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Gehaltsdebatte Von Krankenhaus bis Altenheim – so viel verdienen Pflegekräfte in Deutschland

Gehalt Pflege: Eine Pflegekraft mit Mundschutz
Was verdienen Pflegefachkräfte?
© FG Trade / Getty Images
4000 Euro Gehalt für Pflegekräfte – dafür spricht sich unter anderem der Deutsche Pflegerat aus. Doch was verdienen Pflegekräfte in Deutschland eigentlich? Ein Blick in die Zahlen zeigt: Es gibt große Gehaltsunterschiede.

Pflege gilt als Knochenjob. Beschäftigte arbeiten oft im Schichtdienst, an Wochenenden und Feiertagen. Die Belastung ist groß, körperlich wie psychisch. Der fordernden Arbeit steht in der Regel – je nach Tätigkeit und Ausbildung – ein mittleres bis unterdurchschnittliches Gehalt gegenüber. Knapp 65 Prozent der Krankenpflegefachkräfte geben laut Hans-Böckler-Stiftung an, sich nicht fair bezahlt zu fühlen. Damit liegt diese Berufsgruppe deutlich über dem Durchschnitt aller übrigen Beschäftigten in Deutschland (48,6 Prozent).

Mehr Geld für Pflegekräfte wird seit langem gefordert, nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Eine faire Bezahlung gilt als wichtiger Hebel, um dem Pflegenotstand zu begegnen. Der Handlungsbedarf ist groß. Allein in den Heimen fehlen derzeit rund 120.000 Pflegekräfte, in den Kliniken je nach Schätzung mindestens 50.000. Eine leistungsgerechte Vergütung könnte die Pflege für Berufseinsteiger interessanter machen und ausgebildete Kräfte in dem Bereich halten, so die Hoffnung.

Wie viel Gehalt ist angebracht? 4000 Euro Einstiegsgehalt für Pflegefachkräfte sollten es sein, fordert etwa der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner. "Das wäre eine angemessene Entlohnung. Damit wäre der Pflegeberuf konkurrenzfähig mit anderen Berufsgruppen", sagte er kürzlich im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse". Neu ist diese Forderung nicht, auch die Pflegekammer Niedersachsen unterstützt sie unter anderem. In einer Mitteilung von Januar 2020 heißt es dort: "Die Pflegekammer fordert langfristig ein Bruttogehalt von mindestens 4000 Euro im Monat für alle Pflegefachpersonen in Vollzeit – egal in welchem Bereich sie tätig sind."

Altenpflege hat das Nachsehen

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Forderung für viele Beschäftigte in der Pflege weit von der Realität entfernt ist. Das Nachsehen haben derzeit vor allem Beschäftigte in der Altenpflege. "58 Prozent der Altenpflegehilfskräfte liegen mit ihren Verdiensten unterhalb der OECD-Niedriglohnschwelle", heißt es in einem Bericht des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule. Hilfskräfte in der Altenpflege verdienen im Mittel 2085 Euro brutto (Gehalt im Jahr 2020), wenn sie in einem Pflegeheim angestellt sind. Im ambulanten Dienst sind für Altenpflege-Helfer im Schnitt 1939 Euro Verdienst drin.

Vollzeit-Pflegefachkräfte in einem Pflegeheim kommen dagegen im Mittel auf 2950 Euro brutto. Bei allen angegebenen Werten handelt es sich um den Median-Verdienst. Das bedeutet: Die eine Hälfte der Angestellten in dem Bereich verdient weniger, die andere Hälfte mehr.

Besser gestellt sind Fachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege. Ist die Pflegefachkraft in einem Krankenhaus angestellt, darf sie im Mittel mit 3533 Euro brutto rechnen, in einer Hochschulklinik mit 3691 Euro. Für Hilfskräfte in diesem Bereich belaufen sich die Zahlen auf 2898 Euro beziehungsweise 2984 Euro. Angestellte im ambulanten Dienst haben am Ende des Monats noch einmal weniger Geld zur Verfügung. Sie können im Mittel mit 2007 Euro Verdienst rechnen.

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Die untenstehende Tabelle bietet einen Überblick, wie stark sich die Gehälter in der Pflegebranche je nach pflegerischer Berufsgattung und Einsatzgebiet unterscheiden. Dabei ist zu beachten: Auch zwischen Ost- und Westdeutschland und einzelnen Bundesländern gibt es große Gehaltsunterschiede. "Die Differenz zwischen dem höchsten Bundesländermedianwert und dem niedrigsten beträgt für die Fachkräfte 794 Euro (Baden-Württemberg/Sachsen-Anhalt) beziehungsweise 509 Euro bei den Hilfskräften (Nordrhein-Westfalen/Sachsen)", heißt es in dem IAT-Bericht.

Als Vergleichsgröße für die Tabelle dient der Brutto-Medianverdienst aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in Deutschland. Er lag im Jahr 2020 bei 3401 Euro.

Was verdienen Hilfskräfte (Gesundheits- und Krankenpflege)?

Tätigkeitsfeld

Bruttoverdienst (Median)

Krankenhäuser

2898 Euro

Hochschulkliniken

2984 Euro

Vorsorge- und Rehabilitationskliniken

2217 Euro

Pflegeheime

2436 Euro

Altenheime; Alten- und Behindertenwohnheime

2492 Euro

Ambulante soziale Dienste

2007 Euro

Was verdienen Fachkräfte (Gesundheits- und Krankenpflege)?

Tätigkeitsfeld

Bruttoverdienst (Median)

Krankenhäuser

3533 Euro

Hochschulkliniken

3691 Euro

Vorsorge- und Rehabilitationskliniken

2948 Euro

Pflegeheime

2759 Euro

Altenheime; Alten- und Behindertenwohnheime

2800 Euro

Ambulante soziale Dienste

2641 Euro

Was verdienen Hilfskräfte (Altenpflege)?

Tätigkeitsfeld

Bruttoverdienst (Median)

Krankenhäuser

2683 Euro

Pflegeheime

2085 Euro

Altenheime; Alten- und Behindertenwohnheime

2064 Euro

Ambulante soziale Dienste

1939 Euro

Was verdienen Fachkräfte (Altenpflege)?

Tätigkeitsfeld

Bruttoverdienst (Median)

Krankenhäuser

3342 Euro

Vorsorge- und Rehabilitationskliniken

2816 Euro

Pflegeheime

2950 Euro

Altenheime; Alten- und Behindertenwohnheime

2962 Euro

Ambulante soziale Dienste

2588 Euro

Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (2020)/IAT

"Pflege braucht Würde" – das fordert die Bundestagspetition des stern, die mehr als 325.000 Menschen unterschrieben haben. Weitere Informationen über die Petition finden Sie hier. 


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