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EU-Gesundheitskommissar warnt: Jede zehnte Klinikbehandlung ist schädlich

Infektionen mit Krankenhauskeimen, Behandlungsfehler von Ärzten und Pflegern: Die EU schlägt Alarm wegen der Situation in Europas Kliniken. Jede zehnte Behandlung sei für die Patienten schädlich.

Die EU ist alarmiert wegen des Zustands in vielen Kliniken in der Europäischen Union: Nach Angaben von Gesundheitskommissar John Dalli "entsteht bei jeder zehnten medizinischen Behandlung im Krankenhaus ein Schaden für die Patienten." Viele dieser medizinischen Fehler seien vermeidbar, sagte Dalli der Zeitung "Die Welt". Dabei gehe es sowohl um Ärzteversagen als auch um mangelhafte Sauberkeit.

Die Hygienesituation in den Krankenhäusern nannte Dalli "alarmierend". Jedes Jahr würden in der EU rund 37.000 Menschen an Krankenhausinfektionen sterben, warnte der EU-Kommissar. 4,1 Millionen Patienten würden durch Krankenhauskeime infiziert. Es dürfe in diesem Bereich nicht gespart werden, forderte er. Zudem seien strengere Kontrollen notwendig.

Mehr Rechte für Patienten

Auch viele der medizinischen Behandlungsfehler könnten verhindert werden, erklärte Dalli der Zeitung zufolge. Ein besseres Management in den Krankenhäusern und eine permanente Weiterbildung des Personals könnten Abhilfe schaffen.

Dalli forderte die EU-Mitgliedsländer auf, die Rechte von Patienten bei Behandlungsfehlern zu verbessern. So sollten Fehler besser erfasst werden. Außerdem müssten Klagen erleichtert und Entschädigungen sichergestellt werden.

Hygiene-Schlamperei auch in deutschen Kliniken

In Deutschland haben vor allem die Infektionen mit MRSA in den vergangenen Jahren zugenommen. Das Kürzel MRSA steht für Bakterienstämme der Staphylococcus aureus, die gegen das Antibiotikum Methicillin resistent sind. Sie lassen sich auch mit anderen Wirkstoffen kaum noch bekämpfen. Konkrete Statistiken fehlen allerdings, weil nach dem Infektionsschutzgesetz nur das "gehäufte Auftreten" dem Gesundheitsamt zu melden ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in Berlin schätzte vergangenes Jahr, dass sich jährlich bis zu einer Million Patienten wegen Hygiene-Schlamperei in den Kliniken mit Keimen infizieren. An den Folgen wie Blutvergiftung, Harnwegsinfektionen, Wundbrand oder Lungenentzündung sterben 40.000 bis 50.000 Menschen.

mad/AFP/AFP
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