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Lüftungssystem der Uniklinik Hannover: Interner Schriftverkehr belegt gravierende Mängel

Die Medizinische Hochschule Hannover widerspricht öffentlich einem stern-Bericht über marode Lüftungsanlagen in zwei Gebäuden. Klinikintern hat man viele Mängel jedoch längst erkannt.

Von Nicole Heißmann

Interner Schriftverkehr sowie Prüfberichte von externen Sachverständigen belegen über Jahre immer wieder Mängel an den raumlufttechnischen Anlagen der Medizinischen Hochschule Hannover.

Interner Schriftverkehr sowie Prüfberichte von externen Sachverständigen belegen über Jahre immer wieder Mängel an den raumlufttechnischen Anlagen der Medizinischen Hochschule Hannover.

Am Ende soll es an den Schuhen der Journalisten gelegen haben. Nach der am Mittwoch abgehaltenen Pressekonferenz der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zu sanierungsbedürftigen Lüftungen in zwei Gebäuden wollten die zahlreich anwesenden Reporter gern einen Blick in diese Anlagen werfen. Doch Uwe Richter, Leiter des MHH-Geschäftsbereichs Technik/Gebäude, lehnte ab – mit Verweis auf die fehlende Schutzkleidung der Reporter: "Sie haben weder Arbeitssicherheitsschuhe noch ähnliche Dinge." Unter anderem angesichts der "sehr engen Verhältnisse" in der Lüftung wollte er kein Risiko eingehen: "Sie da durchzuführen, jetzt mal so eben, das kann ich nicht verantworten."

Einberufen wurde die MHH-Pressekonferenz, weil der stern in dieser Woche über Mängel an den OP-Lüftungen in zwei Gebäuden berichtet. Dabei geht es um einen Raum für Hals-Nasen-Ohren-Eingriffe im Gebäude K2 sowie um sechs OP-Säle in Gebäude K5, Block III. Dort werden unter anderem unfallchirurgische Operationen durchgeführt.

Veraltete Anlagen, Staub, rostige Rohre

Dem stern liegen zahlreiche Fotos aus den Eingeweiden der Lüftung vor. Sie zeigen veraltete Anlagen, Staub, rostige Rohre und Kalk am oder im Lüftungssystem mehrerer Gebäude. MHH-interner Schriftverkehr sowie Prüfberichte von externen Sachverständigen belegen über Jahre immer wieder Mängel an den raumlufttechnischen Anlagen.

Doch auf ihrer Pressekonferenz wiegelten die MHH-Verantwortlichen ab: Zwar räumte man ein, dass ein Teil der Lüftungsanlagen schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat und bald erneuert werden muss. Gebäudemanager Richter sagte: "Die Anlagen sind 40 Jahre alt. Ich, der das Betreiben zu verantworten hat, freue mich, dass die Sanierung ansteht, weil der Wartungsaufwand natürlich immer höher wird." Aber einen akuten Missstand könne er "beim besten Willen" nicht erkennen. Es sei zudem nie vorgekommen, dass Lüftungsanlagen wegen technischer Mängel hätten stillgelegt werden müssen.

MHH-Verantwortliche wiegeln ab

MHH-Präsident Christopher Baum betonte, die Hochschule habe "bezüglich der Wartung der Anlagen den bestmöglichen Standard umgesetzt." Für die Bereiche mit älteren Raumluftanlagen habe man außerdem schon Bauanmeldeplanungen laufen. Alte Lüftungen im Gebäude K2 sollen demnach im Laufe des Jahres 2014 erneuert werden, die im Gebäude K5 im Jahr 2015.

Als stellvertretender ärztlicher Direktor der MHH sagte der Chirurg Benno Ure, dass im Präsidium der Hochschule die Sicherheit des Patienten im sensiblen OP-Bereich besondere Priorität habe. Außerdem entsprächen die hauseigenen Infektionszahlen denen anderer Universitätskliniken. "Wir sind sogar im oberen Bereich", sagte Ure und stellte klar, dass sich das auf eher niedrige Infektionszahlen beziehe. "Von daher haben wir keinen Hinweis darauf, dass etwas nicht richtig läuft."

Deutliche Worte

Hinweise, "dass etwas nicht richtig läuft", gab es allerdings längst von anderer Seite, denn hausintern wird an der Hochschule ganz anders kommuniziert. Besonders eindrucksvoll dargelegt werden etwa die Missstände in Gebäude K5 in einem MHH-Schreiben vom 16. Oktober 2013.

Dort heißt es wörtlich: "Der Zustand des nun zu sanierenden Block III hat sich in den letzten 2-3 Jahren hinsichtlich der hygienischen und der zum großen Teil nicht mehr verfügbaren Ersatzteile der technischen Anlagen rapide verschlechtert." Im Rahmen der Betreiberverantwortung könnten "die geltenden gesetzlichen Forderungen sowie die notwendigen hygienischen und technischen Betriebsparameter nicht mehr sichergestellt werden." Und weiter: "Ein störungsfreier Betrieb ist kaum noch möglich und längere Ausfallzeiten können nicht ausgeschlossen werden. Die derzeitige Patientenversorgung in diesem Block ist mit erheblich gestiegenen Risiken verbunden."

