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Gesundheit Unser Inneres wird von Bakterien, Pilzen und Viren bevölkert: Was wir über Mikroben im Mund wissen

Mikroben und Pilze können eine Art Wohngemeinschaft in unserem Mund gründen. Sie verbünden sich und greifen unsere Zähne an. Eine gute Mundhygiene, regelmäßige Checks, sowie die Vermeidung von Zucker sind deshalb ratsam
Mikroben und Pilze können eine Art Wohngemeinschaft in unserem Mund gründen. Sie verbünden sich und greifen unsere Zähne an. Eine gute Mundhygiene, regelmäßige Checks, sowie die Vermeidung von Zucker sind deshalb ratsam
© STRELCIUC
Unser Inneres wird von Bakterien, Pilzen und Viren bevölkert. Einige besonders hartnäckige können Schaden anrichten.

Es ist eine vielfältige Gemeinschaft, die unseren Mund bewohnt: Rund 250 Arten von Mikroben beherbergt jeder Mensch im Raum zwischen Lippen und Rachen, insgesamt kennen Forscher etwa 700 Arten. Von Mensch zu Mensch variiert diese Lebensgemeinschaft, das sogenannte Mikrobiom, wie ein Fingerabdruck. Ihre Zusammensetzung hängt unter anderem davon ab, was wir essen, wie gut wir Zähne und Zunge reinigen und mit wem wir Mikroben austauschen. Bei Partnern, die sich regelmäßig küssen, nähern sich die Mikrobiome aneinander an. Kinder bekommen einen Teil ihrer mikrobiellen Lebensgemeinschaft schon bei der Geburt mit auf den Weg.

Manche Mikroben begleiten uns ein Leben lang, andere sind nur auf Stippvisite da, etwa wenn wir erkältet sind. Viele der Mundbewohner leben in friedlicher Koexistenz mit uns, einige andere richten dauerhafte Schäden an. Etwa das Bakterium Streptococcus mutans und der Hefepilz Candida albicans. Beide sind maßgeblich daran beteiligt, dass unsere Zähne zu Bruch gehen. Denn wenn sie mit Zucker gefüttert werden, geben sie Säuren ab, die den Zahnschmelz zerstören und Karies verursachen.

Mikroben-WG in unseren Mündern

Manchmal verbünden sich die Mikroben sogar gegen uns. Forscher der University of Pennsylvania haben im Speichel von Kindern mit starkem Kariesbefall entdeckt, dass Bakterien und Pilze offenbar eine Art Wohngemeinschaft bilden. Sie greifen die Zähne nicht nur jeder für sich an, sondern agieren gemeinsam, als – wie die Forscher sagen – Superorganismus. Die unbeweglichen Bakterien docken auf der Oberfläche der Pilze an und reisen wie Anhalter mit, wenn die Pilze wachsen. Dadurch erreichen die Bakterien neue Refugien und machen sich dann dort breit.

Verbund aus Bakterien und Hefepilzen
Verbund aus Bakterien und Hefepilzen
© Penn Dental Medicine

Der Superorganismus hat weitere Eigenschaften, die Bakterien und Pilzen das Leben erleichtern: Im Doppelpack vermehren sie sich rascher als jeder für sich. Sie bilden einen stabilen Biofilm, der sich nur schwer wegschrubben lässt. Sie sind resistent gegenüber Antibiotika. Ließe sich diese Mikroben-WG auflösen, könnte das möglicherweise Karies verhindern, vermuten Forscher. Ob und wie das gelingt, wissen sie bislang nicht.

Trotz schädlicher Mikroben-Gemeinschaften ist die Lage in deutschen Mündern recht gut. Laut der jüngsten Deutschen Mundgesundheitsstudie von 2014 haben 81 Prozent der zwölfjährigen Kinder ein kariesfreies Gebiss, im Jahr 1997 waren es nur 42 Prozent. Auch unter jungen Erwachsenen hatte sich die Zahngesundheit im selben Zeitraum merklich gebessert. In den Gebissen der 35-bis 44-Jährigen gab es 2014 durchschnittlich elf Zähne mit Löchern, ein deutlicher Rückgang. Auch bei Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis gab es Fortschritte. Hatten 2005 noch 71 Prozent der jungen Erwachsenen Probleme damit, waren es 2014 noch 52 Prozent. 

Erschienen in stern 43/2022

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