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Brief auf Twitter veröffentlicht "Wir danken Ihnen herzlich für Ihren Einsatz": Klinikum verschenkt Mundschutz an Personal

Eine Frau hält einen orangenen Mundschutz aus Baumwolle mit weißen Federn
Einen Mund-Nasen-Schutz aus Baumwolle will das Klinikum Stuttgart seinem Personal als Dank schenken (Symbolbild)
© Rike_ / Getty Images
Das Klinikum Stuttgart muss Kritik wegen eines auf Twitter veröffentlichten Briefs einstecken. Das Krankenhaus verschenkt Mund-Nasen-Schutze an das Personal als Dank für den Einsatz in der Corona-Pandemie.

Blanker Hohn oder nette Geste? Darüber diskutieren Twitter-User unter einem Brief des Klinikum Stuttgarts, der auf der Social-Media-Plattform gepostet wurde. "Wir danken Ihnen herzlich für Ihren Einsatz zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Als Geste des Dankes erhalten Sie von uns Mund-Nasen-Masken aus Baumwolle, die Sie gerne im Alltag verwenden können", heißt es in dem Brief an das eigene Krankenhauspersonal. Er ist auf den 26. Juni 2020 datiert, erst Anfang Juli wurde er auf Twitter veröffentlicht und seitdem hunderte Male kommentiert und geteilt. Der Veröffentlicher des Briefs schreibt dazu: "Wer geht mit auf den Balkon zum Klatschen?" – eine Anspielung auf den abendlichen Applaus für die Helfer der Coronakrise. Die gesellschaftliche Geste wurde auch kritisiert: Was bringt Applaus, wenn der Staat das Gesundheitssystem unterfinanziert?

Auch in den Twitter-Kommentaren lässt sich deutlich herauslesen, wie die Dankesgeste des Stuttgarter Krankenhauses ankommt. "Unverschämtheit", "peinlich", "zynisch" wird sie genannt. Unermüdlichen Einsatz mit einem Mund-Nasen-Schutz "vergüten"? Zumal die Maskenpflicht schon seit April gilt und somit jeder über Alltagsmasken verfügt. Wie hat das Klinikum die Geste gemeint und gibt es weitere Gratifikationen für das Krankenhauspersonal? Der stern hat beim Klinikum Stuttgart nachgefragt.  

"Die Masken waren nicht als Gratifikation, sondern als Dank gedacht"

Ein Pressesprecher bestätigte die Echtheit des Briefes. Er sagt in einer Stellungnahme, dass die Mund-Nasen-Masken nicht als Gratifikation, sondern als Ausdruck des Dankes gedacht seien. Sie sollten keine Alternative zu etwa monetären Prämien darstellen. Letzte Woche habe der Verwaltungsrat des Klinikums Stuttgart eine Covid-19-Prämie etwa für die Hälfte aller Mitarbeitenden des Klinikums Stuttgart beschlossen. "Voraussichtlich mit dem Juli-Gehalt erhalten über 3500 Kolleginnen und Kollegen bis zu 400 Euro", sagt er. Dabei erhalten Beschäftigte bis zu einer bestimmten Gehaltsgruppe die einmalige Zahlung von 400 Euro, Azubis 200 Euro. Den Bonus erhält das Personal der Pfleger und Funktionsdienste, medizinisch-technische Assistenten sowie Mitarbeiter in Technik, Reinigung, Lager und Logistik. Ausgenommen sind Ärzte und die Verwaltung. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, dass die Gesamtsumme der Bonuszahlungen auf 1,2 Millionen Euro geschätzt wird. 

Einen Tag Sonderurlaub als Geschenk der Stadt

In Stuttgart wird die Bonuszahlung nicht überall positiv aufgefasst. Denn das Personal anderer Krankenhäuser erhält die Extrazahlung nicht. Kliniken mit gemeinnützigen Trägern können die finanzielle Unterstützung zur Zeit nicht leisten. In Anbetracht dessen wirkt auch das Geschenk der Stadt Stuttgart an ihre Mitarbeiter wie ein Tropfen auf den heißen Stein: Es wird einen Tag Sonderurlaub geben, der bis Ende 2021 genommen werden darf. 

Quelle: "Stuttgarter Zeitung", Twitter


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