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Symptome, Diagnose, Behandlung: Lilly Becker hat Endometriose – das sollten Frauen über die Krankheit wissen

Endometriose ist zwar eine chronische, aber immerhin gutartige Erkrankung. Trotzdem kann sie betroffene Frauen stark belasten – und bleibt nicht immer folgenlos. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Lilly Becker (40) sprach bei stern TV über ihre Erkrankung, die Millionen Frauen betrifft: Endometriose

Lilly Becker (40) sprach bei stern TV über ihre Erkrankung, die Millionen Frauen betrifft: Endometriose

Bei ihr sei eigentlich immer "alles okay" gewesen, sagt Lilly Becker. Doch mit 36 Jahren habe sie plötzlich Schmerzen bekommen. Das niederländische Model und die Ehefrau von Tennisprofi Boris Becker leidet an einer Krankheit, von der Millionen Frauen betroffen sind - oft ohne es zu wissen: . Dabei handelt es sich um Ansiedlungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter.

Die versprenkelte Schleimhaut ruft in einigen Fällen überhaupt keine Symptome hervor. In anderen führt sie aber zu starken Unterleibsschmerzen und kann die Fruchtbarkeit mindern. Wie auch bei Lilly Becker: Sie wünsche sich eigentlich nichts sehnlicher als ein zweites Kind mit ihrem Ehemann, verriet sie gestern Abend bei stern TV. Doch bislang blieb dieser Wunsch unerfüllt - wahrscheinlich wegen ihrer .

Wie häufig tritt eine Endometriose auf, und bei welchen sollten Frauen einen Arzt aufsuchen? Welche Therapiemethoden gibt es, und an welche Stellen können sich Betroffene wenden? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer ist von Endometriose betroffen?

Ab Eintritt der Regelblutung bis zu den Wechseljahren, aber auch danach, können Frauen in jedem Lebensalter von der Krankheit betroffen sein. Nach Schätzungen leiden zwischen zehn bis 15 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter an Endometriose. Das sind in Deutschland etwa zwei bis sechs Millionen Frauen. Mehr als 30.000 Frauen erkranken jedes Jahr an Endometriose. Die genauen Ursachen, unter welchen Risiko- und Einflussfaktoren die Krankheit entsteht, sind noch ungeklärt.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Bei Endometriose handelt es sich um gutartiges Gewebewachstum, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), der sie entspringt, ähnelt. Das wuchernde Gewebe siedelt sich im Unterleib an den Eierstöcken, Eileitern, dem Darm, der Blase oder dem Bauchfell der Frau an, manchmal auch in anderen Organen. Bei vielen Frauen werden Wachstumsherde von den Hormonen, die der Körper im Zuge des Monatszyklus ausschüttet, beeinflusst. Dann können sie wachsen und auch bluten – und verursachen starke Schmerzen.

Da Endometriose eine sehr komplexe Erkrankung ist, können die Symptome und Folgen sehr vielfältig sein. Unter ihr kommt es oft auch zu Zysten, Verwachsungen und Narben im Gewebe. Die Erkrankung kann aber auch völlig beschwerdefrei verlaufen und gänzlich unentdeckt bleiben. Endometriose wird häufig erst sehr spät, manchmal erst nach Jahren erkannt. Durchschnittlich bekommen betroffene Frauen erst nach sechs Jahren eine richtige Diagnose.

Welche sind die häufigsten Symptome?

Die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. listet auf ihrer Homepage die häufigsten Symptome in Zusammenhang mit Endometriose. Wichtig dabei: Die Erkrankung kann, aber muss keine Beschwerden verursachen. Zudem können Symptome einzeln oder kombiniert auftreten und in ihrer Intensität variieren:

  • Bauch- und Rückenschmerzen, die oft auch in die Beine ausstrahlen, vor und während der Menstruation
  • Starke und unregelmäßige Monatsblutungen
  • Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen während des Eisprungs
  • Plötzliche Ohnmachtsanfälle im Zusammenhang mit Menstruationsschmerzen
  • Blasen- und Darmkrämpfe
  • Schmerzen bei Blasen- und Darmentleerung sowie bei Darmbewegungen
  • Zyklische Blutungen aus Blase oder Darm
  • Ungewollte Kinderlosigkeit

Zusätzlich zu diesen Symptomen können weitere allgemeine Beschwerden auftreten, die im ersten Moment nicht auf eine Endometriose hinweisen: Betroffene Frauen sind müde oder erschöpft, sie leiden vermehrt unter Allergien oder Autoimmunerkrankungen und neigen zu Infekten während der Menstruation. Der Krankheitsverlauf ist von Fall zu Fall verschieden. Dabei stehen die Beschwerden nicht immer im direkten Verhältnis zum Grad der Ausbreitung der Endometriose.

