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Gut zu wissen: Wasser trinken, aber richtig: Fallen Sie auf diese Irrtümer rein?

Um das Thema Trinken ranken sich fast noch mehr Halbwahrheiten und Mythen als um feste Nahrung. Wir räumen mit den häufigsten Irrtümern auf.

Kann Wasser wirklich ablaufen?

1. Nicht beim Essen trinken

Im Gegenteil: Damit der Körper die Nährstoffe gut verwerten kann, sollte man gleichzeitig essen und trinken. Um ein Gramm Kohlenhydrate, etwa aus Kartoffeln, in die Glykogen-Speicher der Muskeln einzulagern, braucht der Körper das Dreifache an Wasser. Zudem vermittelt Trinken zum Essen ein gutes Sättigungsgefühl. Immer wieder wird auch behauptet, Flüssigkeit verdünne die Verdauungssäfte so stark, dass sie nicht mehr wirken könnten. Das ist falsch. Durch unseren Verdauungstrakt fließen mehrere Liter Flüssigkeit aus Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse und Galle. Diese lassen sich durch eine geringe Flüssigkeitszufuhr, wie etwa 300 Milliliter getrunkenes Wasser, kaum nennenswert verdünnen.

2. Zu viel trinken ist unmöglich

Falsch. Vor allem Marathonläufer kennen die schwerwiegenden Folgen einer Überdosis Wasser. Trinken sie an jeder Wasserstation, riskieren sie starke Kreislaufprobleme bis hin zu Bewusstlosigkeit. Sogar sind bereits aufgetreten. Wichtig: Wer zu viel trinkt, scheidet mit dem Schweiß zu viel Natrium aus. Folge: Das Gehirn wird "überschwemmt", dadurch steigt der Hirndruck gefährlich an. Sportler sollten daher vor dem Wettkampf ihre individuelle Trinkmenge ermitteln. Erfahrene Wanderer knabbern salzige Nüsse, um Natriumverlusten vorzubeugen.

3. Bei Erkältung viel trinken

Hinter dem beliebten ärztlichen Rat steckt die Annahme, dass sich der schwer lösliche Schleim in Lunge und Nasen-Rachen-Raum durch verflüssigt, dadurch besser ausgeschieden werden kann – und die darin enthaltenen Bakterien und Viren gleich mit. Dass ein Plus an Flüssigkeit die Erkältungsdauer verkürzt, lässt sich anhand von Studien allerdings nicht belegen. Wer jedoch zusätzlich Fieber hat und schwitzt, sollte diesen Verlust ausgleichen. Allerdings reichen dafür insgesamt 2 bis 2,5 Liter am Tag. Größere Mengen können gerade bei einer Bronchitis oder Lungenentzündung gefährliche Auswirkungen haben.

Gut zu wissen: Darf man einmal gekochtes Wasser wieder aufkochen?


4. Wer verstopft ist, trinkt zu wenig

Bei Wassermangel können Menschen zwar nicht mehr regelmäßig auf die Toilette gehen – trotzdem ist der Umkehrschluss falsch. Auch Menschen, die reichlich trinken – sprich: gut hydriert sind – können Verstopfung bekommen. So ließ sich in epidemiologischen Studien bislang nicht belegen, dass ausreichendes Trinken der Garant für eine rege Darmaktivität ist.

5. Energydrinks sind ungefährlich

Das stimmt nicht. Die Gefahr besteht darin, dass Energydrinks viel Koffein liefern. Als Kaltgetränke werden sie jedoch schneller und in größeren Mengen konsumiert als Kaffee, der eine ähnliche Koffeinmenge enthält. Mögliche Folgen sind Herzrasen, Übelkeit und Krämpfe. Erwachsene Vieltrinker erkranken außerdem häufiger an Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Schwangere sollten keinerlei Energydrinks zu sich nehmen, da sie das Risiko einer Fehl- und Frühgeburt erhöhen. Schließlich setzen alkoholische Energydrinks das Gefühl dafür herab, betrunken zu sein. Betroffene fahren dann häufiger alkoholisiert Auto, konsumieren insgesamt mehr Alkohol und Drogen und werden öfter gewalttätig.

6. Eiskaltes Wasser ist ungesund

Das stimmt teilweise. Normalerweise kann unser Körper Temperaturunterschiede gut ausgleichen. Allerdings kann eisgekühltes Wasser den Magen empfindlicher Personen "erschrecken" und Beschwerden bereiten. Im Sommer haben kalte Getränke einen weiteren Nachteil: Der Körper verbraucht Energie, um die Flüssigkeit auf Körpertemperatur zu bringen und heizt so auf. Man schwitzt also noch mehr, obwohl man Abkühlung bräuchte. Ein warmer Tee ist darum bei Rekordtemperaturen sinnvoller.

7. Wasser kann "schlecht" werden

In stillem Mineralwasser können sich Mikroben ansiedeln, die vor allem zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Eine angebrochene Flasche hält sich deshalb im Kühlschrank nur rund drei Tage. Wer stilles Wasser oder Leitungswasser aus der Flasche trinkt, sollte dieses noch am selben Tag aufbrauchen – andernfalls könnten Bakterien aus dem Mund ins Wasser übergehen und sich dort schnell vermehren. Kohlensäure in Mineralwasser tötet Keime hingegen wirkungsvoll ab.

8. Leitungswasser ist ungesund

Das ist Unsinn. Deutschland stellt in seiner Trinkwasserverordnung im internationalen Vergleich mit die höchsten Anforderungen an das Wasser, das die kommunalen Filteranlagen verlässt und beim Verbraucher aus dem Hahn läuft. Trotzdem kann es vereinzelt zu Kontaminationen kommen, die vor allem für Kinder und Schwangere gefährlich sind. Das ist etwa dann der Fall, wenn das Wasser auf seinem Weg durch alte Blei- oder Kupferrohre fließt. Ein Test des Versorgers kann Aufschluss darüber geben.

Kann Wasser wirklich ablaufen?