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Superspreader-Event Wissenschaftler führen bis zu 20.000 Infektionen auf eine Konferenz in Boston zurück

Eine Konferenz in diesem Hotel in Boston, Massachusetts Ende Februar wurde zu einem Superspreader-Event für das Coronavirus
Eine Konferenz in diesem Hotel in Boston, Massachusetts Ende Februar wurde zu einem Superspreader-Event für das Coronavirus
© Bill Sikes / Picture Alliance
Ende Februar trafen sich in der US-Stadt Boston zahlreiche Angestellte eines Biotechnologiekonzerns. In dem Hotel wurde offenbar eine gefährliche Kettenreaktion in Gang gesetzt.

Eine einzige Konferenz in den USA von Angestellten eines Biotechnologiekonzerns könnte für bis zu 20.000 Corona-Infektionen weltweit verantwortlich sein. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in einer vorab veröffentlichten Studie zu sogenannten Superspreader-Events, also Veranstaltungen von denen aus ein Virus massiv verbreitet wird. Die Arbeit ist noch nicht eingehend anderen Wissenschaftlern untersucht worden.

Die fragliche Veranstaltung fand Ende Februar in der Ostküsten-Metropole Boston statt. Biogen, das unter anderem für die Bekämpfung von Alzheimer forscht, hatte rund 200 Führungskräfte aus vielen Teilen der Welt in ein Hotel eingeladen. Es wurden Hände geschüttelt, viel gesprochen und sich in geschlossenen Räumen mit Ventilationssystemen aufgehalten. Rund die Hälfte der 200 Teilnehmer soll sich dort mit dem Coronavirus infiziert haben und die Infektion anschließend etwa in die US-Staaten Virginia, North Carolina und Texas getragen haben, aber auch nach Australien, Schweden und die Slowakei.

Woher das Virus zur Konferenz kam, bleibt unklar

Um das herauszufinden, untersuchten die Wissenschaftler die Virus-Gensequenzen in rund 800 Corona-Fällen. Durch die kleinen Veränderungen am Virus, die entstehen, wenn es sich reproduziert, können sie die Ausbreitung des Erregers nachvollziehen. Woher die Infektion zu der Biogen-Konferenz kam, konnten die Wissenschaftler allerdings nicht klären. Es könnten Teilnehmer aus Europa oder anderen Teilen der USA mitgebracht haben, womöglich hat auch ein Angestellter des Hotels die ersten Gäste infiziert.

Dr. Jacob Lemieux, der die Studie mitführte, sagt, es sei unmöglich, genau zu zählen, wie viele Menschen sich das Virus während der Konferenz aufgesackt haben. Alle ausgewerteten Daten deuteten aber darauf hin, dass es "um Zehntausende Fälle" ginge.

Lemieux sieht keine Schuld bei dem Unternehmen Biogen. Es hätte auch zahlreiche andere Veranstaltung in dieser Zeit treffen können. Die Menschen hätten Ende Februar schlicht noch nicht genau gewusst, wie ansteckend das Virus wirklich sei. "Es ist nichts besonderes an dieser Konferenz außer das Pech, dass offensichtlich mindestens eine Person dort infiziert war", sagt Lemieux. Das Meeting sei "wichtig" für die dortige Verbreitung gewesen, aber er stellt auch klar: "Covid-19 wäre mit oder ohne das Treffen gekommen".

Dass es sich bei diesem Meeting in Boston um ein Superspreader-Event handelte, war übrigens bereits seit mindestens April bekannt, wie einige US-Medienberichte zeigen. Auch damals konnten Forscher schon zurückverfolgen, dass dort zahlreiche Infektionen ihren Ursprung hatten. Die neue Studie liefert nun lediglich eine genaue Analyse dazu.

Quellen: Studie / "Boston Globe" / USA Today / "New York Times" 

fin

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