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STUDIE: Nickel-Allergien durch Euro-Münzen?

Aus Euro-Münzen löst sich Schweizer Forschern zufolge mehr Nickel als aus allen anderen bislang untersuchten Geldstücken.

Aus Euro-Münzen löst sich Schweizer Forschern zufolge mehr Nickel als aus allen anderen bislang untersuchten Geldstücken. Obwohl die Ein- und Zwei-Euro-Münzen weniger als 25 Prozent Nickel enthielten, gäben sie größere Mengen des Schwermetalls ab als reine Nickel-Münzen, berichten Wissenschaftler um Frank Nestle von der Universität Zürich im britischen Fachmagazin »Nature« vom Donnerstag.

Grenzwerte gelten nicht

Aus Euro-Münzen löst sich demnach 240 bis 320 Mal mehr Nickel als die EU-Richtlinien (94/27/EG) für Bedarfsgegenstände erlauben. Der Grenzwert, laut Bedarfsgegenstände-Verordnung maximal 0,5 Milligramm abgegebenes Nickel pro Quadratzentimeter innerhalb einer Woche, gilt für Münzen allerdings nicht, da sie meist nur kurz mit der Haut in Berührung kommen.

EU sieht noch keinen Handlungsbedarf

In einer Stellungnahme betonte die Europäische Kommission, dass bei normalem Gebrauch keine Gesundheitsgefahr von den Euro-Münzen ausgehe. Eine unmittelbare Reaktion auf Grund der Resultate dieser einen Studie halte die Kommission nicht für nötig, sagte Kommissionssprecher Gerassimos Thomas in Brüssel.

Ärzte fordern schnelle Studien

Der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), Thomas Fuchs, forderte dagegen schnelles Handeln der zuständigen Ministerien. »Spätestens jetzt brauchen wir endlich umfassende Studien über das prozentuale Vorkommen und die Ursachen von Nickel- Allergien.«

Nickel raus aus Münzen?

Bislang gelte vor allem nickelhaltiger Modeschmuck als Auslöser der Allergien. Nun gerate auch der Euro in Verdacht, zumindest teilweise für die allergische Sensibilisierung für das Schwermetall verantwortlich zu sein. In diesem Fall müsse der Nickel-Gehalt der Euros umgehend auf Null reduziert werden, forderte Fuchs. »Es ist Zeit, endlich anzuerkennen, dass Nickellegierungen in Münzen nichts zu suchen haben.«

Schweiß und Euro - fertig ist die Batterie

Ursache der hohen Nickel-Auslösung aus den Euro-Stücken ist den Schweizer Wissenschaftlern zufolge die Bi-Metall-Struktur der Münzen, deren äußerer Ring und innerer Kern aus verschiedenen Metall-Legierungen bestehen. Während der hellere Teil der Euro-Münzen 25 Prozent Nickel enthält, besteht der dunklere Teil nur zu 5 Prozent aus dem Schwermetall. Dem salzhaltigen Schweiß der Handflächen ausgesetzt, bilden die unterschiedlichen Legierungen ein so genanntes galvanisches Element. Ähnlich den Vorgängen in einer Batterie wird dabei durch elektrochemische Vorgänge elektrische Energie freigesetzt. Die Legierungen korrodieren, Nickel wird aus den Münzen heraus gelöst.

Keine Stellungnahme des Bundesregierung

Schwedische Wissenschaftler hatten bereits Ende vergangenen Jahres veröffentlicht, dass Ein- und Zwei-Euro-Münzen bei verschwitzten Händen in einer Minute ein Mikrogramm Nickel freisetzen. Die Bundesregierungen war damals Befürchtungen über eine mögliche Gefährdung entgegengetreten. Zu der aktuellen Studie bezogen weder Gesundheits- und Verbraucher-, noch das Finanzministerium Stellung.

Schätzungen von Allergologen zufolge leiden in Deutschland bis zu 6 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen unter einer Nickelallergie. Kommen sie länger mit dem Metall in Kontakt, rötet sich die Haut, juckt und bildet Bläschen. Vor allem Schmuck, Brillenbügel und Knöpfe gelten als problematische Nickel-Quellen.

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