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Schwerer Fall von PMDD: Periode treibt Frau in den Wahnsinn, sie lässt sich Gebärmutter herausnehmen

Jahrelang leidet eine junge Britin unter schweren psychischen Problemen. Doch nichts scheint ihr nachhaltig zu helfen. Bis die Ärzte ihre Symptome mit ihrer Periode in Verbindung bringen - und sie sich letztlich zu einem drastischen Schritt entschließt.

Schmerzen rund um die Periode sind für viele Frauen normal (Symbolbild)

Schmerzen rund um die Periode sind für viele Frauen normal, doch was einer jungen Britin widerfahren ist, geht weit darüber hinaus (Symbolbild)

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Lucie war ein entspanntes, glückliches und sorgenfreies Kind - bis kurz nach ihrem 13. Geburtstag. Mit dem Einsetzen ihrer Periode begann für die junge Britin ein Alptraum, der ihr bis ins Erwachsenenalter hinein das Leben zur Hölle machen sollte. Über ihr Schicksal hat sie mit der BBC gesprochen. Jahrelang habe sie nach Hilfe gesucht, wurde in psychiatrische Kliniken eingewiesen, sei zwischenzeitlich sogar selbstmordgefährdet gewesen, berichtet die heute 29-Jährige. Erst ein operativer Eingriff 2016 habe sie von ihrem Leiden endgültig befreit.

Als Teenagerin bekam sie die ersten Symptome, berichtet Lucie. In den Tagen rund um ihre Periode sei sie zu einem anderen Menschen geworden. Sie habe sich schwer wie Blei gefühlt, sei extrem launisch gewesen, habe sich selbst verletzt. Die Ärzte diagnostizieren ihr als Teenager schwere Depressionen und eine Angst- und Panikstörung. "Es war auch oft von bipolarer Störung die Rede", berichtet Lucie. Doch die Diagnose schien nicht dazu zu passen, dass ihre Symptome immer nur zu bestimmten Zeiten des Monats ausbrachen. Über viele Jahre hinweg sei sie mit verschiedenen Anti-Depressiva, Beruhigungsmitteln und Schlaftabeletten in immer höheren Dosen behandelt worden, doch nichts habe nachhaltig geholfen.

Durch Schwangerschaft verschwinden Symptome

Im Alter von 16 Jahren sei sie dann schwanger geworden und habe sich schlagartig besser gefühlt. Ihre psychischen Probleme seien wie weggewischt gewesen. "Ich war auf einmal glücklich und mental stabil, was mich sehr überrascht hat." Doch als ihre Periode nach Schwangerschaft und Stillzeit zurückkam, seien auch die Probleme wiedergekommen. Die ständigen Schmerzen haben schwerwiegende Folgen: Mit 14 Jahren verlässt sie die Schule und wird in eine psychiatrische Klinik gesteckt und auch an der Universität habe sie nach der Schwangerschaft wegen ihrer Symptome nicht den gewünschten Abschluss geschafft.

Mit 23 Jahren sei sie dann zum zweiten Mal schwanger geworden - und erneut seien ihre Symptome von einem auf den anderen Tag verschwunden. Die extreme Müdigkeit, die Muskelschmerzen, die Hypersensibilität gegenüber Geräuschen und Gerüchen, die Vergesslichkeit, die irrationalen Gedanken, das aufbrausende Verhalten - alles löste sich mit der Schwangerschaft erneut für Monate in Luft auf, berichtet Lucie.

Als ihr Krankheitsbild wieder ausbrach, habe sie erstmals Ärzte auf eine mögliche Verbindung zwischen ihrer Periode und ihrer Krankheit angesprochen. Die hätten ihr aber zunächst gesagt, sie leide an post-natalen Depressionen. "Ich sagte zu ihnen, dass ich nicht depressiv sei, dass es etwas anderes sein muss. Es fühlte sich an, als würde ich meinen Verstand verlieren." Nach weiteren Untersuchungen habe sie endlich einen Namen für ihr Leid erhalten: PMDD, Premenstrual dysphoric disorder - eine besonders schwere Form des Prämenstrualen Syndroms (PMS). Daran erkrankte Frauen erleben Nebenwirkungen ihrer Periode, die ihnen den Alltag oft unmöglich machen: extreme Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit, Depressionen und hysterische Anfälle.

Mit der Diagnose kam erstmals echte Besserung

Nachdem die Ärzte wussten, was sie hat, hätten sie ihr erstmals wirklich helfen können. Lucie habe kurz darauf Hormonspritzen bekommen, die sie in eine künstliche, vorübergehende Menopause versetzt hätten. Tatsächlich seien ihre Symptome davon verschwunden. "Auf einen Schlag hat sich alles verändert. Ich hatte gar nicht begriffen, wie schlecht es mir wirklich ging, bis die Symptome wegwaren."


Die Behandlung habe allerdings einen Haken gehabt. Durch die Unterdrückung der weiblichen Hormone habe sich ihre Knochendichte verschlechtert, sie habe nun auch deswegen behandelt werden müssen. Doch diese Behandlung habe ihr körperlich schwer zugesetzt, weswegen sie sich letztlich gemeinsam mit ihrem Mann, der sie stets unterstützt habe, zu einem drastischen Schritt entschloss: Mit 28 Jahren ließ sie sich die gesunde Gebärmutter entfernen.

Bis zum Tag der OP habe sie mit dem Gedanken gekämpft, keine weiteren eigenen Kinder mehr bekommen zu können. Mit ihrem Mann habe sie aber eine Liste erstellt von all ihren Symptomen, die sie in den Jahren durchmachen musste und sei auf 42 gekommen. "Als ich mir diese Liste anschaute, war mir klar, dass ich es nicht überleben würde, all das wieder durchmachen zu müssen", sagt Lucie. Nun habe sie ja gewusst, wie ein normales Familienleben aussehe. Also habe sie sich zum Eingriff entschlossen.

"So fühlen sich alle anderen die ganze Zeit?"

In dem Jahr seitdem gehe es ihr nun viel besser. Abgesehen von gelegentlicher Migräne fühle sie sich sehr wohl und habe vor allem viel erreicht. Sie habe ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeite nun als Assistenz-Lehrerin, hat den Job, den sie immer gewollt habe.

Rückblickend hätte sie sich gewünscht, dass die Ärzte früher herausgefunden hätten, was mit ihr nicht stimmte. Besonders nach ihrer zweiten Schwangerschaft, als die Symptome am schlimmsten gewesen seien, hätte man sie ernster nehmen müssen, findet Lucie. Aber nun sei sie nur noch froh, dass ihr Albtraum endlich vorbei sei und sie ein normales Familienleben führen könne. "So fühlt es sich für alle anderen die ganze Zeit an? Die wissen nicht, wie viel Glück sie haben."

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