Notfallmedizin Kalter Tiefschlaf soll vorm Verbluten retten

Amerikanische Forscher haben an Schweinen eine neue Methode für die Behandlung stark blutender Wunden getestet. Könnte ein Kälteschlaf bei zehn Grad Celsius Körpertemperatur auch Menschenleben retten?

Amerikanische Notfallmediziner wollen verletzte Menschen auf zehn Grad Celsius abkühlen und sie so für ein bis zwei Stunden in einen Tiefschlaf ohne Herzschlag und merkliche Gehirnaktivität versetzen. Damit könnte wertvolle Zeit für die Behandlung schwerer Wunden gewonnen werden. Die Forscher um Hasan Alam vom Massachusetts General Hospital in Boston konnten mit ihrem Verfahren bereits Schweine in einen totenähnlichen Zustand versetzen und nach neunzig Minuten wieder zurück ins Leben holen, meldet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Bei Herzoperationen ist eine Absenkung der Körpertemperatur längst Standard: So wird beispielsweise bei Bypassoperationen am stillgelegten Herzen der Körper des Operierten für maximal etwa eine halbe Stunde auf Temperaturen von achtzehn Grad Celsius abgekühlt.

Alams Verfahren soll hingegen Körpertemperaturen von zehn Grad Celsius ermöglichen. Da eine Senkung der Körpertemperatur um zehn Grad die Stoffwechselraten in den Zellen halbiert, könnte dieser Schritt deutlich längere Operationszeiten ermöglichen. Der Grund: Ist die Stoffwechselrate in den Zellen geringer, sinkt deren Abhängigkeit von dem durch das Blut herantransportierten Sauerstoff stark ab. Auch produzieren die Zellen dann weniger aggressive freie Radikale, die das Gewebe schädigen.

Tests bisher nur bei Tieren

In seinen Tests mit Schweinen setzt Alam die Tiere zunächst unter Narkose und ersetzt nach und nach das Blut der Tiere durch eine spezielle Nährlösung, wie sie ähnlich auch zum Aufbewahren von Spenderorganen verwendet wird. Diese Lösung ist nur etwa zwei Grad Celsius kalt, was innerhalb von zwanzig Minuten die Körpertemperatur der Tiere auf zehn Grad absinken lässt.

In diesem Zustand, in dem das Herz aufhört zu schlagen und auch keine Gehirnaktivität zu bemerken ist, kann der Mediziner die Schweine etwa neunzig Minuten lang halten. Während dieser Zeit könnten beispielsweise bei Verletzten schwere Schäden an den Blutgefäßen repariert werden, die ansonsten unweigerlich zum Verbluten führen würden.

Bald erste Tests am Menschen?

Um die Versuchstiere wieder zurück ins Leben zu holen, erwärmt Alam das aufgefangene Blut und ersetzt damit nach und nach die Nährlösung, bis das Herz wieder anfängt zu schlagen und die Schweine nach einiger Zeit wieder zu Bewusstsein kommen.

Auch wenn das Verfahren bei den Tieren in mehr als neun von zehn Fällen funktioniert: Am Menschen konnte Alam seine Technik noch nicht ausprobieren, da Notfallpatienten, die dafür in Frage kommen könnten, in der Regel bewusstlos sind und nicht nach ihrer Zustimmung gefragt werden können. Nun will sich der Mediziner von möglichst vielen der von seinem Krankenhaus betreuten Patienten vorsorglich die Zustimmung für einen solchen Test holen.

DDP DDP

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