Gender-Pay-Gap, Gender-Care-Gap und nun Gender-Krebs-Gap: Die Publikation "Krebs in Deutschland 2023" der Robert-Koch-Institutes zeigt, dass Männer beim Krebs weiterhin die deutlich schlechteren Karten haben. Sie erkranken nicht nur häufiger an Krebs als Frauen, bei ihnen wird der Krebs auch später diagnostiziert und sterben öfter an den Folgen der Erkrankung.
Während medizinische Therapien für beide Geschlechter heute weitgehend vergleichbar sind, klafft die entscheidende Lücke davor: bei Vorsorge, Risikoverhalten und Früherkennung. Der Blick in die aktuellen Krebszahlen für Deutschland zeigt: Der Nachteil der Männer ist weniger biologisches Schicksal als ein strukturelles und kulturelles Problem – und damit grundsätzlich vermeidbar.
Bei Männern dominieren Krebsarten, die stark mit Lebensstil- und Umweltfaktoren verbunden sind und häufig eine ungünstige Prognose haben. Mit großem Abstand am häufigsten ist das Prostatakarzinom, gefolgt von Lungen- und Darmkrebs sowie Tumoren der Harnblase und der Leber. Auffällig ist, dass Männer überdurchschnittlich oft an Krebsarten erkranken, die spät entdeckt werden und eine hohe Sterblichkeit aufweisen.
Bei Frauen zeigt sich eine andere Tumorlandschaft: Hier steht Brustkrebs mit rund einem Drittel aller Neuerkrankungen an erster Stelle, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs sowie Krebserkrankungen der Gebärmutter und der Eierstöcke. Viele dieser Tumoren profitieren von etablierten Früherkennungsprogrammen, was sich in besseren Überlebenschancen widerspiegelt. Insgesamt gilt: Männer erkranken häufiger an besonders aggressiven Krebsarten, während Frauen häufiger Tumoren entwickeln, die früh erkannt und erfolgreich behandelt werden können – ein zentraler Faktor des sogenannten Krebs-Gaps.
Die gute Nachricht unter den schlechten: Die Krebssterblichkeit sinkt stetig, und das trotz der zunehmend älteren Gesellschaft. Ein Resultat neuer Methoden in der Früherkennung, gezielter Krebstherapien und besserer Nachsorge durch zertifizierte Krebszentren.