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Wissenschaft schnell erklärt LSD - Psychodroge oder einzigartiges Medikament?

Am 19. April 1943 radelt Albert Hoffmann von der Arbeit heim. Er ist Chemiker bei der Pharmafirma Sandoz in Basel. Rund um die Schweiz liegt die Welt im Krieg. Hier aber kann Hoffmann ungestört forschen. Und an diesem Tag erlebt er den ersten LSD-Trip der Geschichte. 250 Millionstel Gramm des von ihm selbst nur Tage zuvor erfundenen Lysergsäurediätylamid hat er eingenommen. Der neue Stoff ist mit dem Toxin des Mutterkorns verwandt, einem gefährlichen Gift. Deshalb hat Hoffmann gering dosiert. Denkt er. Was er nicht weiß: er hat eine der extremsten Psychodrogen geschaffen, die die Welt je sah. 250 Millionstel Gramm sind gut zehnmal so viel wie die wirksame LSD-Dosis.
Hoffmanns Stoff verändert das Bewusstsein, bis zu 12 Stunden hält der Trip. Sinneseindrücke werden miteinander vertauscht, Gesehenes wird plastischer, manch einer hört Farben, viele Nutzer werden euphorisch – aber andere geraten auf den Horrortrip: panisch, depressiv, durchgeknallt. Die Gefahren von LSD? Es kann Psychosen auslösen, also regelrecht wahnsinnig machen – und zwar so, dass antipsychotische Medikamente nicht wirken, sondern den Irrsinn paradoxerweise sogar steigern. Besonders gefürchtet sind Illusionen, die Nutzer verleiten, zum Beispiel von hohen Dächern fliegen oder schweben zu wollen – mit tödlichen Folgen. Eine körperliche Sucht dagegen verursacht Albert Hoffmanns Droge nicht. Wie jede Droge hat auch LSD seine Trends – heute ist es weniger populär als in den Tagen der Hippies und des psychedelischen Rock, aber mit dem Microdosing erfährt es eine Renaissance: kreative Eliten glauben, dass winzige Mengen LSD, ein zwanzigstel etwa von Hoffmanns Dosis, ihren Geist öffnen und sie erfinderisch machen. Das ist ein Hype im Silicon Valley. Und mit großer Vorsicht beginnt man auch wieder, LSD als psychotherapeutisches Medikament zu erproben.
Skeptiker sagen: Dazu taugt es nicht besonders, und LSD verdanke die ganze Aufmerksamkeit nur seinem popkulturellen Mythos. Und eine illegale Droge bleibe nun einmal eine illegale Droge. Albert Hofmann hätte dem widersprochen – er glaubte ein Leben lang an seine Erfindung und experimentierte damit weiter an sich selbst. Aber er sagte auch: Der kluge Umgang mit LSD erfordert Klugheit und Können, jedermanns Sache ist er nicht. Der passionierte Radfahrer wurde 102 Jahre alt.
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Es kann Psychosen auslösen, also regelrecht wahnsinnig machen. Dennoch versuchen Forscher es wieder in psychotherapeutischen Sitzungen einzusetzen. Was ist dran an der Wirkung der Hippie-Droge LSD? Und wie gefährlich ist sie?

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