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Steinzeitpasta: Die Nudel ist eine Chinesin

Im Streit um die Herkunft der Nudel liegt China wieder vorn: Forscher haben 4000 Jahre alte Teigwaren am Ufer des Gelben Flusses entdeckt. Der Fund erinnert an heutige Spaghetti - allerdings wurden die Steinzeitnudeln nicht aus Weizen gemacht.

Die ältesten Nudeln der Welt sind etwa 4000 Jahre alt und stammen aus China: Ein chinesisches Archäologenteam hat in den Überresten einer jungsteinzeitlichen Siedlung am Ufer des Gelben Flusses einen Steinguttopf mit sehr gut erhaltenen, spaghettiähnlichen Teigwaren entdeckt. Hergestellt wurde die Pasta offenbar genauso wie moderne Sorten aus einem Teig, der in lange Stränge gezogen und anschließend gekocht wurde.

Als Basis verwendeten die Chinesen jedoch Mehl aus Hirse und nicht, wie heute üblich, aus Weizen. Über ihren Fund berichtet das Team um Houyuan Lu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking in der Fachzeitschrift "Nature". Die Hirsenudeln aus der Jungsteinzeit seien gelb und mehr als 50 Zentimeter lang gewesen. Ihr Durchmesser betrug 3 Millimeter.

Nudeltopf unter drei Meter Erdreich entdeckt

Seit mindestens 2000 Jahren gehören Nudeln in vielen Teilen der Welt zu den beliebtesten Grundnahrungsmitteln. Woher sie jedoch ursprünglich kamen, ist umstritten. China beansprucht dabei genauso wie Italien und Arabien die Herstellung der ersten Teigwaren. Diese Behauptung wird nun durch den neuen Fund gestützt: Bei Ausgrabungen an einer archäologischen Stätte im Nordwesten Chinas entdeckten die Forscher unter einer drei Meter dicken Sedimentschicht und eingebettet in den feinen Lehm des Flussufers ein umgedrehtes Gefäß aus Steingut. Als sie es entfernten, fanden sie die Überreste der dünnen, zerbrechlichen Nudeln auf dem Erdreich, das den Topf ausgefüllt hatte.

Wahrscheinlich wurde das Gefäß durch Lehm und Erdreich versiegelt, als die Siedlung vor etwa 4000 Jahren durch ein schweres Erdbeben und eine anschließende Flutwelle zerstört wurde, berichten die Wissenschaftler. Dadurch blieben auch Stärkekörner und so genannte Phytolithen erhalten - kleine Siliziumoxidkörner, die in den Hülsen von Getreidekörnern gebildet werden und für jede Pflanze charakteristische Formen aufweisen.

Die Analyse dieser Überreste zeigte, dass die Chinesen keinen Weizen verwendeten, sondern Mehl aus Körnern der Rispenhirse und der Kolbenhirse mahlten. Daraus bereiteten sie den Nudelteig zu, der dann wohl ähnlich verarbeitet wurde wie heute.

DDP/DPA / DPA

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