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Gentechnik: Embryonen-Selektion soll begrenzt erlaubt werden

Die Mehrheit des Nationalen Ethikrats hat sich für eine begrenzte Zulassung von umstrittenen Gentests an künstlich befruchteten Eizellen ausgesprochen.

Dies soll aber nur für Paare mit einem hohen Risiko von Erbkrankheiten gelten, erklärten 15 der 24 Mitglieder des Rats am Donnerstag in einer Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Die Bundesministerinnen Ulla Schmidt und Edelgard Bulmahn reagierten zustimmend. Grüne und Union äußerten sich hingegen kritisch.

Bei der PID, die in Deutschland verboten ist, wird das Erbgut von im Reagenzglas befruchteten Eizellen untersucht, bevor diese in den Mutterleib eingepflanzt werden. Schon in diesem Stadium können Wissenschaftler Erbkrankheiten erkennen. Kritiker befürchten jedoch eine willkürliche Auslese kranker Kinder.

Der RatsvorsitzendeSpiros Simitis sagte, es sei nicht Aufgabe des Ethikrates, Entscheidungen zu fällen. Deshalb sei bewusst auf eine Abstimmung zu Gunsten einer einzigen Position verzichtet worden. Die Stellungnahme enthalte Argumente der Befürworter wie auch auch der Gegner, damit diese in die weitere Debatte einflössen.

Die Mehrheitder Mitglieder plädierte dafür, PID dann zuzulassen, wenn Paare ein bekanntes, hohes Risiko haben, ein Kind mit einem schweren genetischen Defekt oder Behinderungen zu bekommen. Gleiches soll für Paare mit hohem Risiko gelten, eine Chromosomenstörung zu vererben. Darüber hinaus solle eine Untersuchung zulässig sein, um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden. PID soll nur an wenigen lizenzierten Zentren durchgeführt werden dürfen.

Die PID-Gegnerim Ethikrat erklärten, eine Selektion von Embryonen verstoße gegen die im Grundgesetz verankerte Würde des Menschen und das Diskriminierungsverbot. Ethikratmitglied Hans-Jochen Vogel (SPD) sagte, diese Folgen seien auch bei einer nur eng begrenzten Zulassung zu schwerwiegend. Übereinstimmend empfahl der Rat, alle offenen Fragen in einem Fortpflanzungsmedizingesetz zu regeln.

Unterschiedliche Reaktionen auf Stellungnahme

Forschungsministerin<Bulmahn und Gesundheitsministerin Schmidt (beide SPD) begrüßten gemeinsam die Stellungnahme. Eine Zulassung von PID unter strengen Auflagen sei gerade mit Rücksicht auf die betroffenen Frauen vertretbar. Die Ministerinnen forderten eine Diskussion über PID in der Gesellschaft. Zustimmung signalisierte auch die FDP.

Die Grünen forderten dagegen, das Verbot von PID in Deutschland beizubehalten. Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Reinhard Loske sagte, PID bedeute die "faktische Selektion" von Embryonen. Diese scheinbar rationale "Produktion von Leben nach bestimmten Kriterien" sei eine Anmaßung.

Auch in derUnion überwogen die Bedenken. Der CDU-Politiker Hubert Hüppe nannte die Stellungnahme eine Farce. Die Bedenken von Frauen- und Behindertenverbänden hätten darin keine Beachtung gefunden. Die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Maria Böhmer sagte, statt einer begrenzten Zulassung von PID sollten die möglichen Alternativen aufgezeigt werden. Der bayerische CSU-Fraktionschef Alois Glück erklärte in München, es sei Illusion zu glauben, dass sich die PID auf einen kleinen Kreis von Erkrankungen beschränken lasse.

Auch die beiden Kirchen in Deutschland reagierten ablehnend. PID solle verboten bleiben, erklärten die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz.

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