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Hormonhaushalt: Was Frauen den Schlaf raubt

Job, Haushalt, Kinder - schon der Alltag lässt jede vierte Frau in Deutschland nachts kaum zur Ruhe kommen. Zwar ist Stress dabei ein bedeutender Auslöser, doch der wahre Schlafräuber verbirgt sich oft noch tiefer: in ihrem Hormonhaushalt.

Von Katharina Kluin

Wenn Lisa Bunjes früher nicht schlafen konnte, hatte das einen greifbaren Grund. Sie konnte ihn sogar treten: ihren schnarchenden Mann. Doch dann kam die erste Nacht, in der sie plötzlich wach lag. Dann die zweite. Und der Grund war überhaupt nicht greifbar - ihr Mann schnarchte inzwischen in seinem eigenen Schlafzimmer.

Umso lauter tönten quälende Gedanken: Was ist los? Warum bin ich wach? "Da wütete etwas in mir und ließ mich nicht schlafen. Ich bekam es einfach nicht zu packen." Erst dachte sie, es sei der Stress. Die 12-, 13-Stunden-Tage, in denen sie zwischen ihrem Halbtagsjob in der Behörde und den Patienten ihrer Naturheilpraxis rotiert, zwischendurch eine Runde mit dem Hund dreht, abends das Nötigste im Haushalt erledigt. "Und dann das Gefühl: Wie soll das morgen alles gehen, ohne Schlaf?" Immer verkrampfter versuchte sie, zur Ruhe zu kommen. Stand mitten in der Nacht wieder auf, um endlich müde zu werden. Hörte Entspannungs-CDs rauf und runter. Las Bücher, hundertseitenweise - und lag am Ende doch wieder todmüde, aber wach im Bett.

Jeder achte Mann und jede vierte Frau hat Schlafprobleme

Unser Alltag bietet unzählige Ursachen für schlaflose Nächte: Der Sohn will ohne Abschluss von der Schule, die Eltern brauchen immer öfter Hilfe, für die Beziehung ist zu wenig Zeit, und auf dem Schreibtisch türmt sich die Arbeit. Auch wenn Männer von diesen Sorgen genauso betroffen sein mögen - es sind vor allem Frauen, die nachts keine Erholung finden. Fast doppelt so viele wie Männer.

Laut einer Umfrage der Uni Gießen zum Schlafverhalten der Deutschen hat etwa jeder achte Mann Probleme mit dem Schlaf. Bei den Frauen ist es jede vierte. Die meisten fügen sich in ihr rastloses Schicksal. Zu nahe scheinen die Ursachen für den schlechten Schlaf zu liegen. Berufstätig, Ehefrau, Mutter und Tochter zu sein, das fordert eben Tribut. Oder?

Tatsächlich liegen die Gründe für den schlechten Schlaf meist tiefer: in der Natur des Frauseins - im Hormonhaushalt. Wie Hunger, Durst und Lust steuert das Gehirn den Schlaf über hormonelle Schaltkreise. Sie arbeiten nicht autark, sondern greifen an zahllosen Stellen ineinander. Schritt für Schritt entschlüsseln Forscher, welche Regulationsprozesse beteiligt sind - und welche Rolle der Faktor "Frau" dabei spielt.

Die Hormone sind die Schlafräuber

So viel ist inzwischen klar: Geschlechtshormone mischen sich kräftig in den Schlafrhythmus ein. Denn im monatlichen Zyklus, in der Schwangerschaft und Stillzeit, vor, während und nach den Wechseljahren schwanken weibliche Hormonspiegel so stark, dass auch die Schlafregulation leicht ins Wanken gerät.

Schon die vergleichsweise geringen hormonellen Veränderungen während des Monatszyklus können auf den Schlaf der Frauen durchschlagen. So zeigte eine Studie der Rush University in Chicago, dass es im weiblichen Zyklus feste Schlechtschlaftage gibt. Das sind vor allem die Tage vor und auch nach der Menstruation, an denen die Hormonproduktion weit zurückgefahren ist. Und offenbar wirken nicht nur die typischen Beschwerden der Tage vor der Regel auf den Schlaf - Unterleibsschmerzen, schlechte Stimmung, Wasser im Gewebe. Es sind auch die Hormone selbst, die die Nachtruhe stören: Schlechten Schlaf registrierten die Forscher vor allem dann, wenn der Spiegel eines am Eisprung beteiligten Hormons, des FSH, besonders niedrig war.

