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Pharmaindustrie: Mehr Imitation als Innovation

Für die Zulassung eines neuen Medikaments gelten strenge Regeln. Doch ein Pharmakonzern muss nur die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit eines Medikamentes nachweisen - nicht aber, dass es besser ist als andere Präparate. Diese Lücke nutzt die Pharmaindustrie, um Kasse zu machen.

Von Jens Lubbadeh

Die Zulassung eines Medikaments erfolgt nach sehr strengen Kriterien. Doch dafür muss ein Pharmakonzern nur beweisen, dass sein Medikament zum einen eine bestimmte Wirkung hat und zum anderen unbedenklich ist. Dies erfolgt anhand von Patientenstudien. Zuständig für die Zulassung von Medikamenten ist das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Ein einmal zugelassenes Medikament kann von den Ärzten verschrieben und muss von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Die Hälfte der Neuzulassungen sind Scheininnovationen

Nicht nachweisen muss der Hersteller jedoch, dass sein neues Präparat auch besser ist als möglicherweise schon vorhandene gegen dieselbe Krankheit. Dies prüft nun das Iqwig. Dabei macht es selbst keine neuen Studien, es analysiert nur bereits vorhandene - und das tut es nicht mit der Fragestellung: Wirkt das Medikament? Sondern: Ist es besser als ein anderes Medikament gleicher Wirkart? Finden sich in den Studien keine Belege für einen Zusatznutzen, dann empfiehlt das Iqwig dem Gemeinsamen Bundesausschuss die Streichung des Medikamentes aus dem Erstattungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Finden sich hingegen zu wenige Studien, um einen möglichen Zusatznutzen zu be- oder widerlegen, dann empfiehlt es diese Studien anzufertigen.

Heutzutage ist es für die Pharmaindustrie zum Trend geworden, lieber schon bestehende und gut verkaufende Arzneimittel leicht abgewandelt neu auf den Markt zu bringen (in der Regel auch mit erhöhtem Preis), statt vollkommen neue Wirkstoffe zu entwickeln. Der "Arzneiverordnungs-Report 2005" geht davon aus, dass mittlerweile die Hälfte der in Deutschland neu zugelassenen Medikamente solche Scheininnovationen sind.

Der Grund ist einfach: Der Weg eines Medikamentes vom Labor bis in die Apotheke ist lang und zäh, es muss verschiedene klinische Phasen durchlaufen, wo es an immer größeren Patientengruppen getestet wird. Zwölf bis 15 Jahre kann das dauern. Die Kosten für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen sind hoch, von den Pharmakonzernen selbst werden sie auf bis zu 800 Millionen Dollar beziffert. Diese Zahlen sind jedoch unter Vorbehalt zu sehen, denn es wurden nicht nur reine Forschungs- und Entwicklungskosten hineingerechnet, sondern auch die immensen Ausgaben für Werbung und Marketing.

Die Pharmakonzerne investieren doppelt so viel für Werbung und Marketing wie für die Forschung

Die Trefferquote bei neuen Wirkstoffen ist gering, nur wenige schaffen es vom Labor bis in die Apotheke. Und das Risiko ist groß: Noch Jahre nach Einführung eines Medikamentes können sich unerwünschte Nebenwirkungen herausstellen, so geschehen im Falle Vioxx oder Lipobay, wo sie sogar tödlich waren. Dann können noch teure Schadensersatzklagen auf die Konzerne zukommen. Daher ist es aus Sicht der Pharmakonzerne, die als marktwirtschaftliche Unternehmen und an Umsatzsteigerungen und Gewinnen interessiert sind, einfacher, schneller, risikoärmer und kostengünstiger, Nachfolger- oder Nachahmerpräparate (Generika) herzustellen als ganz neue Produkte.

Um ihre Arzneimittel an den Mann zu bringen, betreiben die Pharmakonzerne einen enormen Aufwand: Neben Unmengen an Marketingaktionen sorgt vor allem eine Heerschar von Pharmareferenten dafür, dass die Präparate von den Ärzten auch verschrieben und somit verkauft werden. Für Werbung und Marketing investieren die Konzerne bereits mehr als doppelt so viel Geld wie für die Forschung selbst. Zudem bedient sich die Pharmaindustrie auch unlauterer Mittel wie versteckter Zahlungen an Ärzte und Apotheker, mehr oder weniger verdeckter PR-Kampagnen und der Finanzierung und Beeinflussung von Ärztegesellschaften und Patientenverbänden.

Deutschland ist mit dem Iqwig spät dran

Während in vielen anderen Ländern schon ähnliche Institute existieren, die nach den harten Kriterien der evidenzbasierten Medizin überprüfen sollen, welche Medikamente wirklich einen Zusatznutzen für die Patienten besitzen und wie viel sie kosten sollten, ist Deutschland mit dem Iqwig spät dran. Auch dies ist bezeichnend für den Einfluss, den die Pharmaindustrie seit Jahrzehnten auch auf die Politik ausübt und wo die Verflechtungen mitunter haarsträubend sein können, wie das Beispiel Cornelia Yzer zeigt. In der Kohl-Regierung war die CDU-Politikerin von 1994 bis 1997 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, und wechselte dann als Hauptgeschäftsführerin zum Verband Forschender Arzneimittelhersteller, der Interessensvertretung aller großen Pharmakonzerne.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(