VG-Wort Pixel

Frühchen Frieda Das "Wunder" aus Fulda


Die Ärzte sprechen von einer Sensation: Das Frühchen Frieda aus dem Klinikum Fulda ist nach monatelangem Ringen um ihr Leben wohlauf und inzwischen bei ihren Eltern daheim. Die sind überglücklich - aber auch voller Trauer. Denn Frieda hatte einen Zwillingsbruder.

Besonders gute Startbedingungen hatte die kleine Frieda nicht. Das Frühchen brachte bei seiner Geburt im Klinikum Fulda gerade einmal 460 Gramm auf die Waage, das sind weniger als zwei Päckchen Butter. Das ist nun rund fünf Monate her - viele Wochen, in denen das nach Angaben der Ärzte jüngste Frühchen Europas wochenlang um sein Leben gerungen hat. Doch sie hat es geschafft. Sie hat überlebt und konnte am Mittwoch zu ihren Eltern nach Hause entlassen werden.

Frieda war im November 2010 nach einer extrem kurzen Schwangerschaft der Mutter von nur 21 Wochen und 5 Tagen zur Welt gekommen. Normal sind 40 Wochen Schwangerschaft. Die Fachgesellschaft für Neugeborenenmedizin stuft Friedas Überleben daher als "Sensation" ein. "Das ist außergewöhnlich, da es an der Grenze der Lebensfähigkeit ist", sagte der Vorsitzende der Gesellschaft Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Egbert Herting (Lübeck), am Donnerstag. Gleichzeitig warnte er, dass gesundheitliche Probleme für das Kind auftreten könnten.

Der Zwillingsbruder hat es nicht geschafft

In die Freude darüber, dass sie überlebt hat, mischt sich auch ein anderes Gefühl, denn mit Frieda erblickte noch ein Zwillingsbruder das Licht der Welt. Der kleine Kilian, bei der Geburt 469 Gramm leicht, starb jedoch nach knapp sechs Wochen trotz intensiver Versorgung an Herz- und Darmproblemen, berichtete der Chefarzt der Kinderklinik, Reinald Repp. Die Eltern sagten der "Fuldaer Zeitung": "Wir sind überglücklich - aber es gibt auch Phasen tiefer Trauer."

Es sei ein "medizinisches Wunder", dass zumindest die kleine Frieda den Weg ins Leben gefunden habe, sagte Chefarzt Repp. "Ihr Leben stand wochenlang auf des Messers Schneide." Repp und der Lübecker Fachmann Herting sagten, bislang hätten weltweit nur wenige dieser besonders jungen Frühchen überlebt. "Kinder vor Vollendung der 22. Woche sind eigentlich nicht überlebensfähig", sagte Repp. Nach seiner Recherche in der Fachliteratur sei Frieda Europas jüngste Frühgeburt.

Frieda habe überlebt, obwohl "ihre Unreife medizinisch nicht mit dem Leben vereinbar gewesen ist", sagte Repp. Erst nach etwa sechs Wochen habe sie selbst geatmet. Bakterielle Infekte galten schon als lebensgefährlich. In der sensiblen Zeit habe es das Risiko einer Hirnblutung und einer Behinderung gegeben. Nun habe sie aber alle Chancen, "sich normal zu entwickeln", sagt er. Sie habe das "allermeiste geschafft". Damit ist das Risiko für spätere Erkrankungen aber nicht gebannt: Statistisch gesehen können Schwierigkeiten wie Ess- und Aufmerksamkeitsstörungen auftreten.

Komplikationen in der Schwangerschaft

Bei der Schwangerschaft der Mutter in Fulda hatte es bereits in der 15. Woche Komplikationen gegeben. Sie musste wegen vorzeitiger Wehen behandelt werden. Den Ärzten gelang es jedoch, die Geburt weiter hinauszuzögern.

Eine besonders frühe Geburt hatte es zuletzt laut Berichten aus den USA gegeben. Die kleine Amillia Sonja Taylor war 2006 nach 21 Wochen und 6 Tagen zur Welt gekommen. Das Klinikum Fulda berichtete von einem Jungen, der 1987 im kanadischen Ottawa das Licht der Welt erblickte, ebenfalls nach 21 Wochen und 5 Tagen - wie die kleine Frieda. Und in Japan soll ein Frühchen überlebt haben, das in der 21. Schwangerschaftswoche zur Welt kam. In Dortmund überlebte jüngst ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm. Das Kind war in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen.

spo/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker