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Eine Frau kämpft für Sterbehilfe "Mein letzter Lebenstag wird eine Befreiung sein"


Sie war ein gefragtes Foto-Model, eine glückliche Frau - bis ein Autounfall ihre Gesundheit zerstörte. Jetzt, nach 55 Jahren Leid, hält Helga Haberl es nicht mehr aus. Sie hat nur noch diesen Wunsch: selbstbestimmt zu sterben.
Von Arno Luik

Ihre Beweggründe schildert sie in einem Interview, das heute im Magazin  stern erscheint. Dem Gespräch vorangegangen ist ein Briefwechsel mit stern-Autor Arno Luik über Helga Haberls Wunsch zu Sterben.

Darin schreibt sie: "Wenn ein Mensch über zwei Drittel seines Lebens nur noch mit Schmerzen überlebt und so 80 Jahre Lebenszeit erreicht hat, dann sollte, dann muss er die Möglichkeit haben, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Aber dazu auch Hilfe erhalten, wenn er würdig sterben will. Dass er sich nicht vor die U-Bahn werfen, aus dem x-ten Stockwerk springen, sich aufhängen muss, oder welche Möglichkeiten es da noch geben kann.

Ich kann nur hoffen, dass das Menschen lesen, die die Möglichkeit und das Verständnis haben, die bestehenden Gesetze in diese Richtung zu verändern!
Ich kann Gunter Sachs gut verstehen. Hätte auch ich eine Pistole, hätte ich mich wohl schon längst erschossen.

Eine Nebenwirkung der Medikamente, die ich nehmen muss, ist die sogenannte Xerostomie. Sie ist irreversibel. Mein Mund ist ständig trocken, ich muss dauernd zwanghaft Speichel saugen, wodurch ich jeden Tag einen wunden Gaumen und eine aufgebissene Zunge habe. Das macht mich verrückt. Befreit davon bin ich nur im Schlaf. Wie grauenvoll das ist, kann sich niemand vorstellen.

Ich werde immer einsamer. Meine Bekannten sind in fröhlichen Cliquen, und ich bin draußen. Man ist von allen abgetrennt. Ich konnte mich ja auch mit meinen ständigen Schmerzen und Depressionen keinem Mann zumuten.

Das ist bitter. Ich will eigentlich nicht mein Leben beenden. Ich will nur, dass all die Qualen endlich vorbei sind.

In Ländern, deren Gesetzgebung liberaler ist als bei uns, hat die aktive Sterbehilfe nicht überhandgenommen. Die Einstellung zur aktiven Sterbehilfe, davon bin ich überzeugt, wird sich auch in Deutschland im Laufe der Jahre ändern müssen - einfach weil es immer mehr alte Menschen gibt, die ihr Leben überlebt haben.

Ich bin sterbenselend. Nicht nur wegen der Depressionen, sondern vor allem wegen meiner chronischen Schmerzen. Ich hab ja alles versucht, alle möglichen Therapien probiert, zuletzt eine Hormontherapie, die aber auch nicht hielt, was sie versprach. Ich war bei allen möglichen Spezialisten, war in den USA, war in der Schweiz, in Österreich. Alle Untersuchungen der Ärzte hatten immer das gleiche Ergebnis: unheilbar."

In dem stern-Gespräch sagt Haberl,  dass sie den "Winter, den sie mag, nicht mehr erleben möchte", sie will, so sagt sie, bei Kerzenlicht in ihrer Wohnung sterben - zu den Klängen von Mozarts Klarinettenkonzert.  

Das komplette Gespräch finden Sie im aktuellen stern.  

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.


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