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50-prozentige Sterblichkeit Indische Gesundheitsbehörden wollen Pilzinfektion zur Epidemie erklären

Ein Arzt in Schutzausrüstung bei der Arbeit im Covid-19 Care Centre in Delhi
Covid-19-Genesene sollen besonders anfällig für eine oft tödliche Pilzinfektion sein
© Pradeep Gaur / zumapress.com / Picture Alliance
Indien kämpft weiter gegen die zweite Coronawelle. Nun warnen Behörden bereits vor der nächsten Epidemie: Tausende hätten sich bereits mit einem tödlichen Schimmelpilz infiziert. Besonders Covid-19-Genesene seien betroffen.

Eigentlich ist eine Infektion durch den Mucor- oder Köpfchenschimmelpilz äußerst selten. Berichten zufolge häuften sich in Indien in den letzten Monaten jedoch Mukormykose-Erkrankungen – vor allem bei genesenen Coronapatienten. Nicht zuletzt aufgrund der extrem hohen Sterblichkeitsrate von circa 50 Prozent drängen indische Gesundheitsbehörden darauf, die Infektionskrankheit als Epidemie einzustufen.

Noch sei nicht zweifelsfrei geklärt, ob Corona für die Ausbreitung der Infektion verantwortlich ist. Das Wachstum des Schimmelpilzes würde jedoch unter anderem durch hohe Blutzuckerwerte, Sauerstoffmangel und ein schwaches Immunsystem begünstigt. All dies sei bei Coronapatienten häufig der Fall.

219 gemeldete Todesfälle

Das Land verzeichnet nach wie vor mehr als 250.000 tägliche Corona-Neuinfektionen. Mehr als 290.000 Inder sind seit Beginn der Pandemie an den Folgen von Covid-19 verstorben. Laut "BBC" sehen Ärzte einen Zusammenhang zwischen den steigenden Mukormykose-Fallzahlen und der Behandlung von Covid-19-Erkrankten mit Steroiden. Die Infektion mache sich Medizinern zufolge zwölf bis 15 Tage nach der Genesung von Covid-19 bemerkbar.

Der Köpfchenschimmelpilz, Auslöser der gefährlichen Infektion, wachse vor allem in der Erde, auf Pflanzen, im Dung oder auf verrottendem Obst und Gemüse. Mucor befalle die Nasennebenhöhlen, das Gehirn und die Lunge. Medienberichte zufolge helfen neben der medikamentösen Behandlungen oftmals nur chirurgische Eingriffe, wobei ein Auge oder ein Teil des Kieferknochens entfernt werden muss.

Vergangene Woche habe Rajesh Tope, Gesundheitsminister des Bundesstaats Maharashtra, 1.500 Infektionen mit dem "Schwarzen Pilz" vermeldet. Einem Bericht der "Hindustan Times" zufolge hätten Gesundheitsbehörden landesweit mindestens 7.250 Erkrankungen und 219 Todesfälle registriert. Die tatsächliche Zahl könne jedoch deutlich höher sein.

Ein Krankenhaus in Mumbai habe der "BBC" mitgeteilt, dass sie in zwei Monaten 24 Fälle von Mukormykose behandeln mussten. Im gesamten Jahr 2020 seien es nur sechs Fälle gewesen. Experten am "All India Institute of Medical Sciences" in Delhi sprachen der "Hindustan Times" nach hingegen von mehr als 100 Fällen seit Monatsbeginn.

Mukormykose-Medikamente werden knapp

"Wir haben die Staaten gebeten, Mukormykose als meldepflichtige Krankheit unter dem Epidemiegesetz hinzuzufügen", habe der Staatssekretär im Gesundheitsministerium bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erklärt. Sollte die Infektionswelle als Epidemie eingestuft werden, könnten die Behörden die Ausbreitung genauer überwachen und Behandlungen besser koordinieren.

Wegen des rasanten Anstiegs sei das entsprechende Medikament knapp geworden, sodass sich Familien in ihrer Not an Schwarzmarkthändler gewandt hätten. In Delhi seien bereits drei staatliche Krankenhäuser angewiesen worden, spezielle Zentren für die Mukormykose-Fälle einzurichten. Ein vierköpfiges Komitee soll zudem die Medikamentenvergabe regulieren.

Quellen: "BBC"; "Hindustan Times"; "The Times of India"; Corona-Fallzahlen WHO

yks

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