HOME

Franken-"Tatort" im Check: Woher stammen die Leichen für eine Körperspende?

Rätselraten am Institut für Anatomie in Würzburg: Der neue "Tatort" aus Franken dreht sich um einen Schädel ohne Identität und rückt auch das Thema Körperspende in den Fokus. Wie realistisch war die Darstellung im Drehbuch?

Franken Tatort

Die "Tatort"-Kriminalkommissare Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) mit Prof. Magdalena Mittlich (Sibylle Canonica).

"Der hier ist meiner Meinung nach falsch. Er passt nicht zum Rest des Skeletts": Die Worte eines Doktoranden bringen die Professorin am Würzburger Institut für Anatomie in Bedrängnis. Dem jungen Mediziner ist während einer Knochenanalyse aufgefallen, dass ein Skelett der Instituts-Sammlung aus den Knochen zweier Menschen besteht. Der Schädel und der erste Halswirbel passen nicht zusammen. Sein Verdacht: Jemand muss den Kopf aus dem Institut entwendet und durch einen anderen ausgetauscht haben. Doch woher stammt der neue Knochen? Und vor allem: Wem hat er gehört?

Das fränkische Ermittlerduo Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) begibt sich auf Spurensuche in den Räumen der Universität. Dabei ermöglichen sie den Blick in eine Welt, die sonst nur angehenden Ärzten und Medizinern vorbehalten ist: die Arbeit eines Anatomie-Instituts, an dem Körperspenden konserviert und präpariert werden. Anatomie-Kurse zählen zu der Grundausbildung eines jeden angehenden Arztes. Studenten lernen anhand echter Leichen, wo Muskeln, Sehnen und Bänder verlaufen und entwickeln so ein Grundverständnis für den menschlichen Körper.

Der "Tatort" spielte zwar an einem echten Ausbildungsplatz, doch wie realistisch war das Drehbuch tatsächlich? Warum roch es im Institut so seltsam? Und wie kommen die Institute überhaupt an Körperspenden? Ein Überblick.

Wie genau funktioniert eine Körperspende?

Voraussetzung einer jeden Körperspende ist die Einwilligung des Spenders. Diese erteilt er noch zu Lebzeiten. Dafür gibt er bei dem örtlichen Institut für Anatomie eine Erklärung ab. Sie beinhaltet persönliche Angaben und muss meist auch von zwei Zeugen unterschrieben werden. Sie bestätigen, dass sich der Körperspender aus freien Stücken dazu entschlossen hat, seinen Körper dem Zweck der Lehre und Forschung zur Verfügung zu stellen. Wichtig: Die Erklärung ist kein Vertrag, sie kann jederzeit widerrufen werden.

Ist der Tod eingetreten, wird das jeweilige Institut von den Angehörigen oder Ärzten über das Ableben des Spenders informiert. Im Anschluss wird der Leichnam in die Anatomie überführt – entweder mit einem Fahrzeug der Universität oder mithilfe eines Bestattungsunternehmens.

Wer kommt nicht als Körperspender infrage?

Menschen mit schweren Infektionen wie HIV oder Hepatitis können ihren Körper nach dem Ableben nicht spenden. In Einzelfällen kommt es trotz unterschriebener Erklärung zu keiner Spende. Das ist der Fall, wenn der Spender im Ausland verstirbt und sich der Leichnam außerhalb des Einzugsgebiets der Universität befindet. Das Mindestalter, um in die Kartei aufgenommen werden zu können, liegt meist bei 50 Jahren. So soll verhindert werden, dass Studierende an gleichaltrigen Menschen präparieren müssen.

Warum roch es im Institut so seltsam? Lag das an den Leichen?

Nein. Die Ursache des Geruchs ist die chemische Substanz Formaldehyd, das die Körper vor der Verwesung schützt. Die Leichname werden darin eingelegt, das Konservierungsmittel tötet Keime ab und wirkt desinfizierend. Aufgrund seines süßlich-beißenden Geruchs kann es Übelkeit verursachen – ein leidiges Problem, das vielen Medizin-Studenten bekannt vorkommen dürfte.

Was passiert mit den Körpern nach dem Präparieren?

Ein  Anatomiekurs dauert zwei Semester, also ein Jahr. Nach diesem Zeitraum werden die Körper eingeäschert. Eine Beerdigung ist nicht möglich, da die Körper durch die Konservierung nicht mehr verwesen können. Körperspender können vor ihrem Tod zwischen verschiedenen Bestattungsarten wählen: Zur Auswahl stehen meist ein anonymes Urnengrab oder ein Platz in einem bestehenden Familiengrab. Auch eine Seebestattung ist in Einzelfällen möglich.

Umsonst ist das nicht – die Institute berechnen den Spendern die Bestattungskosten, die meist in Höhe von mehreren hundert Euro liegen. Die Kosten müssen bereits vor dem Ableben an das Institut überwiesen werden.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity