Extra Männerleiden - Was die Drüse krank macht


Die Prostata ist die Problemzone des starken Geschlechts. Ganz von selbst beginnt sie zu wuchern, legt die Harnwege lahm und kann bösartige Tumore bilden. Früherkennung ist anzuraten.

Die Kernspin-Aufnahme zeigt eine stark vergrößerte Prostata (braun) mit aggressivem Tumor (schwarz). Unten: Krebszellen, zur Untersuchung angefärbt Sie ist eine kastaniengroße Drüse, die die Harnröhre umschließt, und produziert milchige Flüssigkeit, die beim Samenerguss die Spermien beweglich macht. Beim Orgasmus wird die Prostata zum Kompressor; ihre rhythmischen Kontraktionen kurz vor der Ejakulation verschaffen höchste Lustgefühle. Jahrzehntelang arbeitet diese "Vorsteherdrüse" wie selbstverständlich.

Ab 50 jedoch beginnt ihr Gewebe langsam zu wachsen - ein normaler Alterungsprozess. Mehr als zehn Millionen Männer in Deutschland haben eine gutartige Vergrößerung der Prostata und meist keine Probleme damit. Zwei Millionen allerdings leiden, sie haben Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Der Strahl wird dünn, es tröpfelt: ein Fall für den Urologen. Durch Tasten, Ultraschall und Röntgen prüft er, ob es durch die Vergrößerung schon zu Stauungen in der Blase gekommen ist. Dies birgt die Gefahr, dass sich im Restharn Keime ausbreiten, in die Nieren wandern und Entzündungen verursachen - bis hin zur tödlichen Blutvergiftung.

Nun kann der Arzt vorübergehend Medikamente mit Wirkstoffen wie Alfuzosin, Terazosin oder Finasterid verschreiben. Sie lassen das Gewebe abschwellen und öffnen den Urinweg. Wenn es erneut zum Stau kommt, bleibt nur die Operation. Als wirkungsvollste Methode gilt die "transurethrale Resektion". Dabei führt der Chirurg ein optisches Operationsinstrument durch die Harnröhre bis zur Prostata ein. Mit dessen elektrischer Schlinge trägt er das gewucherte Gewebe ab. Nach dem Eingriff muss der Patient ein paar Tage einen Katheter tragen, dann hat er seinen alten Strahl wieder - wenn alles gut geht.

Bei über zehn Prozent der Operierten kommt es zu Inkontinenz. Meist ist sie vorübergehend. Doch 50 bis 90 Prozent der Männer sind nach dem Eingriff zeugungsunfähig. Als Alternative zur Operation werden heute Thermo- und Laserbehandlung angeboten. Dabei wird das gewucherte Prostatagewebe mit Mikrowellen beziehungsweise Laserstrahlen verkocht. Vorteil: Der Eingriff ist schonender und nachfolgende Unfruchtbarkeit tritt seltener auf. Doch muss der Operierte länger einen Blasenkatheter tragen.

In der Vorsteherdrüse kann aber auch Krebs wuchern. 30000 Männer erwischt es pro Jahr, mehr als 200000 Bundesbürger leben mit der Diagnose Prostatatumor. Nach dem Lungenkrebs ist er das zweithäufigste Karzinom bei Männern.

Warum sich eines Tages im Drüsengewebe Tumoren bilden, ist rätselhaft. Testosteron heizt das heimtückische Leiden an. Erbanlagen und Ernährung spielen eine Rolle. Dicke etwa befällt der Krebs vermehrt. Wenn Vater oder Bruder ihn haben, besteht erhöhte Gefahr. Anfangs verursacht das Karzinom keine Beschwerden. Meist bemerkt der Betroffene es sehr spät, wenn Kreuzschmerzen oder Ischias ihn plagen - dann stecken schon Metastasen in Wirbelsäule oder Becken. Aufspüren allerdings ließe sich das Übel im Frühstadium. Deshalb sollte jeder Mann ab 50 zur Früherkennung gehen - bei Fällen in der nahen Verwandtschaft spätestens ab 45. Der Urologe tastet dabei die Drüse vom Darm aus ab. Ein Bluttest liefert weitere Indizien. Denn das Organ gibt ein Enzym ab, das "Prostataspezifische Antigen" (PSA). Überschreitet dessen Spiegel einen Grenzwert, muss eine Biopsie klären, ob wirklich ein Krebs wächst.

Zur Bekämpfung und Eindämmung des Tumors kommen Operation, Bestrahlung und Hormonbehandlung infrage. Die Nebenwirkungen sind zum Teil beträchtlich. Impotenz und Inkontinenz können die Folge sein.

Horst Güntheroth


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