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E. v. Hirschhausen: Sprechstunde: "Ein Freund ist einer, der dich mag - obwohl er dich kennt"

Zum Glücklichsein braucht es oft nicht viel, weiß Eckart von Hirschhausen. Sein Rat: Markieren Sie Ihre liebsten Gefährten mit roten Kringeln und verabreden Sie sich noch heute mit einem von ihnen.

Eckart von Hirschhausen weiß: Gute Freunde sind das Wichtigste zum guten Leben

Eckart von Hirschhausen weiß: Gute Freunde sind das Wichtigste zum guten Leben

Getty Images

Menschen sind wie Stachelschweine. Sind sie sich zu nah, pieksen sie sich, sind sie zu weit auseinander, wird es kalt. Schopenhauer war kein echter Menschenfreund. Er sagte, sinngemäß: ist Unglück, das man nicht hat. Das ist so lebensbejahend wie zu sagen: "Ich habe zwar keine Freunde, aber dafür kenne ich auch noch nicht alle, die ich nicht leiden kann."

Wenige Befunde aus der Glücksforschung sind so universell richtig, so interkulturell gültig und immer wieder in Studien bestätigt wie dieser: Gute Freunde sind das Wichtigste zum guten Leben. Es hat noch nie jemand am Ende seiner Tage gesagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen. Alle sind sich, wenn es hart kommt, einig: Was zählt, sind die Beziehungen, die Menschen, die Herzen.

Klingt banal. Ist es aber nicht. Denn, mal ehrlich, wie viel Zeit am Tag verbringen wir mit Menschen, die wir uns selbst aussuchen? Das fängt schon ganz früh an: Die Eltern können wir uns nicht aussuchen, die nicht. Später werden uns Kollegen vor die Nase gesetzt. Und wer den ganzen Tag befremdet entfremdeter Arbeit nachgeht, kommt irgendwann nach Hause und weiß gar nicht mehr: Hab ich mir das eigentlich selbst ausgesucht?

Virtuelle Freunde

Wie viele "Freunde" haben Sie im Netz? Wenn vor dem Web 2.0 schon galt, dass ich mit jedem Menschen auf der Erde über sechs andere in Verbindung stehe, sind wir im globalen Dorf noch näher gerückt. Geistige Nähe hat räumliche Nähe als Kriterium abgelöst. Jeder kann bleiben, wo er ist - die Communitys bilden sich virtuell.

Das ist eine der größten sozialen Revolutionen unserer Entwicklungsgeschichte. Nur dürfen wir vor dem Bildschirm nicht blind werden für das, was räumliche Nähe eben doch charmant macht. Wer von den 500 Freunden von "Xing" oder "Facebook" bringt mir was zu essen vorbei, wenn ich krank bin und nicht aus dem Bett komme? Da kann "nur ein Mausklick entfernt" ganz schön weit weg sein. Und der Monitor ganz schön kalt.

Mein Vorschlag für ein kleines Ritual, für jetzt gleich, mit Langzeitwirkung, die sogenannte Rote-Kringel-Übung: Schlagen Sie in Gedanken Ihr Adressbuch auf. Wer sind Ihre besten Freunde? Mit wem können Sie gemeinsam lachen, weinen und auch schweigen? Das sind Ihre größten Schätze. Machen Sie in Gedanken einen roten Kringel um diese Namen. Es müssen gar nicht viele sein. Wenn Sie unsicher sind, wer einen bekommt, dann stellen Sie sich vor, dort anzurufen, und achten dabei auf die innere Stimme: Würde mir auch der Anrufbeantworter reichen? Dann ist die Antwort schnell klar.

Naturtalente der guten Laune

Die Menschen mit den roten Kringeln sind Ihre größten Glücksbringer und Schätze. Wann haben Sie sich zuletzt gesehen? Dummerweise sind es genau die Menschen, die einem lange verzeihen, wenn man kurzfristig Termine immer wieder absagt und verschiebt. Deshalb trifft man so oft die anderen aus dem Adressbuch. Die, bei denen das Absagen sich wirklich lohnen würde, man sich das aber nicht traut. Bis hin zu sogenannten Pflichtbesuchen, denen die Frage folgt: "Warum haben wir diese Leute eingeladen?" - "Ich dachte, es sind deine Freunde!" - "Und ich dachte immer, es sind deine!" Reden Sie darüber! Und werden Sie zu roten Kringeln für andere. Verabreden Sie sich heute noch mit jemandem, der Ihnen guttut.

Es gibt Naturtalente der guten Laune. Die kommen irgendwohin und verbreiten gute Laune, egal wo sie hinkommen. Und es gibt andere Naturtalente, die verbreiten gute Laune, egal wo sie weggehen … "Ein Freund ist einer, der die Melodie in deinem Herzen kennt. Und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast." Etwas weniger poetisch ausgedrückt: Ein Freund ist einer, der dich mag - obwohl er dich kennt.

Eckart von Hirschhausen

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