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Erkältungsbäder: Einfach abtauchen

Raus aus der Kälte, rein in die Badewanne - das tut gut! Aber helfen Erkältungsbäder wirklich gegen Erkältungen? stern.de sprach mit dem Naturheilkundler Bernhard Uehleke über das erste Kratzen im Hals, heißes Wasser und ätherische Öle.

Wann ist ein Erkältungsbad sinnvoll?

Wenn Sie die ersten Anzeichen einer Erkältung spüren - kalte Füße, Kribbeln in der Nase, Kratzen im Hals - nehmen Sie ein heißes Bad. Die Wärme stimuliert die lokale Immunabwehr; oft schafft man es dadurch, eine Erkältung abzuwenden oder sie zumindest abzuschwächen.

Wie funktioniert das genau?

Vor einer Erkältung ist die Durchblutung gedrosselt, wir haben kalte Füße, kalte Hände. Wegen einer neuronalen Verschaltung wird dann auch die Nase nicht gut durchblutet, die Erreger haben leichtes Spiel und können sich ausbreiten. In der Wanne wärmt sich der Körper auf, das stärkt die Abwehr.

Wie warm soll das Wasser denn überhaupt sein?

Auf vielen Arzneibädern steht als Badeempfehlung 36 bis 38 Grad. Aber diese Vorgaben halte ich für altmodisch-schulmeisterlich, und letztlich sind sie gar nicht belegt. Baden Sie so warm, wie Sie es vertragen können; das kann ruhig heißer sein als auf der Packung empfohlen. Denn anders als die Wannen in Kliniken sind Badewannen zu Hause so klein, dass beim Baden die Schultern, die Arme und oft auch die Knie nicht unter Wasser sind. Man macht also gar kein Vollbad, sondern allenfalls ein Dreiviertelbad - dadurch wird der Körper auch bei höheren Badetemperaturen nicht so stark aufgeheizt.

Und was raten Sie den Memmen, die ihre kalten Füße nicht in 40 Grad heißes Wasser stecken wollen?

Für die sind temperaturansteigende Bäder eine Alternative: Beginnen Sie etwas kühler, damit der Einstieg in die Wanne nicht so unangenehm ist, und lassen Sie später heißes Wasser nachlaufen, um die Badetemperatur langsam hochzufahren. Wichtig ist, dass man nicht zu kühl badet: Denn dann bringt das Bad nichts.

Wer Kreislaufprobleme hat, verträgt aber die Hitze vielleicht nicht so gut.

Das ist richtig: Gerade für ältere Patienten ist es schonender, wenn sie nicht ins über 40 Grad heiße Wasser müssen, um die Durchblutung anzuregen. Hier sind die ätherischen Öle in einem Erkältungsbad nützlich: Eukalyptusöl etwa oder Fichtennadelöl regen die Durchblutung an - auch schon bei niedrigen Badetemperaturen.

Haben diese Öle noch weitere Wirkungen?

Sie werden über die Haut aufgenommen und gelangen so ins Blut. Auch Stunden nach dem Bad sind noch Effekte festzustellen, beispielsweise auf die Bronchien. Zusätze wie Thymianöl oder Eukalyptusöl wirken wohltuend entkrampfend und schleimlösend. In manchen Rezepturen ist auch Menthol enthalten: Das spricht zwar unsere Kälterezeptoren an, macht aber die verstopfte Nase sofort frei und ist daher in geringen Mengen sinnvoll.

Ätherische Öle stehen ja unter dem Verdacht, Allergien auszulösen.

Erkältungsbäder enthalten Emulgatoren, die das ätherische Öl im Wasser verteilen - daher sind allergische Reaktionen äußerst selten. Anders sieht es aus, wenn man einfach ein paar Tropfen ätherisches Öl in das Badewasser hineintropft: Dieses Öl schwimmt oben auf dem Wasser und kann die Haut reizen. Auch Bäder, die Kampfer in höheren Dosierungen enthalten, können bei empfindlicher Haut Reizungen auslösen.

Wie lange soll ich eigentlich in der Wanne bleiben?

Bleiben Sie ruhig 20 bis 30 Minuten im Wasser - der Körper soll richtig Wärme tanken. Längeres Baden ist außerdem wichtig, damit die ätherischen Öle durch die Haut aufgenommen werden können. Für Immunsystem und Durchblutung ist das beste Zeichen, wenn Sie richtig krebsrot das Bad verlassen.

Und nach dem Baden?

Am besten gleich ins warme, vielleicht sogar vorgewärmte Bett gehen. Wichtig ist, dass Sie nicht herumlaufen - die Hitze öffnet die Poren und wenn Sie sich dann nicht gleich warm einpacken, gibt Ihr Körper die Wärme schnell wieder ab und Sie kommen sofort wieder in die Unterkühlung rein. Insgesamt gilt: Schonen Sie sich - schlafen sie viel, trinken Sie Tee oder heiße Milch mit Honig. Ein Bad allein verhindert noch keine Erkältung.

Dr. Bernhard Uehleke arbeitet in der Abteilung Naturheilkunde der Charité Berlin

Interview: Angelika Unger
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