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Antibabypille: Wie gefährlich sind die neueren Pillen?

Die Antibabypille ist die am häufigsten verwendete Verhütungsmethode – und gleichzeitig wohl auch die umstrittenste. Neuere Pillen stehen schon lange in der Kritik: Sie verursachen gefährliche Blutgerinnsel häufiger als alte Präparate. Doch Ärzte verschreiben sie oft, zeigt ein TK Report.

Antibabypillen der neueren Generation verursachen häufiger Thrombosen als alte Präparate

Antibabypillen der neueren Generation verursachen häufiger Thrombosen als alte Präparate

Neuere Antibabypillen haben einer Studie zufolge zumeist ein höheres Thromboserisiko als ältere Präparate. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Freitag in Berlin veröffentlichter "Pillenreport", den die Techniker Krankenkasse (TK) zusammen mit der Uni Bremen erstellt hat. Die Ergebnisse basieren unter anderem auf Daten der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Zudem wurden verschiedene Fachartikel ausgewertet.

Derzeit existieren in Deutschland vier Generationen der Antibabypille: Ältere Pillen der ersten und zweiten Generation enthalten als Gestagen vor allem den Wirkstoff Levonorgestrel; die jüngeren Produkte dagegen neu entwickelte Gestagene, etwa Desogestrel in der dritten und Drospirenon in der vierten Generation. Letztere wurden den Angaben zufolge gezielt weiterentwickelt, um beispielsweise eine Gewichtszunahme zu vermeiden, für eine reinere Haut zu sorgen oder Schmerzen während der Periode zu lindern - was vor allem auch für junge Frauen interessant sein könnte.

Gleicher Nutzen - bei weniger Nebenwirkungen?

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse haben Frauen, die eben jene neueren Präparate einnehmen, ein wesentlich größeres Risiko für die Bildung von Thrombosen. Dabei handelt es sich um Blutgerinnsel in Gefäßen, die sich - sollten sie sich lösen - etwa in der Lunge festsetzen können. Dort können sie mitunter lebensgefährliche Lungenembolien auslösen. Pillen der zweiten Generation besitzen dem Report zufolge ein geringeres Risiko für Thrombosen - und sie verhüten nach Einschätzung der Experten ebenso zuverlässig.

Dennoch werden nach Angaben der TK Pillen mit neueren Gestagenen wesentlich häufiger verschrieben. "Sie haben eine Zulassung, also werden sie verschrieben. Vor allem bei jungen Frauen, die nicht rauchen und kein Übergewicht haben, spricht auf den ersten Blick auch nichts gegen die neuen Präparate", erklärt der Pharmazeut Gerd Glaeske von der Universität Bremen. "Aber neu ist nicht immer gleich besser, im Gegenteil: Die Pillen der früheren Generationen schützen genauso gut vor einer ungewollten Schwangerschaft und haben ein geringeres Thromboserisiko."

Das BfArM, dessen Daten auch in dem Report berücksichtigt werden, hat nach eigenen Angaben zuletzt 2013 zusammen mit den anderen europäischen Behörden neuere Studien und Daten zu den Risiken sogenannter kombinierter oraler Kontrazeptiva (KOK) untersucht.

Daraus ging hervor, dass der Nutzen bei allen zugelassenen neueren Pillen zwar die Risiken überwiegt. Bei den drospirenonhaltigen Mitteln der neueren Generation ist das Risiko für einen bestimmten Venenverschluss, die venöse Thromboembolie, demnach aber mit neun bis zwölf Anwenderinnen pro 10.000 Frauen erhöht. Dem gegenüber stehen fünf bis sieben Patientinnen pro 10.000 Frauen bei älteren Mitteln.

"Verhütungspillen sind keine Lifestyle-Produkte"

"Ärzte sollten besonders ausführlich über Risiken aufklären, wenn junge Erstanwenderinnen aus kosmetischen Gründen nach bestimmten KOK fragen", erklärte ein BfArM-Sprecher. "In diesen Fällen muss die ärztliche Beratung auch darauf abzielen, dass Verhütungspillen keine Lifestyle-Produkte sind, sondern Arzneimittel, die mit Risiken verbunden sein können."

Gynäkologen halten dagegen: "Hormonelle Verhütungsmittel sind keine Lifestyle-Medikamente", betonte auch der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring. Ihm zufolge kann die Pille der zweiten Generation wiederum andere unerwünschte Nebeneffekte haben.

Zwar sei das Thromboserisiko möglicherweise geringer. Einige Frauen klagten bei diesen Pillen aber über Zwischenblutungen oder dauerhafte Menstruationsbeschwerden. Auch Akne oder unerwünschter Haarwuchs könnten die Folge sein. Dass Ärzte die neueren Pillen inzwischen häufiger verordneten, liege daran, dass einige Frauen sie besser vertrügen.

ikr/dpa

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