HOME

Medizin: Nur 14 Prozent haben einen Organspendeausweis

Für viele ist es die letzte Hoffnung. Mehr als 11.500 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ - mancher jedoch vergeblich.

Für viele ist es die letzte Hoffnung. Mehr als 11.500 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ - mancher jedoch vergeblich. Denn obwohl 80 Prozent der Deutschen Organtransplantationen für eine gute Sache halten, "haben nur 14 Prozent einen Organspendeausweis", sagt Claudia Hagel von der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Im vergangenen Jahr stellten in Deutschland lediglich 1.029 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe zur Verfügung, 3162 Organe wurden transplantiert. Damit jeder der wartenden Patienten ein Organ bekommen und die Zahl der Patienten auf den Wartelisten abgebaut werden könnte, müssten pro Jahr jedoch mehr als 5000 Organe zur Verfügung stehen: Rund 3500 Nieren, 1100 Lebern, 900 Herzen sowie jeweils rund 400 Lungen und Pankreas.

"Über 9000 Menschen warten in Deutschland auf eine Niere", betont Hagel. Und da immer mehr Patienten zur Dialyse gehen müssen, steigt die Warteliste für die Nierentransplantation seit Jahren kontinuierlich an. Doch auch anderen Organe wie Lebern, Herzen, Nieren und Bauspeicheldrüsen werden dringend benötigt. Während Nierenkranken mit Hilfe ausgefeilter Dialyseverfahren mittlerweile länger überleben können, kommt für andere Transplantationspatienten häufig jede Hilfe zu spät: Sie müssen wegen ihres schlechten Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden oder sterben, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ bekommen.

"Was zählt ist, dass man überhaupt eine Entscheidung trifft"

Da den Angehörigen in ihrer Trauer die Entscheidung oft schwer fällt, Organe zur Transplantation freizugeben, sollten Spendenwillige möglichst einen Organspendeausweis bei sich tragen und auch die engsten Angehörigen über ihren Wunsch informieren, rät Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln: "Was zählt ist, dass man überhaupt eine Entscheidung trifft." Denn anders als in einigen anderen europäischen Staaten wie beispielsweise Österreich, Spanien und Portugal, müssen in Deutschland die Betroffenen oder ihre engsten Angehörigen einer Organspende explizit zustimmen. Und direkt nach dem Tod eines Angehörigen beantworten rund 40 Prozent die Anfrage nach Organ negativ.

"Spenden darf grundsätzlich jeder", betont Hagel. "Altersmäßig ist nach oben keine Grenze gesetzt." Entscheidend sei der Zustand der Organe. Lediglich bei Viruserkrankungen wie einer HIV-Infektion, akuten Krebserkrankungen und schweren Entzündungen sind Transplantationen ausgeschlossen.

Über die Vergabe, die von der Organisation Eurotransplant koordiniert wird, wird nach Gesichtspunkten wie Gewebe- und Bluteigenschaften, Wartezeit, Zustand des Patienten und zu erwartende Transportdauer entschieden. Eine Organspende zu Lebzeiten ist in Deutschland nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, unter Ehepartnern, Verlobten und unter sich persönlich sehr nahe stehenden Menschen möglich.

Häufigste Angst: bei der Organentnahme noch nicht völlig tot zu sein

Doch obwohl sowohl evangelische als auch katholische Kirche Organspenden grundsätzlich begrüßen, haben viele Menschen noch immer ein mulmiges Gefühl, wenn es darum geht Organe zu spenden. Neben religiösen Vorschriften, Körper nur unversehrt zu bestatten, sei die häufigste Angst die, "bei der Organentnahme noch nicht völlig tot zu sein", sagt Hagel. Die Angst, dass Ärzte potenzielle Organspender eher aufgeben könnten als andere Patienten, sei allerdings völlig unbegründet, da der Hirntod von zwei unabhängigen externen Ärzten festgestellt werden müsse, die mit der Organspende nichts zu tun haben.

Grundsätzlich seien Krankenhäuser zwar verpflichtet, potenzielle Organspender zu melden, betont Hagel. "Weniger als die Hälfte der Kliniken kommen dieser Verpflichtung aber nach." Die Mitarbeiter in den Intensivstationen seien häufig einfach überlastet. Auch Eurotransplant-Direktor Bernhard Cohen sieht im Bereich der Kliniken, "das größte Problem". Häufig scheitere die möglicherweise lebensrettende Spende "aber auch einfach an der mangelnden Aufklärung", betont Hagel. Organspendeausweise sind bei der deutschen Stiftung Organtransplantation erhältlich und können in Internet unter http://www.dso.de oder beim kostenfreien Infotelefon unter 0800-9040400 angefordert werden.

Mirjam Söchtig

Wissenscommunity