchte: weniger Magermasse, mehr Fettmasse." Mehr noch: Das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin war bei der Low-Carb-Gruppe niedriger, ihre Blutfettwerte waren deutlicher gesunken und der Anteil an gefäßschützendem HDL-Cholesterin war deutlicher gestiegen. Sprich: Schaut man sich die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an, schnitt die Low-Carb-Gruppe deutlich besser ab als die Low-Fat-Gruppe.

"Die besseren Stoffwechselwerte könnten natürlich daher kommen, dass die Teilnehmer der Low-Carb-Gruppe insgesamt mehr abgenommen haben", sagt Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder aus Hünstetten. "Aus vielen anderen Studien wissen wir jedoch, dass sich bei Low-Carb-Diäten wie Logi Risikofaktoren auch dann bessern, wenn die Teilnehmer nicht abgenommen haben. Das ist der entscheidende Vorteil von Low-Carb."

Faktor Bewegung spielte keine Rolle

Die DGE bewerte nach eigenen Angaben keine Einzelstudien, also auch nicht die aktuelle, verweist aber auf die überarbeiteten Adipositas-Leitlinien, die sie zusammen mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft erarbeitet hat und die in diesem Sommer veröffentlicht wurden. Darin empfehlen die Autoren jenen, die Kalorienzufuhr um 500 Kilokalorien pro Tag zu senken. Ob nun als Strategie eine fettarme, kohlenhydratarme oder fett- und kohlenhydratarme Kost zum Abnehmen gewählt wird, soll jeder selbst entscheiden. Am besten sei aber eine Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.

Vor dem Hintergrund ist das Ergebnis der oben genannten Studie umso bemerkenswerter, auch wenn die Studie mit knapp 150 Teilnehmern eher klein ist. Denn die Probanden beider Gruppen wurden aufgefordert, im Laufe der Studie nicht mehr Sport zu treiben als vorher - um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Die Forscher haben übrigens auch dokumentiert, ob die Teilnehmer der einen Gruppe mehr an Kopfschmerzen, Verstopfung oder Durchfällen, Müdigkeit und dergleichen litten als die der anderen. Ergebnis: Es gab keine signifikanten Unterschiede. "Das ist insofern interessant, als die Low-Fat-Verfechter nicht müde werden zu behaupten, dass Low-Carb all dies bewirke", sagt Worm.

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