Wie wird eine Diagnose gestellt?

Wenn bei Ihnen derartige Symptome – insbesondere kombiniert auftreten – sollten Sie Ihren Arzt gezielt auf Endometriose ansprechen und ggf. eine zweite Meinung einholen. Beobachten Sie genau, wann und in welcher Situation Sie Schmerzen haben und ob es einen zeitlichen Zusammenhang zum Zyklus gibt – das erleichtert die Diagnosefindung. Am besten führen Sie ein Schmerz- und Symptomtagebuch parallel zu Ihrem Monatszyklus. Eine Ultraschall- und eingehende Unterleibsuntersuchung sollte erfolgen. Auch die Gebärmutter sollte dabei abgetastet werden, was unangenehm werden kann.

"Die einzig sichere Möglichkeit eine Diagnose zu stellen, ist leider ein operativer Eingriff", heißt es auf der Seite der Endometriose-Vereinigung. Bei einer Bauchspiegelung (Laparaskopie) kann der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen und untersuchen. Bei einer Bauchspiegelung stellt er Lage, Schweregrad und Wachstumstyp der Endometrioseherde und Zysten fest. Bestätigt sich die Diagnose Endometriose, kann der Mediziner womöglich schon erste Herde entfernen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Verschiedene Behandlungen helfen, die Symptome und Schmerzen vorübergehend oder dauerhaft zu lindern. Eine Therapie mit Schmerzmitteln, hormonellen Verhütungsmitteln oder auch eine Hormontherapie sind denkbar. Hormone hindern die Schleimhaut am Aufbau. Sie kann deshalb auch nicht am Ende des Monats abgeblutet werden. Eine Hormontherapie beeinflusst allerdings auch die normale Gebärmutterschleimhaut, weshalb es zu einem Versiegen der Menstruation kommt.

Eine weitere Art der Hormontherapie ist die Einnahme von GnRH Analoga (GnRH = Gonadotropin- releasing Hormon). Das synthetische Hormon führt im Körper eine Situation wie in den Wechseljahren herbei. Allerdings treten dabei auch alle typischen Wechseljahresbeschwerden auf: Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Osteoporose. GnRH sollten deshalb nur kurzzeitig in enger Absprache mit dem Arzt eingenommen werden und ihre Anwendung gründlich abgewogen werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation, bei der die Schleimhaut-Herde beseitigt werden. Die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff treffen Frauen am besten in enger Absprache mit ihrem Frauenarzt. Im Zweifelsfall sollten sich Betroffene noch eine Zweitmeinung einholen.

Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie können auch komplementärmedizinische Ansätze sinnvoll sein. Positive Erfahrungen gibt es zum Beispiel mit Akupunktur, Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) oder Pflanzenheilkunde.

Was sind mögliche Folgen?

In schweren Fällen und bei einem weitreichenden Befall anderer Organe können Operationen erforderlich sein, bei denen das geschädigte Gewebe entfernt werden muss. Die Organe können dann in ihrer Funktion beeinträchtigt sein.

Wiederkehrende Unterleibsschmerzen können außerdem eine große psychische Belastung darstellen: Müdigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen sind mögliche Folgen. Wer beim Geschlechtsverkehr Schmerzen verspürt, kann unter Umständen keiner lustvollen Sexualität nachgehen. Eine ausgeprägte Endometriose ist außerdem eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit.

Wie groß sind die Heilungschancen?

Obwohl eine Endometriose gut behandelbar ist - eine Möglichkeit der vollständigen Heilung gibt es derzeit nicht. Eine gute ärztliche Betreuung und Therapie verhilft vielen Frauen allerdings zu einem weitgehend normalen Leben. Wichtig ist dabei auch die Unterstützung und das Verständnis von Familie, Partner oder Freunden. Wer will, kann sich mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe austauschen. Hier finden Frauen mögliche Ansprechpartner in ihrer Nähe.

Quellen: Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V., gesundheitsinformation.de


Marijke Santjer/stern TV/ Ilona Kriesl/stern

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