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Hirschhausens Sprechstunde Machen Sie aus einem Elefanten eine Mücke

Fortschritt durch Rückschritt lautet die Devise. Dr. med. Eckart von Hirschhausen rät zum Verkauf des Autos und mehr Bewegung im Alltag
Fortschritt durch Rückschritt lautet die Devise. Dr. med. Eckart von Hirschhausen rät zum Verkauf des Autos und mehr Bewegung im Alltag
© Colourbox
Von großen Ideen hat Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen genug. "Small is powerful" ist seine Devise. Er rät zu vielen kleinen Rückschritten.

Heute habe ich eine große Idee für Sie: viele kleine! Ich weiß von mir, dass ich mit großen Projekten und Vorsätzen für jedes neue Jahr grandios scheitere. Wer handelt schon vorsätzlich? Doch nur Kriminelle.

Brauchen große Probleme immer große Lösungen? Ein großer Denkfehler. Big is beautiful? Small is powerful! Elefanten zählen zu den gefährdeten Spezies. Mücken nicht. Und obwohl die meisten Menschen nach Afrika fahren, um sich wie ein Großwildjäger zu fühlen und aus einem Jeep gefährlichen Tieren direkt ins Auge zu sehen, werden die wenigsten durch Leoparden getötet, sondern eher durch Malaria. Bei den Glücksgefühlen ist es auch so: Viele kleine Glücksmomente über den Tag sind viel wichtiger als das eine emotionale Großereignis. Das verstehen Männer immer falsch. Eine Rose und ein Wort im richtigen Moment bewirken mehr als hundert Rosen im Nachhinein.

Ähnliches gilt auch in der Welt der Ökonomie, wie der Friedensnobelpreisträger Yunus mit der Idee der Mikrokredite bewiesen hat. Ich durfte ihn neulich interviewen und war beeindruckt von seinem Konzept: Beobachte, was die großen Banken machen. Und mach dann das genaue Gegenteil. Er verlieh kleine Beträge an sehr viele sehr arme Menschen. Und siehe da: Es kam mehr zurück, als je ein Kredithai erwartet hätte. Da inzwischen die Kredithaie auch dort ein Geschäft gewittert haben, ist die Idee leider in Misskredit geraten, was nicht an der Idee liegt, sondern an der Umsetzung. Aber das Problem mit den falschen Nachahmern ist auch schon 2000 Jahre alt.

Mit kleinen Rückschritten zum Fortschritt

Jesus ging noch zu Fuß. Wenn ein Mensch heute seine 70 Kilo von A nach B bewegen will, lässt er 1,5 Tonnen Blech drum herum mitbewegen, damit es auch jeder mitbekommt. Und dann fährt man mit dem dicken Auto in ein Fitnessstudio, um sich dort auf einen Apparat zu stellen, der verhindert, dass man sich von der Stelle bewegt, während man rennt. Und das ist dann Fortschritt. Wenn Sie sich mehr bewegen wollen, gibt es nur ein Rezept: viele kleine Rückschritte! Schaffen Sie Ihr Auto ab, kaufen Sie gute Schuhe, Fahrrad und Monatskarte, das ist allemal billiger. Wenn Sie einen Aufzug im Haus haben, bitten Sie den Kundendienst, die Einstellungen so zu verändern, dass er erst nach zwei Minuten kommt. Um etwas zu transportieren, reicht das. Und sonst geht man automatisch zu Fuß. Vorsprung durch Technik! In der Sportmedizin ist längst klar, dass viele kleine Bewegungen im Alltag mehr bringen, als sich alle zwei Wochen einmal komplett auszupowern.

Ich baue gerade ein Haus um. Mein Bauleiter will mir ausreden, im Keller einen Fitnessraum einzurichten. Er hat einfach zu oft erlebt, wie Männer sich den Keller voller martialischer Geräte stellen, mit denen man jeden Muskel einzeln fordern kann. Und ein paar Wochen später werden die ganzen Stangen und Gestelle nur noch von den Frauen benutzt: zum Wäscheaufhängen. Von den Jungs, die auf der Baustelle schuften, ist kurioserweise keiner übergewichtig. Ob die alle Fitnessräume im Keller haben? Muckis haben sie jedenfalls.

Eckart von Hirschhausen GesundLeben

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