Das Schreiben ist nicht das erste Schriftstück dieser Art. Es trägt den interessanten Vermerk "Schreiben vom 25. September 2012 mit Aktualisierungen vom 16. Oktober 2013".

Um welche Missstände es geht, wird auf mehreren Seiten ausführlich erklärt. Die Liste liest sich wie ein Brandbrief: Zu den raumlufttechnischen Anlagen – Baujahr 1978 – heißt es da, sie seien "in marodem und desolatem Zustand". Eine Wartung sei "nur noch eingeschränkt" möglich. Auch die Sauberkeit der Luftleitungen zu den OPs scheint Probleme zu bereiten, denn "Reinigungsarbeiten können nicht vollumfänglich durchgeführt werden."

Angesichts solcher Mängel kommt gerade den Filtern im Lüftungssystem besondere Bedeutung zu. Dazu macht zum Beispiel die Richtlinie des Vereins deutscher Ingenieure (VDI) mit der Nr. 6022 klare Vorgaben: Die Außenluft muss in zentralen Lüftungsanlagen mit Feinstaubfiltern gereinigt werden, gröbere Filter sind nicht zulässig. Für besonders sensible Bereiche wie OP-Räume ist nach der DIN-Norm 1946/4 sogar eine dreistufige Filterung vorgesehen: In OP-Lüftungen müssen zuerst zwei Stufen Feinstaubfilter die angesaugte Außenluft vorreinigen. So werden zum Beispiel schon einmal Pilzsporen und diejenigen Bakterien ausgekämmt, die an größeren Staubpartikeln haften. Ergänzt werden diese beiden Filter dann noch um einen besonders leistungsfähigen Schwebstofffilter direkt vorm OP-Raum, der die letzten und feinsten Partikel aus der Luft fischen soll. Frei schwebende Mikroorganismen etwa.

Offenbar bekannte Risiken

In Hannover scheint man jedoch bisher auf einen Teil der Feinstaub-Vorfilter einfach zu verzichten. Im MHH-Dokument vom 16. Oktober 2013 heißt es zu Gebäude K5, Block III: "Die einzelnen Gerätekomponenten wie Kühlregister, Jalousien-Klappen, Ventilator bzw. Filterrahmen sind veraltet und desolat. Die gemäß VDI 6022 vorgesehene Filterklasse F7, zurzeit G4, kann nicht eingebaut werden." Im Klartext: F7 steht für den geforderten Feinstaubfilter. Tatsächlich scheinen sich aber demnach G4-Grobstaubfilter im System zu befinden.

Laut internem Schriftverkehr verlässt man sich in Gebäude K5 weitgehend auf die letzte Stufe Hochleistungsfilter vorm OP: "So lange die endständigen Filter nicht durchschlagen ist der OP Betrieb gesichert." Doch auch die Risiken dieser Abwartehaltung sind bei der MHH schriftlich festgehalten: "Bei Durchschlagen dieser Filter wäre das Ausmaß an hygienischer Verunreinigung aufgrund der beschriebenen desolaten Anlageteile ggf. entsprechend desaströs."

Um die offenbar bekannten Risiken zu mindern, wurden die letzten OP-Filter öfter überprüft und die OP-Luft immer mal wieder kontrolliert. Bisher – laut MHH-internem Hygienelabor – ohne auffällige Ergebnisse. Was angesichts der beschriebenen Verkettung von Versäumnissen ein wenig überrascht. Ebenso wie die Tatsache, dass man die OPs angesichts der hausintern eingeräumten "erheblich gestiegenen Risiken" für die Patienten nicht sofort stilllegte und sanierte, sondern erst einmal Luft und Anlagen engmaschiger überwachte.

Probleme im Sanitär- und Abwassersystem

Neben den Lüftungs-Mängeln wird übrigens hochschulintern auch schriftlich über Probleme im Sanitär- und Abwassersystem rund um den OP-Bereich in Gebäude K5, Block III geklagt. Zitat: "In den OP-Bereichen befinden sich unzulässige Bodenabläufe. Im Bereich der Waschräume kommt es regelmäßig zu Rückstaus. Die notwendigen Hygieneanforderungen werden nicht erfüllt und es liegt permanent Verkeimungsgefährdung vor." Abgerundet wird die Palette noch durch den knappen Hinweis, der Brandschutz in besagtem Block entspreche "nicht mehr den heutigen technischen Vorschriften."

Man mag den Klinik-Verantwortlichen vielleicht glauben, dass in den letzten Jahren noch niemand nachweislich durch die Gebäudetechnik zu Schaden kam. Es scheint sich dabei aber zumindest in Teilen schlicht um Glück gehandelt zu haben.

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