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Green-Zone-Strategie Wissenschaftler erklärt, warum Deutschland umdenken muss, um Covid-19 zu besiegen

Lockdown in Deutschland
Ist eine bundesweite Corona-Strategie der richtige Ansatz?
© Frank Hoermann/SVEN SIMON/ / Picture Alliance
Fährt Deutschland die richtige Strategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie? Wissenschaftler Yaneer Bar-Yam erklärt, warum die Maßnahmen noch härter sein müssten und die Ausrottung des Virus Priorität haben sollte.

Deutschland ist im Lockdown und wird es voraussichtlich auch in den kommenden Wochen bleiben. Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch, eine erhoffte Besserung ist noch nicht eingetreten. Am Dienstag entscheiden Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten das weitere Vorgehen. Mehrere Länder sprachen sich bereits vorab für eine Fortsetzung der Maßnahmen bis Ende Januar aus.

Aber geht Deutschland den richtigen Weg im Kampf gegen das Coronavirus? Yaneer Bar-Yam ist Professor in Cambridge und Gründer der Initiative "EndCoronavirus". Im Interview mit Matthias F. Schneider, der an der TU Dortmund die Abteilung für Medizinische und biologische Physik leitet, erklärte Bar-Yam nun, an welchen Stellschrauben Deutschland seiner Meinung nach drehen muss, um die Krise zu beenden.

Covid-19 ausrotten

"Wenn ein Haus brennt, warten wir auch nicht, bis es abgebrannt ist, wir löschen das Feuer", so Bar-Yam. Die Vergangenheit zeige, dass es möglich sei, Krankheiten zu eliminieren. Zwei Werkzeuge seien dafür wesentlich: Die Menschen müssten voneinander separiert werden, um Ansteckungen zu vermeiden. Und: Impfungen. Der Versuch mit dem Virus zu leben oder alle Karten auf den Impfstoff zu setzen, seien dabei nicht der richtige Weg. Schließlich dauere es Monate bis zu einem Jahr, bis ausreichend Menschen geimpft seien. Darauf zu warten und dem Virus die Möglichkeit zu geben zu mutieren und weitere Varianten hervorzubringen, sei nicht ratsam. 

Die einzig richtige Strategie, sagt er, sei daher die Ausrottung des Virus - und das so schnell wie möglich. Kurz: Die Fallzahlen müssen runter. Von der magischen Grenze eines Inzidenzwerts von 50 hält er nichts. Die Zahlen müssten auf Null oder nahe Null sinken. Dann könne mit der Green-Zone-Strategie fortgefahren werden.

Strategie der grünen Zonen

Ein Vorgehen nach grünen Zonen sieht vor, dass Lockerungen auf Grund von lokalen Entwicklungen entschieden werden. Gebiete, in denen die Infektionszahlen bei nahezu Null sind, würden dann zur grünen Zone erklärt werden, die Wirtschaft könnte dort wieder anlaufen - komplett und branchenunabhängig. Damit die Fallzahlen mit der Öffnung nicht sofort wieder steigen, würden die Zonen durch Reisebeschränkungen geschützt werden.

Das Modell ist keine Utopie. Länder wie Australien hätten vorgemacht, dass die Strategie funktioniere. "Für Deutschland wäre die Umsetzung nicht schwerer als für andere Länder", meinte der Wissenschaftler. Und zudem zeitlich absehbar. Binnen vier bis sechs Wochen könnten die Infektionszahlen im grünen Bereich sein.

Virologin Melanie Brinkmann unterstützte auf Twitter den Ansatz. Sie schrieb: "Ja, wir können diese Krise beenden - proaktiv statt reaktiv sein. Ich liebe die Strategie der grünen Zone: und das ist für Deutschland und viele andere Länder möglich." Das Interview gebe Hoffnung, so Brinkmann.

tpo

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