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Niesen: Orkangeschwindigkeiten aus der Nase

Hatschi! Hatschi! Hatschi! Wer oft hintereinander niesen muss, ist danach richtig erschöpft. Schaden solche Niesanfälle dem Körper? Und warum niesen wir überhaupt?

Es beginnt mit einem harmlosen Kribbeln, dann schießt mit einem lautstarken "Hatschi" explosionsartig Luft aus der Nase. Manchmal müssen wir zehnmal oder öfter hintereinander niesen. Das kann durchaus viel Kraft kosten - aber ist häufiges Niesen auch gefährlich?

"Für Menschen, die gesund sind, ist Niesen generell harmlos", sagt Hals-Nasen-Ohren-Arzt Michael Deeg aus Freiburg. "Allerdings kann ein ausgedehnter Niesanfall recht anstrengend sein, und einige Menschen müssen sich davon erst mal kurz erholen." Kein Wunder, schließlich verlangt die Schutzreaktion dem Körper einiges an Kraft ab. Nerven auf der Schleimhaut lösen den Niesreflex aus, wenn sie einen Fremdkörper in der Nase feststellen. Sind die Schleimhäute angeschwollen, beispielsweise wegen einer Erkältung, reicht schon ein Staubpartikel, um sie zu reizen.

Durch den Niesreflex hebt sich das Gaumensegel an und verschließt die Verbindung zwischen Nase und Rachen, das gesamte Luftvolumen in der Lunge und im Rachenraum wird komprimiert. Es entsteht ein erhöhter Druck, der dann plötzlich durch die Nase entweicht. Fremdkörper sollen so praktisch herausgepustet werden. "Dabei entstehen Windgeschwindigkeiten, die durchaus Orkanstärke erreichen", sagt Deeg.

Niemals Nase zuhalten beim Niesen

Aufgrund dieser hohen Kräfte können Niesanfälle deshalb für einige Menschen mit Vorschädigungen tatsächlich gefährlich werden, doch das ist die Ausnahme. "Durch den Niesreflex kann beispielsweise der Blutdruck kurzzeitig deutlich ansteigen. Für Menschen, die unter bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, könnte das ein Risiko bedeuten", betont Deeg.

Verhindern lässt sich der Nieser übrigens nur selten. "Wer ein Kribbeln spürt, kann die Nase leicht zuhalten und hochziehen. Damit lässt sich der Reflex eventuell noch unterbinden", sagt der Mediziner. Auf keinen Fall sollte die Nase allerdings beim eigentlichen Niesen zugehalten werden. "Dann könnte der Druck ins Mittelohr entweichen und dort unter Umständen Schäden verursachen", sagt Deeg. Gerüchte, dass Niesen mit zugehaltener Nase zu schweren Schäden im Gehirn führen kann, bestätigt der Arzt allerdings nicht. "Das hat sich im Volksmund so entwickelt. Allerdings besteht anatomisch gar keine Verbindung, über die der Druck von der Nase ins Gehirn entweichen könnte."

DDP / DDP
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