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Süditalien: Ameisen überrennen Krankenbett - und die Patientin liegt drin

Ein Krankenhausaufenthalt ist ein Erlebnis, auf das die meisten lieber verzichten würden. Für eine Patientin in Italien endete die Klinik-Erfahrung besonders eklig.

Kribbeln im Krankenzimmer: Ameisen überrennen ein Patientenbett in einer Klinik in Neapel

Kribbeln im Krankenzimmer: Ameisen überrennen ein Patientenbett in einer Klinik in Neapel

Für Missstände im Gesundheitswesen hat das Italienische einen eigenen Ausdruck: malasanità. Ein Begriff, der grob alles zusammenfasst, was im Sanitätsbereich so falsch laufen kann. Fehldiagnosen - malasanità. Kunstfehler - malasanità. Schaben im Krankenzimmer - malasanità. "Malasanità" hört man dieser Tage wieder besonders oft. Dann, wenn italienische Medien darüber berichten, was sich vor Kurzem in einen Krankenhaus in Neapel zugetragen hat.

Im fünften Stock der Klinik San Paolo im Stadtteil Fuorigrotta lag eine Patientin mit Hunderten Ameisen im Krankenbett. Laut Nachrichtenagentur "Ansa" wurde die Frau wegen eines septischen Schocks nach einer Fraktur behandelt. Dem Regionalpolitiker Francesco Emilio Borrelli wurden Fotos vom Krankenzimmer zugespielt, er verbreitete sie online und schrieb dazu: "So viel Schlamperei und Mangel an Hygiene können wir nicht akzeptieren. Seit Jahren klagen wir über Insekten - auch Schaben - in dem Krankenhaus, aber alle Zusagen erwiesen sich bisher als unzuverlässig." Einmal online gestellt, sind die Bilder jetzt nicht mehr aufzuhalten.

Italienische Medien berichten zuhauf über das Ameisen-Bett und die kranke Frau darin. Das gehe zu weit, eindeutig, da sind sich alle Kommentatoren einig. "Man dachte, mit den Patienten, die im Krankenhaus von Nola auf dem Fußboden behandelt worden waren, wäre der Tiefpunkt erreicht", schreibt die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". "Aber die Bilder aus Neapel beweisen das Gegenteil."

Nahe Neapel: Patienten auf dem Fußboden behandelt

Tatsächlich ist der Ameisen-Vorfall von Neapel nicht der erste Fall von malasanità, den Italien dieses Jahr zu bewältigen hat. Zu Beginn des Jahres war bekannt geworden, dass im Krankenhaus der kampanischen Kleinstadt Nola Patienten auf dem nackten Fußboden behandelt worden waren. Die Klinik war am betreffenden Wochenende im Januar hoffnungslos überlastet gewesen, weder Betten noch Bahren standen zur Verfügung und der Direktor des Spitals, Andrea de Stefano, konnte sich später nur dürftig mit folgenden Worten verteidigen: "Wir haben die Patienten auf dem Fußboden behandelt, anstatt ihnen überhaupt keine Behandlung zu bieten."

Ärztegewerkschaft: Diese Bilder sind zum Schämen

Der Skandal, der sich jetzt, knapp ein halbes Jahr später, in Süditalien zutragen sollte, ist von Nola etwa 40 Minuten Fahrzeit entfernt. Im Krankenhaus San Paolo in Fuorigrotta rücken dieser Tage Spezialkräfte des Gesundheitsministeriums sowie eine Spezialeinheit der Carabinieri an. Das hatte Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin verfügt, sie will die Verantwortlichkeiten des neuen Skandals zu klären, die Szenen seien "unwürdig", meinte die Ministerin. Die Ärztegewerkschaft spricht von "Bildern, die zum Schämen sind", von Zuständen wie "in der Dritten Welt".

Der Sanitätsdirektor des Krankenhauses Vito Rago, selbst erst seit 20 Tagen in diesem Job, meinte laut Bericht des "Corriere della Sera": "Ich bin beschämt und will mich gar nicht rausreden. Und ich werde dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Die erste Sache, die wir sofort gemacht haben, war es, das Bett der Patientin zu wechseln." Mittlerweile, so berichtet die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag, hat die Staatsanwaltschaft von Neapel Ermittlungen aufgenommen.

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pg
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