VG-Wort Pixel

Studie Kinder überstehen Covid-19 meist binnen weniger Tage – ein Argument gegen die Impfung ist das aber nicht

Fiebermessen bei einem Kindergartenkind
Fieber gehört zu den häufigsten Corona-Symptomen bei Kindern.
© Robert Kneschke / Picture Alliance
Für Kinder ist das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, gering – das bestätigt eine neue Studie aus Großbritannien. Bei den meisten war nach sechs Tagen der Spuk überstanden. Ein Grund, die Infektion einer Impfung vorzuziehen, ist das aber dennoch nicht.

Kinder und Corona, das ist ein Reizthema seit Beginn der Pandemie. Ihr Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, gilt als gering. Aber wie groß ist die Corona-Gefahr für Kinder wirklich? Britische Forscher haben in einer Studie Symptome und Krankheitskinder von infizierten Kindern untersucht. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin "The Lancet Child & Adolescent Health" veröffentlicht. Demnach sind die meisten Kinder nach sechs Tagen bereits wieder gesund. Ein Argument gegen die Impfung ist das laut Experten aber nicht.

Für die Untersuchung nutzten die Forschenden Daten, welche Eltern oder andere Erziehungsbeauftragte über die ZOE Covid-App lieferten. Insgesamt wurden so zwischen Ende März 2020 und Ende Februar 2021 mehr als 250.000 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren erfasst. Bei 75.529 lagen gültige Corona-Testergebnisse vor, davon waren 6975 nachweislich mit Corona infiziert. Allerdings lagen nur von 1735 auswertbare Daten von Kindern vor, die positiv auf Sars-COV-2 getestet worden waren und Krankheitssymptome zeigten. Als Kontrollgruppe dienten 1734 zufällig ausgewählte Kinder, die negativ auf das Coronavirus getestet wurden, aber an anderen Infektionen erkrankt waren. 

Corona-Symptome nicht überprüfbar

"Zuerst die gute Nachricht: Die Aussage: 'Kinder haben ein sehr geringes Risiko schwer an Covid-19 zu erkranken' bestätigt sich", kommentiert der Immunologe Carsten Watzl die Ergebnisse der Studie in einem Twitter-Thread. Im Schnitt hatten die erkrankten Kinder drei Symptome – zu den häufigsten zählten Kopfschmerzen (62 Prozent), Abgeschlagenheit (55 Prozent) sowie Fieber,  Halsschmerzen, Husten und der Verlust von Geschmacks- oder Geruchssinn (etwa 40 Prozent). Ein Manko der Studie, das die Forschenden selbst einräumen: die Symptome konnten nicht überprüft oder verglichen werden. Somit spiele die subjektive Einschätzung der Eltern eine große Rolle.

Laut den Studienergebnissen hatten Kinder mit Covid-19 länger mit Symptomen zu kämpfen als Kinder, die es mit anderen Infekten zu tun hatten. Im Schnitt hielten die Symptome der Corona-positiven Kinder etwa sechs Tage an, die der Kontrollgruppe nur drei Tage. "Covid ist keine Erkältung!", so Watzl. Er führt aus, dass 4,4 Prozent der Kinder mit Covid-19 Symptome für mehr als 28 Tage hatten. In der Kontrollgruppe waren es hingegen nur 0,9 Prozent. Und: "1,8 Prozent der Kinder mit Covid-19 hatten sogar Symptome für mehr als 56 Tage", schreibt er. 2,9 Prozent der Kinder, die sich mit Corona infizierten, mussten im Krankenhaus behandelt werden, bei der Kontrollgruppe waren es 1,5 Prozent.

Infektion oder doch lieber Impfung?

Die Ergebnisse zeigten, so Watzl, dass die meisten Kinder keine längeren Probleme mit Covid-19 hätten. Nur bei wenigen, laut Studie ein bis zwei Prozent, halten die Symptome länger als zwei Monate an. "Das ist mehr als in einer Kontrollgruppe. Zum Glück scheinen sich die Symptome über die Zeit zu bessern!", so der Immunologe. Ältere waren etwas länger krank – im Schnitt sieben Tage – als die Fünf- bis Elfjährigen, bei denen die Symptome im Mittel fünf Tage dauerten. Auch der Anteil jener Heranwachsenden, die noch nach mehr als vier Wochen Symptome spürten, lag mit 5,1 Prozent unter den älteren etwas höher als bei den jüngeren (3,1 Prozent). "Es ist beruhigend, dass die Zahl der Kinder, die lange unter Covid-19-Symptomen leiden, sehr niedrig ist", wird Hauptautorin Emma Duncan in einer "Lancet"-Mitteilung zitiert.

Tatsächlich seien die in der Studie dokumentierten Symptome vergleichbar mit denen, die auch als Impfreaktion beobachtet wurden, so Watzl. Allerdings halten sie nach der Impfung weniger lang an, in der Regel ein, zwei Tage. Dazu kommt, dass die Studie aufgrund der Datengröße keine Hinweise zu seltenen Ereignissen wie Krankenhauseinlieferungen liefern könne. "Bei der Impfstudie mit 1131 geimpften Kindern gab es keine weiteren schweren Nebenwirkungen, niemand im Krankenhaus", schreibt er. Bei 1734 Covid-19 Fällen oder 1131 Geimpften seien solche seltenen Ereignisse, es handelt sich um 0,1 Prozent der Fälle, nicht zu sehen. 

Kinder impfen lassen oder nicht?

Keine Infos zur Delta-Variante

Bekannt sei aber, dass bei etwa 70 von einer Million geimpften Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auftreten könne, also bei einem von 14.000. Bei Covid-19 liege die Zahl um sechsmal höher, bei einem von 2200. "Heißt also: Die oben genannte Studie kann nicht so interpretiert werden, dass Covid-19 für Kinder harmlos ist und die Impfung ein höheres Risiko darstellen würde. Schwere Nebenwirkungen sind sowohl bei Infektion als auch bei Impfung extrem selten", ordnet Watzl ein. Die Studie helfe aber, die Gefahr besser einzuschätzen, die die meisten Kinder durch Covid-19 haben würden. "Und die ist halt sehr gering, nur bei der Impfung noch geringer."

Offen bleibt die Frage, ob die Ergebnisse auf die Delta-Variante des Coronavirus übertragen werden können. Der Untersuchungszeitraum der Studie lief bis Ende Februar, die Delta-Variante verbreitete sich aber erst ab dem Frühjahr von Großbritannien aus über Europa.

Quelle: The Lancet

tpo

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker