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Heldin der Gesundheit: "Ich weine selten, aber es kommt vor": Eine Pflegerin auf der Intensivstation erzählt aus ihrem Alltag

Katrin Berger, 53, arbeitet als Pflegerin auf einer Intensivstation. Ihre wichtigsten Verbündeten: moderne Technik – und Mitgefühl.

Eine Krankenschwester hält die Hand eines Patienten.

"Nichts kann den mitfühlenden Kontakt ersetzen", sagt Intensiv-Krankenpflegerin Katrin Berger (Symbolbild)

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Das Schwierigste in meinem Beruf ist zugleich das Schönste: Ich werde sehr gefordert und kann Menschen viel geben. Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich als Krankenschwester auf einer im Helios-Klinikum Berlin-Buch.

Manchmal kommen Unfallopfer zu uns, häufiger sind es Menschen mit einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall, andere Patienten haben eine Blutvergiftung. Bei solch einer Sepsis lassen wir sofort eine Blutprobe auf die Art der Bakterien analysieren, damit wir das richtige Antibiotikum geben. Da kommt es auf jede Minute an.

Mein Beruf verlangt mir körperlich einiges ab. Wir haben auch immer wieder schwer übergewichtige Patienten. Für die Pflege können die Betten mit einer Hydraulik hochgefahren werden, unsere speziellen Schwerlastbetten schaffen 300 Kilogramm – einen Patienten mit 280 Kilo hatten wir schon. Auch diese Menschen müssen wir bei der Pflege wenden, das machen wir zu viert, es geht ziemlich auf den Rücken. Zwischendurch laufe ich viel: Ich gehe von Patient zu Patient, hole Verbandszeug und Medikamente, fahre Betten zum OP – pro Schicht komme ich auf bis zu zwölf Kilometer. Ich habe eine Zeit lang einen Schrittzähler getragen und gemessen.

Unsere medizinischen Geräte sind so gut, dass Patienten überleben, die es vor 20 Jahren nicht geschafft hätten. Die Maschinen überwachen Herz und Kreislauf, reinigen das Blut, geben künstliche Nahrung über eine Sonde in den Magen. Wenn etwas nicht stimmt, beginnt ein Gerät zu piepen: Anfangs dröhnte mir abends der Kopf von den vielen Geräuschen – heute erkenne ich auf dem Flur, in welchem Zimmer welches Gerät einen Alarm gibt, und welcher Patient mich am dringendsten braucht.

"Kontakt ist die beste Medizin"

Bei all den technischen Möglichkeiten: Nichts kann den mitfühlenden Kontakt ersetzen. Während ein Patient im Koma künstlich beatmet wird, bildet sich die Atemmuskulatur zurück. Wenn er aufwacht, muss er mithilfe der Maschine lernen, wieder selbst zu atmen. Dabei hat er den Schlauch der Maschine in der Luftröhre. Die Menschen kommen zu sich, sind verwirrt, ringen nach Luft, manche werden panisch. Ich schaue dem Patienten in die Augen, halte seine Hand. Das macht es leichter. Für Angehörige ist es oft erschreckend, einen geliebten Menschen durch Kabel und Schläuche mit Maschinen verbunden zu sehen. Ich ermutige sie, mit ihm zu sprechen und ihn zu berühren.

Wenn ich zu Beginn einer Schicht ans Bett eines bewusstlosen Patienten komme, begrüße ich ihn mit seinem Namen, ich sage ihm, wer ich bin und erkläre, was ich als nächstes tun werde. Einige erinnern sich später, dass jemand in dieser Zeit mit ihnen gesprochen hat.

Wenn Patienten wieder lächeln: Dafür mache ich’s!

Bei aller Empathie bin ich ein pragmatischer Mensch, meine Aufmerksamkeit gilt dem Handeln und dem Helfen. Ich weine selten, aber es kommt vor: Wie bei dem 16-Jährigen, der kaum älter war als meine Kinder und der auf unserer Station an einer Komplikation nach einer Operation starb.

Wenn ein Patient stabil genug ist, wird er auf die Fachstation verlegt, die für seine Erkrankung zuständig ist. Neulich war ein Mann über 70, der wegen eines Herzinfarkts bei uns gelegen hatte, noch mal bei uns auf Station, um sich zu bedanken. Wenn der Mensch, den ich nur liegend kenne, lächelnd vor mir steht, dann weiß ich: Dafür mache ich’s!

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Aufgezeichnet von Burkhard Maria Zimmermann
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