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Skandal um Klonforscher Hwang: Nie eine Menschenzelle geklont

Eine Untersuchungskommission räumte letzte Zweifel aus: Der einst gefeierte Klonforscher Hwang Woo Suk hat nie eine Stammzelle mit dem Erbgut kranker Menschen geklont. Seine Forschungen sind gefälscht.

Es war Ende Dezember, als die Untersuchungskommission der Nationalen Universität in Seoul endgültige Klarheit erlangte im Fälschungsskandal um den einst gefeierten südkoreanischen Klonforscher Hwang Woo Suk und sein Team. Man hatte Hwang Zeit gegeben, Beweise vorzubringen, Beweise dafür dass er maßgeschneiderte embryonale Stammzellen mit dem Erbgut kranker Menschen erfolgreich geklont hat. Doch diesen Beweis blieb der Klonforscher schuldig.

Die vernichtende Einschätzung der Kommission: Die entsprechende Studie Hwangs im US-Fachjournal "Science" ist komplett gefälscht. "Hwangs Team legte keine wissenschaftlichen Daten vor, dass Stammzellen erzeugt wurden", fasste der neunköpfige Ausschuss zusammen. Hwang selbst tauchte inzwischen unter.

Bereits eine Woche zuvor hatte das Untersuchungsteam neun der elf präsentierten Stammzell-Linien als Fälschungen entlarvt: Die von Hwang präsentierten Daten seien zielgerichtet gefälscht worden und kein versehentlicher Fehler, hieß es. Hwang hatte daraufhin seinen Rücktritt als Professor der Universität angekündigt.

Vom Kuhhirten zum Klonforscher

Kurz zuvor war Hwang in Südkorea noch wie ein Rockstar gefeiert worden. Der 53-Jährige wuchs in armen Verhältnissen auf; sein Vater starb, als er fünf war. Um in den Jahren nach dem Korea-Krieg 1950-1953 die Familie durchzubringen, hütete er Kühe. Als einziger aus seiner Grundschulklasse erhielt er eine weitergehende Ausbildung. 1982 machte er seinen Doktor in Tiermedizin und arbeitete von 1999 an am Klonen von Tieren. Die südkoreanische Regierung gab Millionensummen aus, um seine Forschung zu unterstützen.

Hwang und sein Team hatten 2005 außerdem erklärt, den weltweit ersten Klon-Hund geschaffen zu haben. Auch die Glaubwürdigkeit dieser Studie wird nun bezweifelt. Endgültige Klarheit soll der Untersuchungsbericht der Universität bringen, der Mitte Januar veröffentlicht werden soll.

Fraglich ist weiterhin, wie Hwangs Team ein solcher Betrug gelingen konnte und wer genau darin verwickelt ist. Erst nach dem Bericht im Januar werde auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen, erklärte ein Sprecher der Behörde.

Maßlose Enttäuschung in Korea

Forscher auf der ganzen Welt reagierten entsetzt auf die neuesten Erklärungen der Untersuchungskommission. "Es scheint ganz klar von Anfang an eine absichtliche Fälschung gewesen zu sein. Das ist ein trauriger Tag für die Wissenschaft", sagte die Bioethikerin Laurie Zoloth von der Northwestern University in den USA.

Auch die Südkoreaner sind maßlos enttäuscht über ihr Aushängeschild für die Fortschrittlichkeit des Landes. "Das ist Betrug“, sagte Jing Jong Hwa, eine 38-jährige Büroangestellte in Seoul. "Er sollte hart bestraft werden." Im Oktober hatten hoffnungsvolle Patienten noch scharenweise angeboten, freiwillig Zellproben für Hwangs Forschung abzugeben. "Was soll jetzt aus all diesen Menschen mit unheilbaren Krankheiten werden?", fragte Choi Yeon Kyoung, der in einem Geschäft in Seoul arbeitet. "Die hatten ihre Hoffnung nicht aufgegeben und sind jetzt am Boden zerstört."

aun mit Reuters/DPA/AP / AP / DPA

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