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Schweinegrippe-Impfung: Ich bin dann mal wieder weg

stern-Autorin Kerstin Herrnkind hatte eigentlich vor, sich gegen den H1N1-Virus impfen lassen - und überlegt es sich vor Ort dann doch wieder anders. Ein Erfahrungsbericht.

Von Kerstin Herrnkind

Heute lasse ich mich gegen Schweinegrippe impfen. Mein Entschluss steht fest. Sicher ist sicher. Punkt. Gesundheitsamt Hamburg-Mitte, Besenbinderhof. Um kurz nach zehn ist hier nicht viel los. Die Menschen treibt es offenbar nicht in Scharen zur Impfung. Die Fragebögen sind schnell ausgefüllt, dann geht es hoch in den vierten Stock. Nach ein paar Minuten bin ich an der Reihe.

Eine blonde Assistentin im blauen Plastikkittel betritt das "Impfzimmer". "Sind Sie gegen Schweinegrippe geimpft?", frage ich sie. Eigentlich stelle ich ihr die Frage mehr aus Verlegenheit, glaube die Antwort zu kennen. Da sagt sie: "Nein. Ich lasse mich grundsätzlich nicht impfen." Entgeistert starre ich die Frau an. "Warum nicht?" "Einstellungssache. Ich bin generell gegen das Impfen", sagt sie.

Ihre rothaarige Kollegin betritt den Raum. "Sind sie gegen Schweinegrippe geimpft?" "Nö", antwortet auch sie. "Warum nicht?" Die Assistentin will nicht so recht mit der Sprache raus, antwortet ausweichend: "Weiß nicht. Noch nicht."

Auch die Ärztin ist noch ungeimpft

Die Ärztin kommt. Auch von ihr will ich wissen, ob sie gegen Schweinegrippe geimpft ist. "Nein", sagt sie. "Aber ich lasse mich nächste Woche impfen. Noch habe ich einen Infekt." Ach, denke ich. Eine Ärztin, die einen Infekt mit sich herumträgt, steht hier und impft die Leute.

Mir fällt eine Nachricht aus der Zeitung wieder ein. "In der Schweiz soll es sechs Todesfälle nach der Impfung gegeben haben", sage ich. "Oh", sagt die Ärztin freundlich. "Das ist mir entgangen. Aber ich kläre das gerne für Sie." Sie verlässt den Raum. Und bleibt verschwunden. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten. Auf dem Handy rufe ich eine Kollegin an, die ihre Impfung schon hinter sich hat. Sie hat Kopfschmerzen, fühlt sich angeschlagen. Doch sie sagt: "Ich würde es wieder tun. Und die Impfung für die saisonale Grippe ziehe ich mir auch noch rein." Ich lege auf. Die Ärztin ist noch immer nicht zurück. "Nun seien Sie doch nicht so nervös", versucht mich die blonde Impfgegnerin zu beschwichtigen. "Wissen Sie was?", entgegne ich, während ich mir meine Jacke wieder anziehe. "Ich gehe jetzt wieder. Vielleicht haben Sie recht mit Ihrer Skepsis."

Ich fahre ins Büro, setze mich an den Schreibtisch, als plötzlich das Telefon klingelt. Mein Mann. "Schatz, mir ist ganz plötzlich schlecht geworden, ich habe Schüttelfrost." Oh Gott, denke ich. Schweinegrippe?!

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