Schwangere sollen Schlafprobleme nicht einfach hinnehmen

Ist der schlechte Schlaf junger Frauen vor der Familienzeit meist noch auf diese Tage und akute Stressphasen beschränkt, erleben viele von ihnen dauernde Schlafprobleme während der Schwangerschaft. "Das gehört eben dazu", sagt Kristina Behrendt, Ärztin in Berlin. Ende September bekam sie ihren zweiten Sohn Konstantin. Während der Schwangerschaft schlief sie wochenlang nicht durch, nickte am Tag über ihren Lehrbüchern ein.

Nicht nur der runde Bauch machte ihr zu schaffen. Wenn sie lag, klemmten die bei Schwangeren häufigen Wassereinlagerungen im Bindegewebe ihre Nerven ab - der brennende Schmerz riss sie Nacht für Nacht aus dem Schlaf. "Dann war ich erst mal hellwach", sagt sie. "Und wenn ich doch wieder einschlief, taten das ganz sicher auch meine Hände, Arme oder Füße - und alles ging von vorne los."

Schlafmediziner warnen: Zwar stören der Bauch, die Tritte des Kindes, das Sodbrennen und Schwitzen im letzten Drittel der Schwangerschaft den Schlaf fast zwangsläufig. Einfach hinnehmen sollten die Frauen die unruhigen Nächte trotzdem nicht. Denn was vielen Schlaflosen hilft, kann auch Schwangeren zumindest etwas Linderung verschaffen: die Methoden zur Muskelentspannung und mentalen Beruhigung

Nur 40 Prozent gehen zum Arzt

"Ob eine Schlafstörung behandelt werden sollte, hängt davon ab, wie sehr sie sich auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden am Tag auswirkt", sagt Jutta Backhaus, Leiterin des Schlaflabors an der Klinik für Psychiatrie der Uni Lübeck. "Das gilt auch - und gerade - für Schwangere. Die wirklich Kraft raubenden Wochen und Monate nach der Geburt stehen ihnen ja noch bevor." Doch die werdenden Mütter halten es meist nicht anders als der Rest der nachtwachenden Bevölkerung: Nur 40 Prozent aller Deutschen mit Schlafproblemen gehen mit ihren Beschwerden auch zum Arzt.

Wie wichtig es ist, die Störungen ernst zu nehmen, zeigt, was Wissenschaftler in den vergangenen Jahren über die Folgen schlechten Schlafs herausgefunden haben. Fehlt die nächtliche Erholung, funktioniert nichts mehr, wie es soll: Das Gedächtnis streikt, die Konzentration ebenso, und auch präzise Handgriffe gehen häufig daneben. Am Steuer drohen Schlechtschläfer einzunicken, gehen sie zu Fuß, geraten sie leichter ins Stolpern. Und auch jede Bewegung auf sozialem Parkett wird zum Balanceakt. Unausgeschlafene sind leicht reizbar und nervös.

Jeder braucht unterschiedlich viel Schlaf

Ob der Schlaf fit genug macht für den Tag, hängt dabei nicht von seiner Dauer ab. "Dass der Mensch acht Stunden Schlaf am Tag braucht, ist ein Irrtum", sagt die Psychologin Backhaus. Wie viel Zeit der Körper nötig hat, um alle für Regeneration und Stärkung wichtigen Schlafphasen zu durchlaufen, ist bei jedem Menschen anders. "Das kann bei dem einen fünf Stunden dauern, bei dem anderen neun."

Ist dieser nächtliche Rhythmus jedoch gestört, macht das nicht einfach nur müde, es schadet der Gesundheit. Der Erholungsmangel lässt den Stresshormonspiegel steigen. Die ständige Anspannung stört die Verdauung, belastet Herz und Blutkreislauf, schwächt langfristig das Immunsystem oder lässt es mit Entzündungen überreagieren - und die können zur Bedrohung werden: Zahlreiche Studien geben Entzündungen Mitschuld an Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall - sogar bei der Entstehung von Krebs scheinen Entzündungen eine maßgebliche Rolle zu spielen.

