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Pandemie Indien: Familie versteckt sich 15 Monate in einem Zelt, um dem Coronavirus zu entkommen

Schlange vor einem indischen Impfzentrum
Schlange vor einem indischen Impfzentrum: Das Land wurde vom Coronavirus besonders schwer getroffen (Symbolbild)
© Himanshu Sharma / ABACA / Picture Alliance
Nachdem ein Nachbar am Virus gestorben war, isolierte sich eine Mutter mit ihren beiden Töchtern. In einer winzigen Unterkunft ohne sanitäre Einrichtungen – und irgendwann ohne Nahrung.

Lange hatte niemand von der Frau und ihren beiden Kindern gehört – aber man ging in dem indischen Dorf Kadali, Andhra Pradesh, davon aus, dass sich die Familie von Ruthamma Benny während der Wirren der Coronapandemie zu Verwandten geflüchtet hatte. Doch die Frau und ihre zwei Töchter hatten anders auf die Gefahren durch das Virus reagiert, nachdem ein Nachbar an Corona verstorben war: Sie schlossen sich in ihrem winzigen Haus – eher eine Art Hüttenzelt – ein und blieben dort. 15 Monate lang. Ohne sanitäre Einrichtungen und irgendwann auch ohne Nahrung.

Nachdem das Virus das Dorf von Ruthamma und ihren beiden Töchtern, Kanthamani, 30, und Rani, 32, erreicht hatte, schickte die Regierung schnell medizinische Unterstützung. Davon bekamen die drei aber schon nichts mehr mit, da sie sich nach dem Tod ihres Nachbarn aus Angst sofort streng isoliert hatten. Ein Helfer ging an verschiedenen Tagen von Haus zu Haus, um Masken zu verteilen, Ratschläge zu geben und Hilfe anzubieten. Doch in der Unterkunft der Familie Benny öffnete niemand. Alles blieb still und wirkte verlassen.

Die Hütte der Familie wirkte völlig verlassen

Erst Monate später wurden die drei entdeckt. Nach der langen Zeit begannen Verwandte, sich Sorgen zu machen und nachzufragen, wo die Mutter und die beiden jungen Frauen steckten. Schließlich fand man sie in ihrer winzigen Unterkunft – in einem miserablen Zustand. Polizei und Rettungskräfte kamen und transportierten alle drei in ein Krankenhaus. "Ihr Zustand war kritisch, als wir sie herausholten. Ihre Haare waren lang und ungepflegt, sie hatten lange nicht gebadet. Wir brachten sie sofort in die örtliche Klinik", berichtet ein Beamter.

Zwei oder drei Tage länger hätten die schwer unterernährten Menschen wohl nicht überlebt. Aus Angst vor dem Virus hatten sie länger als ein Jahr unter katastrophalen und beengten Zuständen in ihrer Unterkunft gehaust: "Die Familie blieb in ihrem kleinen Zelt, sie verrichteten sogar ihr Geschäft dort." Die drei würden nun behandelt, so der Beamte gegenüber "Sky News", und es gehe ihnen bereits etwas besser.

Die Angst der Familie Benny ist allerdings verständlich: Indien wurde vom Coronavirus besonders hart getroffen. Fast 32 Millionen Menschen erkrankten, die offizielle Opferzahl beläuft sich auf rund 419.000. Experten vermuten, dass die Dunkelziffer jedoch dreimal so hoch sein könnte.

Quelle:  Sky News

wt

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