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stern-Job-Ampel: Wo sind bloß die Frauen?

Literatur statt Lötkolben: Frauen sitzen in Germanistik-Vorlesungen, Männer studieren Maschinenbau. Blödes Klischee - aber leider wahr. Dabei bieten Technik-Studiengänge beste Perspektiven für Frauen.

Von Katharina Grimm

Sie ist eine seltene Spezies: Karin Makowski ist eine Frau - und studiert Maschinenbau an der RWTH Aachen. Die Hochschule ist für das Studium technischer Fächer bekannt. Und eine Männerdomäne. Rein statistisch ist Karin Makowski die eine Frau zwischen mindestens zehn Männern. Ob der Ton unter so vielen Kerlen ganz schön rau sei? "Wenn man sich für ein Maschinenbaustudium entscheidet, sollte man sich nicht über den Umgangston ärgern", sagt Makowski. "Aber ich würde mich jederzeit wieder für das Studium entscheiden."

Technik fand Karin Makowski schon immer spannend. "Als Absolventin eines Maschinenbaustudiums hat man später beste berufliche Aussichten", sagt sie. Das bestätigt auch die stern-Job-Ampel, eine Untersuchung des Bildungswissenschaftlers Michael Weegen: Wer jetzt Elektrotechnik, Informatik oder Bauingenieurswesen studiert hat gute Chancen auf Karriere. Es gibt weniger Absolventen als Erwerbstätige, die in Rente gehen und die Arbeitslosenquote ist niedrig. Und: Die Einstiegsgehälter liegen meist über dem Durchschnitt.

Tierarzt statt Technik

Trotz dieser glänzenden Aussichten bleiben die so genannten Mint-Fächer, zu denen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zählen, eine Bastion der Männer. "Unsere Zahlen zeigen: Frauen entscheiden sich leider immer noch viel zu regelmäßig für typische Frauenberufe - von Friseurin bis Tierarzthelferin", sagt Frank-Jürgen Weise Vorstandvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Daran konnten weder der jährliche Girls' Day noch staatlich geförderte Initiativen viel ändern. Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) lobt zwar die Bemühungen, Frauen technische Studiengänge schmackhaft zu machen. "Aber das reicht noch nicht, wir müssen noch gezielter Schülerinnen für ein solches Studium begeistern", sagt Wanka.

Obwohl in den letzten zwanzig Jahren die Mädchen die Jungen bei den Bildungsabschlüssen überholt haben, stieg die Zahl der Absolventinnen in den Ingenieurwissenschaften lediglich von 14 Prozent in 1995 auf gerade mal 22 Prozent in 2011. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, sieht die Frauen selbst in der Pflicht: "Für Frauen stehen die Tore der Hochschulen gerade in den Technikwissenschaften weit offen – hindurchgehen müssen sie selbst."

Doch Frauen setzen weiterhin auf die Geisteswissenschaften: Bis zu 80 Prozent der Germanistik-Studierenden sind weiblich. Doch für diese Fächer steht die stern-Job-Ampel auf Rot: Abgesehen von wenigen Nischen gelingt der Jobeinstieg nur schwer. Es werden jedes Jahr mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt geschwemmt als es Stellenangebote gibt - und die Zahl der Arbeitslosen unter 35 Jahren ist hoch.

Große Unsicherheit

Die heutige Studentengeneration steht unter Druck. In diesem Jahr drängen vermutlich rund 490.000 Erstsemester in die Hörsäle. Die Gründe für die hohe Zahl: Die Wehrpflicht ist weggefallen und zum Teil verlassen G-8 und G-9-Schüler parallel das Gymnasium. Dewegen werden die Plätze knapp, viele Abiturienten fürchten, dass sie keinen Studienplatz bekommen. Und selbst mit Studienabschluss ist der Berufseinstieg nicht sicher. Denn bei einigen Branchen stößt der Bachelor nach wie vor auf Skepsis, so mancher Personalchef wünscht sich den guten, alten Dipl.-Ing. zurück. Dabei suchen viele Firmen händeringend Nachwuchs, der Fachkräftemangel droht die Wirtschaft auszubremsen. Die Entscheidung lastet schwer auf den Abiturienten, die nach meist nur zwölf Schuljahren vor der Frage stehen: Was will ich studieren - oder besser: Was soll ich studieren?

Der Bildungswissenschaftler Michael Weegen kennt diese Unsicherheit der Studenten in spe: Seit 13 Jahren untersucht der Leiter des ISA, des Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt, an der Universität Duisburg-Essen die Jobchancen für den akademischen Nachwuchs. Gemeinsam mit dem stern hat er die Jobampel entwickelt – eine Prognose für die Berufsaussichten nach dem Studienabschluss. Die gute Nachricht: Unter Akademikern herrscht fast Vollbeschäftigung. 2011 lag die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent. Doch dies sei nur ein Mittelwert, so Weegen. "Die Aussichten für Bauingenieure und Soziologen sind beispielsweise überhaupt nicht vergleichbar", sagt er.

Transparente Darstellung

Die Job-Ampel macht diese Unterschiede transparent. Dafür setzt Weegen drei Kernbereiche in Relation zueinander: Absolventen, Erwerbstätige und Arbeitslose. Punkt eins: Wie viel Nachwuchs strömt auf den Arbeitsmarkt, gibt es viele Konkurrenten? Zweitens: Wie alt sind Arbeitnehmer in den verschiedenen Branchen? Gehen viele in Rente, werden Stellen frei? Und drittens: Wie viele haben keine Arbeitsstelle? Wie hoch ist der Anteil der Studienabsolventen ohne Jobs Dabei empfiehlt die Ampel keine Studiengänge oder rät von Fächern ab, sondern vermittelt umfassend Informationen, zeigt Vor- und Nachteile.