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Schutz vor Erkältung: Mit Abstand am besten

Im Winter drohen wieder Erkältungen durch Tröpfcheninfektionen: Wir erklären, wie sich Viren und Bakterien übertragen - und wie Sie eine Ansteckung verhindern können.

Von Wolfgang Schillings

Draußen klirrende Kälte, drinnen trockene Heizungsluft: Im Winter werden Schleimhäute und Immunsystem stark beansprucht - Krankheitserregern stehen jetzt alle Türen offen. Ist es erst einmal durch ein Virus zu einer Erkältung gekommen, haben Bakterien ein leichtes Spiel und greifen die Abwehr des Körpers massiv an; aus dem leichten Virusinfekt wird möglicherweise eine schwere Bronchitis.

Haben sie sich erst einmal ausgebreitet, finden die Erreger schnell ein Vehikel, das sie in den nächsten "Wirtshaushalt" bringt: Über Tröpfchen von der Nasen-, Mund- und Rachenschleimhaut eines Erkälteten gelangen sie beim Sprechen, Husten und Niesen auf die Schleimhaut eines gesunden Menschen.

Sicher verhindern lässt sich eine Ansteckung nicht. Für ältere Menschen und Personen, die täglich von vielen Menschen umgeben sind, ist eine Grippeschutzimpfung empfehlenswert. Doch mit ein paar Schutzmaßnahmen kann man es den Viren und Bakterien immerhin deutlich schwerer machen, einen Weg in den Körper zu finden.

Umarmung: Ich mag dich gern - von fern

Auch auf den Wangen tummeln sich bis zu 10 000 "Gäste" pro Quadratzentimeter, viele davon kommen aus Mund oder Nase. Deshalb können durch eine Umarmung oder einen Wangenkuss leicht Keime übertragen werden - zwar leben hier nicht mehr Erreger als auf der Hand, aber durch die Nähe zu Mund und Nase ist das Infektionsrisiko höher. Verzichten Sie auf solchen Ausdruck Ihrer Zuneigung, bis Ihre Freunde genesen sind.

Die Ursachen liegen auf der Hand

Normalerweise ist die Bakterienbesiedlung unserer Haut nicht sichtbar. Deshalb hat Paul-Michael Kaulfers, Professor für Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, für uns einen Abdruck der Hand auf einen speziellen Nährboden übertragen. Die Keimkultur "bebrütete" er so, dass die einzelnen Bakterien sich vermehren konnten. Nach einem Tag werden die Kolonien sicht- und zählbar, können die unterschiedlichen Keime anhand ihrer Formen sowie ihrer biochemischen und physiologischen Merkmale identifiziert werden. Auf jedem erkennbaren Punkt häufen sich bis zu hundert Millionen Bakterien.

Küsse: Später, Liebling

Wärme, Nässe, Essensreste: Die Mundhöhle ist ein Traum für Kleinstlebewesen; ein Milliliter Speichel beheimatet schon beim Gesunden bis zu einer Milliarde (unbedenkliche) Bakterien. Bei Erkälteten mischen sich viele krankmachende Störenfriede darunter - für sie sind Küsse, besonders Zungenküsse, das perfekte Reisemittel: Direkt von einem Paradies ins nächste, ohne Umsteigen. Wegen der hohen Dichte an Keimen im Speichel reicht schon eine sehr kleine Menge aus, um eine Erkältung oder Grippe zu übertragen. Sollen Sie nun wegen der Erreger auf die Erregung verzichten? Sie kennen ja den bekannten Refrain "You give me fever"É Entscheiden Sie selbst.

Hände: Bitte nicht schütteln

Auf der Hand eines gesunden Menschen leben zwischen 100 und 10 000 Bakterien pro Quadratzentimeter, eine natürliche und harmlose Besiedelung. Wer erkältet ist, überträgt Krankheitserreger auf seine Hände, sobald er seinen Mund oder seine Nase berührt, und verteilt sie dann auf Türklinken, Telefone - und die Hände anderer. Sind die neuen Mitbewohner auf Ihren Händen gelandet, kommt flugs der "Schleimhaut-Shuttle" und bringt sie an ihr Ziel: Ein Jucken an der Nase, ein Kekskrümel an der Lippe, schon macht die Hand sich auf den Weg zur Eintrittspforte in den Körper. Haben Sie also einen erkälteten Kollegen oder Freund, so weisen Sie ihn freundlich auf die Ansteckungsgefahr hin und verzichten Sie auf den Händedruck, solange er erkrankt ist. Falls das höfliche Begrüßungsritual sich doch einmal durchgesetzt hat, fassen Sie sich nicht ins Gesicht, bis Sie sich die Hände gewaschen haben.

Niesen: Raus aus der Schusslinie

Schon beim normalen Ausatmen oder Sprechen gelangen Tröpfchen von der Schleimhaut in die Umgebung, beim Husten und Niesen werden Millionen davon in die Luft katapultiert. Ob am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Arztpraxis - Rückzug ist jetzt die beste Verteidigung. Denn das Risiko, sich anzustecken, ist umso größer, je näher Sie an der Flugschneise stehen. Halten Sie deshalb mindestens einen Meter Abstand von Hustern und Niesern, drehen Sie sich in eine andere Richtung und halten Sie kurz die Luft an oder nehmen Sie ein Taschentuch vor den Mund und die Nase. Wer selbst erkältet ist, niest am besten in sein Taschentuch und wirft es danach weg (oder gibt es in die Wäsche, wenn es aus Baumwolle ist). Papiertaschentücher müssen nicht durch die Toilette gespült werden, sondern dürfen in den Müll - ohne ein "Transportmittel" schaffen die Viren es dort nicht heraus.

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