Forschung wurde bislang vorwiegend an Männern gemacht

Immer gründlicher hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten deshalb die Schlafstörungen erforscht. Allerdings: vorrangig an Männern. "Dass die Schlafprobleme der Frauen sehr spezifische Gründe haben können, hat die Schlafforschung lange ausgeblendet", sagt Andrea Rodenbeck vom Schlaflabor der Göttinger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Immerhin: Die Häufigkeit, Schwere und die Folgen der weiblichen Schlafstörungen haben dazu geführt, dass seit etwa zehn Jahren immer mehr Forscher die Mühen dennoch auf sich nehmen. Sie haben begonnen, das komplizierte Geflecht des weiblichen Hormonhaushalts und dessen Auswirkungen auf den Schlaf zu entwirren. So fand eine Berliner Forschergruppe um die Schlafmedizinerin Brigitte Kurella heraus, dass etwa 20 Prozent aller Frauen in der Schwangerschaft ein Restless Legs Syndrom (RLS, das Syndrom der ruhelosen Beine) entwickeln. In schweren Fällen werden sie allabendlich von kaum beschreibbaren, unangenehmen Gefühlen aus dem Bett getrieben - denn nur Bewegung schafft Linderung. Verursacht wird das Syndrom offenbar durch eine Störung in der Signalübertragung des Gehirns, als hauptverdächtiger Botenstoff gilt das Dopamin.

Warum die Störung während der Schwangerschaft auftritt und meist mit der Geburt wieder abklingt, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich ist aber, dass der hohe Östrogenspiegel der Schwangeren an der Störung beteiligt ist. Denn die Andockstationen für Dopamin im Gehirn reagieren auch auf Östrogene, die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Und auch der schwangerschaftstypische Eisenmangel könnte mitschuldig sein, denn bekannt ist, dass Menschen mit Eisenmangel häufig an ausgeprägten RLS-Beschwerden leiden.

"Die Frauenärzte haben das Problem inzwischen im Blick", sagt Marie-Luise Hansen, stellvertretende Leiterin des neurowissenschaftlichen Schlaflabors im Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin-Charlottenburg. Zwar sollten Schwangeren die bei RLS wirksamen Mittel zur Regulation des Dopaminspiegels nicht verordnet werden - ihre Wirkung auf das Kind ist nicht ge- klärt. Doch lassen sich die Beschwerden auch mit Eisen- und Magnesiumpräpa- raten oft lindern.

Kleine Kinder rauben den Schlaf

Nicht immer nehmen die Schlafstörungen der Frauen ihren Anfang mit hormonellen Veränderungen im Innern. Genauso können äußere Einflüsse die Regler für den sensiblen Schlaf-Wach-Rhythmus verschieben: Straßenlärm, Zeitdruck, Schichtarbeit und Alkohol gehören dazu. Schlafräuber Nummer eins aber sind kleine Kinder.

"Mütterlichen Standby-Schlaf" nennt Dagmar Lüchau, 35, ihren Nachtzustand. Wenn sie nach ihren langen Tagen als PR-Projektleiterin und Mutter von drei Kindern erschöpft einschläft, bleibt ein Ohr immer auf Empfang: "Wenn eines der Kinder nachts aufs Klo geht oder nach mir ruft, dann bin ich erst mal wach und bleibe es auch." Ein paar Wochen ohne erholsamen Schlaf hält sie durch. Spätestens in der vierten aber zwingt ihr Körper sie mit heftiger Migräne zur Ruhe. "Dann ist der Akku einfach leer."

Wenn der Alltag unseren Schlaf-Wach-Rhythmus langfristig stört, nennen Chronobiologen das "sozialen Jetlag". "Der Körper reagiert wie auf einen Zeitzonenflug - erschöpft, aber unfähig, nachts zu schlafen, weil die innere Uhr noch auf Tag programmiert ist", sagt Thomas Kantermann, Mitarbeiter am Institut für Chronobiologie der Universität München. Doch während der Körper Schlafen und Wachen innerhalb weniger Tage an die neue Zeitzone anpassen kann, hebt ein Säugling den Tag-Nacht-Rhythmus der Mutter völlig aus den Angeln: Er braucht sie alle zwei, drei, vier Stunden, auch nachts. Wie lange eine Frau das durchhält, sei eine Typfrage, sagt Kantermann. "Manche stecken das einfach so weg. Andere finden kaum noch in den normalen Rhythmus zurück." So wie "Standby-Mama" Dagmar Lüchau.

