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Fragen zur Kindergesundheit: Ab welchem Alter "Lemonbier"?

"Haben Sie Fragen zum Thema Kindergesundheit?", hat der stern gefragt. In Teil sechs der Serie sagt der Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort Eltern von Teenagern, was sie bei Medienkonsum und Schulstress beachten sollten.

In der Schule überfordert?

Unsere Tochter, 16, geht in die 10. Klasse eines humanistischen Gymnasiums und hat seit diesem Schuljahr zunehmend Probleme in einigen Fächern. Sie wird wohl die Klasse wiederholen müssen. Das Gymnasium ist bekannt als anspruchsvoll. Zudem kommt unsere Tochter mit einigen Lehrern nicht zurecht.

Unseren Vorschlag, nach der Realschulreife abzugehen, hat sie, obwohl sie zurzeit "null Bock auf Lernen" hat, abgelehnt. Einem Wechsel auf ein anderes Gymnasium steht sie sehr skeptisch gegenüber. Wie sollen wir uns verhalten?Brigitte Heine

Antwort: Gut wäre es, wenn es einen unabhängigen Erwachsenen gäbe, den Sie mit einbeziehen können (Patentante, Vertrauenslehrer), der mit Ihrer Tochter unabhängig von Ihnen erörtert, was sie will und was sie im Moment davon abhält, ihr Leistungspotenzial umzusetzen. Diese Hilfe kann aber auch professionell eingeholt werden, zum Beispiel von einem Schulpsychologen oder Jugendpsychiater.

Was tun bei Medienjunkies?

Unsere Tochter Vanessa, 10, ist in der 4. Klasse, kommt in der Schule super mit und wird bald auf das Gymnasium wechseln. Nach der Schule verbringt sie allerdings ihre Zeit am liebsten vor irgendwelchen Monitoren (PC, Nintendo, TV). Dabei isst sie natürlich zu viel, die Folge: 1,60 Meter Größe und 62 Kilo Gewicht.

Sie verweigert jeden Ansatz, nach draußen zu gehen, Treffen mit Freundinnen finden nur selten und auch (fast) nur im Haus statt. Eine halbjährige Psychotherapie blieb erfolglos. Ich überlege, sie in der neuen Schule für eine zweistündige Betreuung nach dem Unterricht anzumelden, damit sie nicht so lange auf sich selbst gestellt ist.S. Brogel

Antwort:

Ihre Tochter nicht mehr so lange sich selbst zu überlassen ist bestimmt ein guter Weg. Bezüglich des Übergewichts rate ich Ihnen, eine Behandlung einzuleiten, wobei eine alleinige Psychotherapie sicher nicht ausreicht. Notwendig ist eine stringente, ambulante Behandlung (z. B. Obeldicks, Powerkids, Moby Dick).

Wie gefährlich sind Internetspiele?

Mein Sohn Max, 13, spielt seit einiger Zeit ein Spiel namens Kondor Strike, das er auf einer LAN-Party kennengelernt hat. Inzwischen setzt sich das Ganze mit Freunden in einer Art Internetspielraum namens Hamachi fort - mein Sohn fiebert nun täglich dem abendlichen Treffen zu virtuellen Ballerspielen entgegen. Halten Sie diese Art von Internetspielen für bedenklich?Margret Liese

Antwort:

Zunächst empfehle ich Ihnen, sich mit den Spielinhalten vertrauter zu machen. Wahrscheinlich meinen Sie "Counter-Strike". Erst dann können und sollten Sie entscheiden, ob Sie möchten, dass sich Ihr Sohn damit beschäftigt.

Dabei finde ich es immer wichtig, die gesetzlichen Vorgaben des Jugendschutzes einzuhalten und zu überlegen, ob sie mit Ihren Schutzvorstellungen konform gehen. Die Vollversion des Spiels ist bei uns ab 16 Jahren freigegeben. Insofern ist das Spiel für Ihren Sohn in der Tat bedenklich.

Sport statt "Glotze", aber wie?

Meine 15-jährige Tochter ist mehr und mehr auf Fernsehen fixiert. Nach den Hausaufgaben sucht sie Entspannung beim "Glotzen". Was ich zunächst noch als normal empfand, ufert mehr und mehr aus - mit für mich nicht nachvollziehbaren Sendungen (u. a. viele Comics). Sport wird außer Schwimmtraining einmal pro Woche nur widerwillig gemacht. Wie kann man sie von dieser Freizeitbeschäftigung weglocken?Hans L.

Antwort:

Es ist unwahrscheinlich, dass es sich wirklich um "Entspannung" handelt, wahrscheinlicher ist es die Suche nach Ablenkung. Besprechen Sie mit Ihrer Tochter, welche Form von Freizeitgestaltung sie sich - auch mit ihren Eltern - wünscht, und helfen Sie ihr, eine sinnvolle und abwechslungsreiche Form zu finden. Fernsehen darf darin natürlich auch vorkommen.

Mein Sohn wird ausgegrenzt, was soll ich tun?

Mein 14-jähriger Sohn wird von seinen Mitschülern (7. Klasse Realschule) ausgegrenzt: Alle haben bereits als Zehnjährige Filme gesehen, die erst ab 16 freigegeben sind, fast alle spielen stundenlang am Computer Ego-Shooter-Spiele, und wenn sie tatsächlich mal draußen spielen "müssen", dann wird mit Softair-Waffen aufeinander geschossen.

Mein Sohn spielt auch ganz gern am Computer, aber nie lange und nur Strategiespiele. Zudem ist er klein, dünn und sensibel, sodass seine Mitschüler ihn als "Mädchen" oder "schwul" bezeichnen, ihn schubsen und treten. Seine Zensuren sind binnen eines Jahres in sieben Fächern schlechter geworden, und in letzter Zeit isst er immer weniger. Ich habe immer versucht, meine Söhne stark zu machen. Aber ich befürchte, dass ich ihm keinen Gefallen damit getan habe, nicht zu erlauben, was für andere Jungs seines Alters heutzutage offenbar normal ist.Esther Ewert

Antwort:

Ermuntern Sie Ihren Sohn auch weiterhin, dass er so bleiben darf, wie er möchte. Allerdings scheint mir die Situation in der Klasse dringend nach einer professionellen Intervention von außen durch Schulpsychologe und Lehrer zu rufen. Derart erniedrigendes und anhaltendes Ausgrenzen darf nicht hingenommen werden!

Ab welchem Alter Alkohol?

Ab wann sollen oder dürfen Eltern es tolerieren, dass Jugendliche gelegentlich ein "Lemonbier" trinken? Ich beobachte diese Entwicklung bei 14-Jährigen mit Sorge. Halten Sie das für übertrieben?Elfriede Ebert

Antwort:

Nein, Ihre Sorge ist nicht übertrieben! Das Jugendschutzgesetz erlaubt alkoholische Getränke erst ab 16. Es liegt (auch) an uns Erwachsenen, welche Form von Konsum wir wann tolerieren. Da Alkohol derzeit sehr in Mode ist und sich Jugendliche nicht selten dadurch gefährden, sollten wir uns an den Jugendschutz halten.

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