Schlafstörung und Depression gehen oft Hand in Hand

Welche Folgen so eine Rhythmusverschiebung für den Körper haben kann, weiß man aus der Erforschung des echten Jetlag - Zeitzonenflüge können Depressionen auslösen. Der Übergang von der Schlafstörung zur Schwermut ist ohnehin fließend, in beide Richtungen: Schlechter Schlaf kann sowohl Symptom als auch Ursache der Erkrankung sein. Was zuerst da war, ist oft nicht leicht zu sagen. "Bei der Behandlung kann die Frage "Huhn oder Ei?" aber entscheidend sein", sagt Dieter Riemann, Professor für Klinische Psychologie und Psychophysiologie, Leiter der schlafmedizinischen Station am Uniklinikum Freiburg. Sie zu beantworten sei allerdings gerade bei weiblichen Patienten oft schwer: Denn Frauen schlafen nicht nur schlechter, auch ihr Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist - man ahnt es schon - doppelt so hoch wie bei Männern.

"Gibt es eindeutige Hinweise auf eine handfeste Depression, ist es ganz wichtig, zunächst die Depression zu behandeln - in der Regel mit einer Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie. Dabei sollte ein schlafförderndes Antidepressivum gewählt werden, um gleichzeitig auch die Schlafstörung zu behandeln", sagt die Lübecker Schlaftherapeutin Backhaus.

Wie unübersichtlich das Gefüge von Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist bei Frauen ist, zeigt auch das Beispiel Wechseljahre - in dieser Phase wird jede zweite Frau von Schlafproblemen geplagt. Die hormonellen Veränderungen stören die Temperaturregler des Körpers und lösen Hitzewallungen aus, die Frauen regelmäßig aus den Träumen reißen. Doch es ist nicht nur das quälende Schwitzen selbst, das den Schlaf stört. Auch die innere Uhr, ein winziger Teil des Hirns, reagiert empfindlich auf die Signale der Thermostaten: Niedrige Körpertemperatur geht für diesen Taktgeber mit dem Ende des Tages einher - bei Wärme dagegen gibt er das Kommando zum Aufwachen. So bringen also die Hitzewellen auch die innere Uhr, das für den Schlaf-Wach-Rhythmus wichtigste Organ, selbst aus dem Takt. Wenn sie anrollen, ist es mit dem Schlaf meist vorbei.

Geschlechtshormone hielten schon Frühmenschen-Mütter wach

Das hormonelle Auf und Ab der Menopause könnte die innere Uhr sogar ohne den Umweg über die Körpertemperatur beeinflussen. Erst seit kurzem ist bekannt, dass der Chronograf im Kopf selbst Rezeptoren, Andockstationen, für Östrogene hat. Die Geschlechtshormone können offenbar die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmen und so den weiblichen Körper auch über den eigentlichen Tag-Nacht-Rhythmus hinaus wach halten. Wie das im Detail geschieht, ist bislang nicht geklärt. "Länger wach bleiben zu können ist für Frauen und damit auch ihre Kinder wahrscheinlich ein Überlebensvorteil", sagt Chronobiologe Kantermann. Anders ausgedrückt: Was wäre aus Homo sapiens geworden, hätten die Frauen, Mütter zumal, wegen ihrer zu kurzen Nächte regelmäßig schlappgemacht?

In den Wechseljahren kann sich ihr evolutionäres Erbe dann offenbar gegen die Frauen wenden. Dennoch waren für die 50-jährige Elke Schuster die ersten Hitzewallungen fast eine Erleichterung. Nächtelang hatte sie scheinbar grundlos wach gelegen und sich mit literweise schwarzem Tee über den Tag gerettet. "Dann kam das Schwitzen - und meine Schlaflosigkeit hatte endlich eine Ursache", sagt sie.

Ähnlich reagierte auch Lisa Bunjes, als sie den Grund ihrer kurzen Nächte erkannte - und hat ihn sich gleich vorgeknöpft: Sie begann, ein Schlaf- und Wechseljahrstagebuch zu führen, in dem sie Tagesablauf und Tagesform, ihre Ernährung und ihren Schlaf genau erfasst. "Daran kann ich sehr genau sehen, welche Einflüsse die Beschwerden verbessert oder verschlechtert haben und wie sie sich langfristig entwickeln."

Die größte Besserung konnte sie in ihren Aufzeichnungen seit dem Zeitpunkt beobachten, an dem sie niedrig dosierte Hormongele anzuwenden begann. Tatsächlich kann die Hormonersatztherapie die Wechseljahresbeschwerden vieler Frauen lindern. "Sie sollte aber nur zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Behandlungen versagt haben", sagt Schlafforscher Dieter Riemann. Denn zumindest wenn die Hormone als Tabletten eingenommen werden, ist die Therapie mit Gefahren verbunden: Sie können das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Thrombose und Schlaganfall deutlich erhöhen. Neueren Studien zufolge könnten die Hormone aber an Gefährlichkeit verlieren, wenn sie als Gele über die Haut aufgenommen werden. Endgültige Ergebnisse stehen noch aus. "So lange sollten auch die Hormongele nur als Notlösung und nur so kurz und niedrig dosiert wie möglich angewendet werden", sagt Riemann.

Nach den Wechseljahren beginnen viele Frauen zu schnarchen

Marianne Halle-Akselsson hat die Hormoneskapaden bereits hinter sich, als die Nacht ihr plötzlich jede Erholung schuldig bleibt. "Ich wache morgens auf und fühle mich, als hätte ich kaum geschlafen. Völlig egal, wie früh ich im Bett war", sagt die 58-Jährige. Erst als ihr Freund sie eines Nachts weckt und sagt: "Du schnarchst!", dämmert ihr, warum sie morgens nicht hochkommt.

Zwar sind in den Schlaflaboren der Kliniken für HNO oder Pneumologie schnarchende Männer in der Überzahl. Aber in den Wechseljahren holen die Frauen sie ein: Danach schnarchen sie genauso oft wie gleichaltrige Männer.

Die Atmungsstörung ist viel mehr als eine Lärmbelästigung für Angehörige. Auslöser der Sägegeräusche ist eine Verengung oder der zeitweilige Verschluss der oberen Atemwege bis hin zum Atemstillstand. Die eingeschränkte Luftzufuhr lässt den Sauerstoffgehalt im Blut sinken und kann für den Körper zur Gefahr werden: Schwer-Schnarchern drohen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Infarkt und Schlaganfall. In jedem Fall aber raubt der Sauerstoffmangel den Schnarchenden die nächtliche Erholung - sie wachen morgens auf wie gerädert.

Leichterer Schlaf ist im Alter natürlich

Dass so viele Frauen in den Wechseljahren anfangen zu schnarchen, liegt - wieder einmal - an ihrem Hormonhaushalt. Mit sinkender Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone im Blut steigt das Risiko zu schnarchen.

Eine frauenspezifische Therapie des Schnarchens gibt es - bis auf die risikoreiche Hormonbehandlung - nicht. Bislang hilft den schnarchenden Frauen am meisten, was auch das Leben ihrer männlichen Leidensgenossen verlängern kann: die Überdruckbeatmung mit Nasenmasken. Allerdings ist etwa jedem vierten Patienten die Maske zu lästig, um sie jede Nacht zu tragen.

Fällt es Schnarchenden schon schwer, sich mit ihrer Atemhilfe zu arrangieren, stehen die Frauen, die mit den Jahren immer weniger Erholung finden, vor einer noch größeren Aufgabe: Sie müssen lernen, die Schlafstörung als Teil ihres Lebens zu akzeptieren. Gelingt ihnen das, ist der erste Schritt zur Besserung bereits getan. "Denn wenn sie verinnerlicht haben, dass leichterer Schlaf mit zunehmendem Alter natürlich ist, können sie viel gelassener damit umgehen", sagt die Psychologin Backhaus. "Wer dann nachts wach wird, dem fällt es leichter, sich entspannt auf die andere Seite zu rollen und wieder einzuschlafen."

Das hat auch Lisa Bunjes mit der Zeit herausgefunden. "Seit ich weiß, dass diese Nächte eben dazugehören, machen sie mir keine Sorgen mehr." Das quälende Gedankenkarussell "Warum bin ich schon wieder wach? Ich brauche doch meinen Schlaf! Morgen ist so viel zu tun!" kommt jetzt immer seltener in Fahrt. "Mit zu hohen Ansprüchen", sagt sie, "kann man den Schlaf auch verjagen."

Mitarbeit: Karolin Leyendecker
Wissenschaftliche Beratung: Professor Dieter Riemann

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